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Flemming Meyer zu TOP 20 & 65 - Anträge und Bericht zur landwirtschaftlichen Nutztierhaltung
Presseinformation Kiel, den 22.03.2012 Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 20 & 65 Anträge und Bericht zur landwirtschaftlichen Nutztierhaltung Drs. 17/1939, 17/2153 und 17/2327Wir erleben immer häufiger in unseren Kommunen, dass sich Bürgerinitiativen gründen, diesich gegen den Bau von Biogasanlagen oder großen Mastanlagen richten. Dies har vielerorts zuheftigen Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde geführt.Für mich ist dies in erster Linie ein Zeichen dafür, dass etwas mit dem Planungsrecht nichtmehr stimmt. Mit der Privilegierung im §35 Baugesetzbuch wurde die kommunalePlanungshoheit mehr oder weniger ausgehebelt. Eine direkte politische Beeinflussung beimBau derartiger Anlagen ist kaum noch möglich. Der potentielle Betreiber hat einenRechtsanspruch seine Anlage zu bauen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.Es gibt durchaus rechtliche Möglichkeiten gegen solche Projekte vorzugehen, jedoch erfordertdies fachlich qualifizierte Stellungnahmen, die nur von eingefuchsten Fachleuten erbrachtwerden können. Dies können die betroffenen Kommunen jedoch kaum leisten. Zudem spieltauch die zeitliche Komponente für einen Einspruch eine wichtige Rolle. 2Gleichwohl besteht die Möglichkeit der Steuerung über die Bauleitplanung der Gemeinde. Diesmacht auch der Bericht der Landesregierung deutlich. Es hat aber den Anschein, dass vieleKommunen von der Privilegierung überrumpelt wurden und ihren Flächennutzungsplan nichtentsprechend angepasst haben. Es gibt aber auch Kommunen, die nicht einmal einenFlächennutzungsplan haben. Dies ist wieder ein Beleg für die Kleinteiligkeit derGemeindestruktur bei uns im Land.Fakt ist aber, dass mit derartigen Anlagen die Siedlungsentwicklung der Gemeinden gehemmtwird, die Immissionsbelastungen zunehmen, Umweltbelastungen steigen und derAußenbereich als Erholungsraum verloren geht.Aus dem Bericht geht hervor, dass es auf Bundesebene mittlerweile Planungen gibt, dierechtlichen Einspruchmöglichkeiten zu verschärfen. Jedoch gilt dies nur für große gewerblicheTierhaltungsanlagen – das was man als Agrarindustrie bezeichnen würde.De facto bringt dies keine wirkliche Änderung und keine Verbesserung für die kommunalePlanungshoheit mit sich. Auch von der Landesregierung ist hier nicht mit wirklicherUnterstützung zu rechen, denn prinzipiell hält die Landesregierung weiter an der Privilegierungim Außenbereich fest.Das Engagement der Bürgerinitiativen ist aber auch ein Beleg dafür, dass in weiten Teilen derGesellschaft ein Umdenken bezüglich der Entwicklung der Landwirtschaft stattfindet. DieEinwände gegen Massentierhaltungsanlagen sind lang - ob aus naturschutz- odertierschutzfachlicher Sicht.Zudem sind diese Bürgerinitiativen gut vernetzt mit Umweltschutzverbänden oderTierschutzorganisationen und sie tauschen sich untereinander aus. Dieser Druck von unten, istBeweis dafür, dass wir bereits eine breite Diskussion über die künftige Ausgestaltung der Land-und Ernährungswirtschaft in der Gesellschaft haben. Vor dieser Entwicklung darf die Politiknicht die Augen verschließen. Wir müssen uns diesen Aufgaben stellen und Lösungenaufzeigen, wie wir die Landwirtschaft zukunftsorientiert und nachhaltig gestalten wollen. 3Die bisherige Landwirtschaftspolitik wurde in Bahnen gelenkt, die einzig auf Wachstumausgerichtet ist. Es musste immer mehr zu immer günstigeren Preisen produziert werden, umam Markt zu bestehen. Diese Entwicklung ist wirtschaftlich nicht gesund. So vollzieht sich auchseit Jahrzehnten der Strukturwandel in der Landwirtschaft. Die Betriebe die nachbleiben sindgezwungen sich zu vergrößern: Mehr Fläche und immer mehr Tiere.Dies ist aber keine Entwicklung, die sich die Landwirte freiwillig ausgesucht haben. VieleLandwirte mit denen ich gesprochen habe, lehnen dies ab. Wer aber nicht aufgeben will, dermuss vergrößern, um die Produktionskosten zu verringern.Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden. Aber das bedeutet, dass die Förderpolitik in derLandwirtschaft komplett geändert werden muss.Aufgrund der Komplexität schlage ich vor, dass wir das Thema im Ausschuss vertiefen.