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Anke Spoorendonk zu TOP 5 - Gesetz zur Lehrerbildung
PresseinformationKiel, den 25. April 2012 Es gilt das gesprochene WortAnke SpoorendonkTOP 5 Gesetz zur Lehrerbildung Drs. 17/281Es gehört zu den Geburtsfehlern der Schulreform 2007, dass nicht zeitgleich eine Reformder Lehrerbildung in Angriff genommen wurde. Vieles hätte dann heute andersausgesehen. Fakt ist aber, dass es für die schwarz-gelbe Koalition viel zu einfach war, dasgegliederte Schulsystem durch die Hintertür wieder einzuführen. Statt den Schulfrieden2007 als Chance zu sehen, hat das Bildungsministerium nach 2009 dauerndumgesteuert - oder, sagen wir es genau: das Steuer verrissen. Die Lehrerbildung läuftnämlich bis heute so, als hätte es nie Veränderungen gegeben: In Flensburg werdenimmer noch Realschullehrer ausgebildet, und das ist ungefähr so zukunftsweisend wiedie Forderung, die Sütterlin- Schrift wieder einzuführen.Doch nun soll alles besser werden. Die Landesregierung hat in letzter Minute die Kurvegekriegt und Ende März beschlossen, dass es ab dem Wintersemester 2013/2014 an derUni Flensburg erstmals ein neues Lehramt für Regional- und Gemeinschaftsschulen undein eigenständiges Lehramt für Grundschulen geben soll. Brauchen wir da noch ein 2eigenständiges Lehrerbildungsgesetz, könnte man fragen. Denn so etwas haben wir inSchleswig-Holstein bisher nicht gehabt. Bis heute tragen und gestalten Studien- undPrüfungsordnungen der Universitäten die Lehrerbildung und eben kein demokratischgeformtes Gesetz. Anders herum stellt ein Lehrerbildungsgesetz ein Stück Transparenzdar, und das begrüßen wir ausdrücklich. Daran hat sich seit der ersten Lesung desGesetzentwurfs von Bündnis 90/ Die Grünen im März 2010 nichts geändert. Neu sindhingegen einige inhaltliche Änderungen im Gesetz, womit die Bündnis-Grünen demKonzept der Uni Flensburg zur Novellierung der Lehrerbildung Rechnung tragen, dasauch die Grundlage für das Konzept der Landesregierung bildet. Der geänderteGesetzentwurf ist ein Kompromissangebot für die Hochschulen, heißt es von denGrünen. Das sieht der SSW genauso.Langfristig wird Schleswig-Holstein aber nicht um eine Stufenlehrerausbildungherumkommen, die unabhängig von der konkreten Schulart gestaltet werden muss.Zukünftig sollte es aus Sicht des SSW nur die Stufen Sekundarstufe I, mit derMöglichkeit, sich auf Grundschulen zu spezialisieren, und das Lehramt für dieSekundarstufe II geben. Wir brauchen diese Stufenlehrerausbildung. Denn damit wirdnicht zuletzt zum Ausdruck gebracht, dass es beim Unterrichten nicht auf die Schulartankommt, sondern auf die Binnendifferenzierung und die individuelle Förderung. Füruns steht mit anderen Worten fest, dass sich auch das Lehramt für Gymnasien langfristigverändern muss. Auch in diesem Bereich gilt es, das Studium zu erweitern - durchpädagogische Aspekte des gemeinsamen Lernens, durch Bewertung vonLernfortschritten und den Umgang mit Heterogenität. 3Dort sind wir aber noch nicht – weder in Schleswig-Holstein noch in der Bundesrepublikinsgesamt. Daher haben wir beschlossen, das Kompromissangebot der Kolleginnen undKollegen von den Grünen zu unterstützen. Das gilt im Einzelnen nicht für jedenBuchstaben des Gesetzentwurfs. Er schafft aber eine gute Grundlage für notwendigeVeränderungen. Auch dem SSW ist wichtig, dass die Gemeinschaftslehrerausbildungnicht mit dem Mittleren Bildungsabschluss endet. Wir wollen, dass es auch anGemeinschaftsschulen Kinder mit Gymnasialempfehlung gibt. Und das ist momentannur machbar, wenn es an der Uni Flensburg künftig möglich sein wird, das Lehramt fürGemeinschaftsschulen um die Sekundarstufe II zu erweitern. Die Spezialisierung auf eineigenständiges Lehramt für Grundschulen ist fachlich sicherlich sinnvoll. Es darf aber ausunserer Sicht nicht dazu führen, dass es unter dem Strich eine Lehrerausbildung ersterund zweiter Klasse gibt. Der fachwissenschaftliche Bezug muss sichergestellt sein, undmehr als alles andere gilt auch hier der Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.Eine weitere Baustelle bei der Lehrerbildung betrifft die Minderheitensprachen. DerMinister hat im Ausschuss mündlich über die Situation des Friesisch-Unterrichtsreferiert. Ich muss eingestehen, dass ich nach Erfahrungen in der Vergangenheit zutiefstbeunruhigt bin, wenn der Bildungsminister erklärt, alles sei in Ordnung sei. Und dieFakten geben mir recht: der Europarat hat im Rahmen des Charta-Evaluation Schleswig-Holstein wegen der lückenhaften Unterrichtsversorgung für Friesisch gerügt. DesWeiteren ist die geringe Zahl neuer Friesisch-Lehrer, die Friesisch nur noch zusätzlich zuzwei anderen Fächern studieren können, in hohem Maße beunruhigend. Das Friesisch-Angebot im Sekundar-Bereich II ist so gut wie gar nicht vorhanden. Der vom SSW inseinem Antrag geforderte Ausbau des Angebotes ist also in Schleswig-Holstein 4überhaupt nicht zu erkennen, sondern das krasse Gegenteil. Hier gibt es also nochHausaufgaben zu erledigen.Die Kieler Nachrichten haben es letzte Woche auf den Punkt gebracht: Nie zuvor wurdeso vehement der Schulfrieden eingefordert und dabei ist Schulfrieden so weit entferntwie eh und je. Daher wiederhole ich gern, was ich in den Bildungsdebatten der letztenMonate of genug gesagt habe: Mit dem von CDU und SPD getragenen Schulgesetz von2007 gab es eine echte Chance für einen Schulfrieden. Nicht, weil dieses Gesetz ohneSchwachstellen war – im Gegenteil – sondern, weil beide Fraktionen mit im Boot saßenund es alle Möglichkeiten gab, die damals angestoßene Schulreform laufend zuevaluieren und weiterzuentwickeln.Daraus ist bekanntlich nichts geworden. In der CDU gewannen nach 2009 diejenigenwieder die Oberhand, die 2007 nur zähneknirschend dem Schulgesetz zugestimmthatten. Alle anderen gaben klein bei oder ließen sich von der FDP über den Tisch ziehen.Denn Fakt ist auch, dass die FDP in Bildungsfragen so strukturkonservativ ist, wie es dieCDU nie gewesen ist. Programmatisch gesehen sprach sich Ekkehard Klug immer wiedergegen „die Benachteiligung des Gymnasiums“ der Gemeinschaftsschule gegenüber aus– das wollte er von Anfang an ändern.Wer also jetzt einen in Beton gegossenen Schulfrieden einfordert, spielt mit denGefühlen von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und Schulkindern. Denn alleSchulkontroversen der letzten zwei Jahre sind der Regierungskoalition geschuldet. Siehat handwerklich schlecht gearbeitet – bei der Erstellung von Erlassen undVerordnungen, und sie hat Schulträger und Kommunen gegen Schulkonferenzenausgespielt. Hinzu kommt, dass mittlerweile völlig ausgeblendet wird, dass sichKommunen im Ländlichen Raum überwiegend für das Modell der Gemeinschaftsschule 5entschieden haben – und zwar unabhängig von politischen Mehrheiten. Es ist daher fastwie ein Schlag ins Gesicht dieser kommunalen Schulträger, wenn fast triumphierendeine aktuelle Studie des Allensbacher Instituts herangezogen wird, wonach es inSchleswig-Holstein eine deutliche Mehrheit gegen die Einheitsschule gibt. Das istungemein beruhigend, denn wer will sie denn überhaupt? Keiner! Soll heißen: hier wirdideologische Polemik als Meinungsbild verschleiert, und das ist ein Skandal.Zu den vorliegenden Anträgen daher nur den einen Satz: Wir werden demÄnderungsantrag der SPD zum Schulfrieden-Antrag der Regierungsfraktionenzustimmen und uns bei dem Grünen Antrag der Stimme enthalten. Daraus ergibt sichauch unser Abstimmungsverhalten bei den Anträgen der Linken.