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Jette Waldinger-Thiering zu TOP 46 - Programm "Soziale Stadt" erhalten
Presseinformation Kiel, den 27.04.2012Es gilt das gesprochene WortJette Waldinger-ThieringTOP 46 Programm „Soziale Stadt“ erhalten Drs. 17/1366 und 17/2374Vor etwas über einem Jahr haben wir den vorliegenden Antrag der SPD hier im Landtagdiskutiert. Damals wie heute schließen wir uns selbstverständlich der Forderung nach demErhalt des Programms „Soziale Stadt“ an. Wir alle wissen, dass der Bund seine Mittel für dieGemeinschaftsaufgabe Städtebauförderung insgesamt drastisch kürzt. Das Programm „SozialeStadt“ ist hiervon überproportional betroffen: Anstelle von fast 100 Millionen Euro soll es heutemit nur noch 28,5 Millionen auskommen. Noch dazu hat der Haushaltsausschuss desBundestags beschlossen, dass die Finanzmittel nicht mehr für Modellvorhaben verwendetwerden dürfen. An Stelle von Bildungsinitiativen oder speziellen Sprachkursen werden damitnur noch Investitionen in Beton gefördert. Diese Entwicklung erfüllt den SSW mit Sorge. Dennviele Menschen in schleswig-holsteinischen Städten haben nachweislich von diesemProgramm profitiert. Dass sich CDU und FDP hier im Land gegen den Antrag - und damit gegenden Weg einer Bundesratsinitiative - entschieden haben, halten wir für unverantwortlich. 2Ziel des Programms „Soziale Stadt“ ist die Förderung von wirtschaftlich, städtebaulich undsozial benachteiligten Gebieten. Damit ist nicht nur die Stärkung von Zusammenhalt undMotivation der Bewohner, sondern letztlich auch die allgemeine Verbesserung derLebensbedingungen verbunden. Es hat also einen vielseitigen und positiven Einfluss auf denAlltag der Menschen in den betroffenen Stadtteilen. In Gesprächen mit den Menschen die sichan der Umsetzung vor Ort beteiligen, werden die großen und kleinen Erfolge dieser Maßnahmeimmer wieder deutlich.Dabei ist uns durchaus bewusst, dass die Mittel des Programms „Soziale Stadt“ nicht nurbefristet, sondern im Laufe der Zeit auch degressiv gewährt werden sollen. Doch eine Kürzungdes Programms um fast 70 Prozent ist nicht nur unverhältnismäßig sondern auchkontraproduktiv. Denn bei der Bekämpfung der vielschichtigen Probleme in sozialbenachteiligten Gebieten handelt es sich um langwierige Prozesse. Gerade hier ist also einekontinuierliche Förderung gefragt. Durch den drastischen Einschnitt werden nun aberMaßnahmen frühzeitig beendet oder gestreckt, ohne dass die langfristige Wirkung gesichertist. Aus unserer Sicht werden damit die konkreten Erfolge der Städtebauförderung aufs Spielgesetzt. Eine solche Entwicklung halten wir für völlig inakzeptabel.Die Haushaltskonsolidierung hat in Bund und Land zu Recht einen hohen Stellenwert. Undnatürlich bringt die Bemühung um einen ausgeglichenen Haushalt schmerzlicheEntscheidungen mit sich. Die drastische Beschneidung des Programms lässt sich damittrotzdem nicht rechtfertigen. Tatsache ist, dass die „Soziale Stadt“ vor allem auch Anreize füreine Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil geschaffen hat. Ihnen wurde hierdurchermöglicht, sich an vielfältigen Entscheidungen zur Verbesserung des Wohnumfelds zubeteiligen. Eine geringere Arbeitslosigkeit und weniger Kriminalität waren nicht selten dieFolge. Das Programm hat damit in vielen Wohngebieten ganz konkret zu sozialen undwirtschaftlichen Erfolgen beigetragen. Aus diesen Gründen sind sich auch die Experten darübereinig, dass kaum ein anderes Förderprogramm so große Erfolge bei einem so geringen 3Investitionsvolumen gebracht hat. Ausgerechnet hier den Rotstift anzusetzen, ist absurd undfalsch.Wir wollen, dass das Programm für Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf erhaltenbleibt. Es ist kein Subventionsprogramm mit zweifelhaften Nebeneffekten, sondern eineäußerst sinnvolle und bewährte Investitionsförderung. Durch die Kombination von baulichenund sozialen Maßnahmen werden die Menschen bei der Entwicklung benachteiligter Stadtteileund Kommunen mitgenommen. Die Identifikation und das Engagement für das eigeneQuartier sind hierdurch bei vielen Bewohnern deutlich gewachsen. Und gerade diesesbürgerschaftliche Engagement ist hier sehr wichtig: Denn ohne die Unterstützung derBürgerinnen und Bürger ist es für die klammen Städte und Kommunen kaum möglich, dienötigen Fortschritte bei der Entwicklung benachteiligter Gebiete zu machen.