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Lars Harms zu TOP 8 + 14 - Glücksspielwesen
Presseinformation Kiel, den 24.08.2012Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 8 + 14 Entwurf eines Gesetzes zum ersten Staatsvertrag zur Änderung des Staatsvertrages zum Glücksspielwesen in Deutschland, Entwurf eines Gesetzes zur Änderung glücksspielrechtlicher Gesetze Drs. 18/79 + 18/104Betrachtet man die Diskussionen zu den glücksspielrechtlichen Vorschriften in der gesamtenBundesrepublik, so kann man feststellen, dass die Diskussion im Laufe der Zeit immer schrägergeführt wurde. Am Anfang der Diskussionen stand die Frage, ob es überhaupt akzeptabel ist,dass der Staat Regelungen einführt, die zu einer verstärkten Spielsucht führen können. DieseDiskussion wäre es eigentlich Wert gewesen, vernünftig zu Ende geführt zu werden.Stattdessen hat aber die alte Landesregierung den Interessen der Glücksspiellobby dienenwollen und natürlich die Einnahmen des Landes durch die Liberalisierung des Glückspielssteigern wollen. Hierfür ging die damalige schwarz-gelbe Landesregierung sogar den Weg indie Einbahnstraße und klinkte sich aus einem gemeinsamen Staatsvertrag aus. Damitwandelte sich die Diskussion in eine Finanzdiskussion und dies führte auch dazu, dass man inden anderen Bundesländern den Staatsvertrag änderte und somit auf den damaligenschleswig-holsteinischen Weg einschwenkte. Wenn wir also heute über den Staatsvertrag 2reden, dann reden wir auch über einen Staatsvertrag, der mehr zulässt als in derVergangenheit möglich war.Das an sich ist schon für uns das maximale Entgegenkommen und deshalb ist es auch klar,dass die einseitigen Landesregelungen so schnell wie möglich weg müssen. Es ist nämlich nichtstaatliche Aufgabe, mehr Süchtige zuzulassen, um Geld zu verdienen. Sondern es ist staatlicheAufgabe, Sucht zu verhindern. Und wir wissen alle, dass die Liberalisierung des Glücksspielsdazu führt, dass legal und damit im wesentlich größeren Umfang für Glücksspiel geworbenwird. Und wo mehr geworben wird, gibt es mehr Spieler geben und wo es mehr Spieler gibt,gibt es auch mehr Süchtige. Für den SSW hat es daher allerhöchste Priorität, Spielsucht zuverhindern. Deswegen muss das Glücksspielgesetz der alten Regierung so schnell wie möglichweg.Wenn wir uns ansehen, auf welche Art und Weise dies geschehen kann, dann wissen wir, dassdies schwieriger ist, als ursprünglich angenommen. Wenn das bisherige Glücksspielgesetzzurückgenommen wird, dann muss dieser Schritt notifiziert werden und wenn dann derStaatsvertrag in Zukunft an die Stelle des Glücksspielgesetzes treten soll, dann wird diesmöglicherweise auch einer Notifizierungspflicht bei der EU unterliegen. Dass heißt, dass essein kann, dass diese Verfahrensabläufe Zeit brauchen. Das normale Notifizierungsverfahrendauert mindestens drei Monate. Und in dieser Zeit wird es wohl nicht möglich sein, eine zweiteLesung durchzuführen. Ich sage dies deshalb, weil klar sein muss, dass die neue Koalition nichtfür das verantwortlich gemacht werden kann, was vor diesem Hintergrund passieren kann –nämlich, dass Lizenzen erteilt werden müssen. Wenn also Lizenzen erteilt werden, dann liegtdass daran, dass die alte Regierung dieses Gesetz durchgepaukt hat und wissentlich in Kaufgenommen hat, dass mehr Spielsüchtige die Folge sein werden.Um es klar zu sagen, es wird nicht politisch entschieden, ob eine Lizenz für Online-Poker aufGrundlage des bestehenden Gesetzes erteilt wird. Weder die Landesregierung noch derLandtag haben hier formale Eingriffsmöglichkeiten. Deshalb kann man dieses auch nicht im 3Landtag beschließen, wie es die CDU beantragt hat. Ob eine Lizenz erteilt wird, ist von dergeltenden Rechtsgrundlage abhängig und es ist von der Erfüllung der notwendigen Auflagenabhängig, die im Genehmigungsverfahren von der Genehmigungsbehörde – demInnenministerium – eingefordert werden. Erfüllt ein Antrag die Bedingungen und dierechtlichen Anforderungen, ist die Lizenz ohne schuldhafte Verzögerung zu erteilen, ansonstenkönnten hohe Schadensersatzforderungen auf das Land zukommen, die wir uns nicht leistenkönnen und auch nicht wollen. Deshalb kann man sicher sein, dass die Verwaltung hierrechtstreu und verantwortungsvoll arbeiten wird und dies kann eben auch dazu führen, dassetwas genehmigt werden muss, was wir uns politisch nicht wünschen und wovor wir dieMenschen bewahren wollen. Wenn also der Spielsucht hierdurch Vorschub geleistet wird undmöglicherweise auch noch andere Nachteile entstehen sollten, dann ist dies der Engstirnigkeitder damaligen schwarz-gelben Koalition geschuldet.Das bedeutet, dass wir zwar versuchen werden, die Gesetzesänderungen schnell und rechtlicheinwandfrei umzusetzen. Aber es ist auch wichtig, dass wir möglicheSchadensersatzzahlungen verhindern und dass wir auch sicherstellen, dass die EU keineStrafzahlungen gegen uns verhängt. Wir haben hier ein Zeitfenster von drei Monaten an demwir höchstwahrscheinlich nicht vorbei kommen. Trotzdem werden wir das Glücksspielgesetzaufheben und dem Staatsvertrag aller Bundesländer beitreten. Wir tun dies, um Schlimmereszu verhindern und wir tun dies aus Verantwortung vor den Bürgerinnen und Bürgern unseresLandes und nicht, weil wir der Glücksspiellobby einen Dienst erweisen wollen. Dasunterscheidet unsere Politik von der bisherigen Politik von Schwarz-Gelb.