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Lars Harms zu TOP 31 - Neuordnung der Universitätsmedizin
PresseinformationKiel, den 15. November 2012 Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 31 Neuordnung der Universitätsmedizin Drs. 18/285Die Behandlung komplizierter Erkrankungen, seltener Krankheiten oder multiplerKrankheitsbilder erfolgt in Schleswig-Holstein in den Universitätskrankenhäusern an denStandorten in Kiel oder Lübeck. Entsprechendes Knowhow, auch und gerade durch kurze Wegezwischen Forschung und Behandlung, sichern den Patienten dort ausgesprochen guteHeilungschancen.Manchmal vergessen wir in den Diskussionen um rote oder schwarze Zahlen, dass dieUniversitätsmedizin für die Maximalversorgung kranker Menschen zuständig ist – und dieseAufgabe ausgesprochen gut erfüllt. Bislang. Manche Schlagzeilen suggerieren ein anderes Bild,wonach die hohen Standards gefährdet seien. Das ist trotz desolater baulicher Mängel aneinigen Gebäuden bislang nicht der Fall.Gerade wir als Entscheider sollten uns nicht daran beteiligen, die Universitätsmedizin herunterzu reden. Damit spielen wir nämlich den falschen Interessen in die Hände.Fakt ist allerdings, dass die Zusammenlegung der beiden Standorte dem Gesamtkonzern seit2003 in jedem Jahr ein wachsendes Defizit beschert hat. Angesichts des Defizits von 140 Mio. 2Euro ist der Masterplan Hochschulmedizin längst Makulatur. Die darin taxierten 700 Mio. Eurofür Gebäudesanierung und Neubauten, kann die öffentliche Hand nicht aufbringen. Darumentschied sich die alte Landesregierung für die Gewinnung privater Investoren im Rahmen einesklassischen Immobilien ÖPP-Projektes.Private Anbieter sollen Neu- und Umbau der Universitätsgebäude finanzieren und durchführenund das Land diese Gebäude dann mieten. Entsprechende Interessenten waren schnell zur Stelle.In der politikwissenschaftlichen Literatur werden die ÖPP-Projekte im Krankenhauswesen aberzunehmend als problematisch bewertet, weil sie zwar kurzfristige Entlastungen bringen, aberlangfristig die inhaltliche Begleitung des Projektes erschwert wird und natürlich auch dieGesamtkosten über die Laufzeit höher sind als bei einer kreditfinanzierten Variante.Entsprechende Erfahrungen liegen inzwischen vor. Danach ist klar: kein Vertrag kann sowasserdicht sein, dass nicht doch ein Schlupfloch jahrelange juristische Querelen nach sichziehen kann. ÖPP verschiebt also die Gleichgewichte weg vom Staat hin zu privaten Investoren –und das in einem Bereich, nämlich der medizinischen Maximalversorgung, der zurDaseinsvorsorge gehört. Mit entsprechender Skepsis sollten die weiteren Verhandlungen daherbetrachtet werden.Andererseits ist weder den Beschäftigten vor Ort, noch den Kranken oder der Landesregierungmit Bedenkenträgerei geholfen. Die massiven Probleme bei einigen Gebäuden drängen geradezuzu entschlossenem Handeln und tragfähigen Lösungen.Ich bin allerdings davon überzeugt, dass wir das Rad nicht immer neu erfinden müssen. Wirhaben nämlich in Schleswig-Holstein eine Institution, die sich mit Gebäudesanierung,Gebäudeverwaltung und Gebäudebetrieb und der Begleitung von solchen großen Projektenausgesprochen gut auskennt. Das ist die GMSH. Entsprechendes Fachwissen könnte die GMSHauch bei der Universitätsmedizin zum Einsatz bringen. Damit hätten wir zwei Fliegen mit einerKlappe geschlagen: eine schnelle Lösung, ohne dabei die gesamte Steuerungsfähigkeit aus derHand gegeben zu haben. Der Betrieb der Gebäude könnte nach Sanierung oder Neubau zumBeispiel auch an die GMSH übergeben werden. Das wäre eine denkbare Alternative. 3Und in dem Meinungsbildungsprozess sind wir offen. Die Zeiten, in denen die Landesregierungvon oben herab den Standorten die eine oder andere Weichenstellung verordnet hat, ohne sichdabei großartig um die örtlichen Gegebenheiten zu kümmern, sind erfreulicherweise passé. Jetztgeht es um einen Entscheidungsprozess, in dem alle Alternativen abgewägt werden müssen.Diese Art der Entscheidungsfindung bildet erst die Voraussetzung, überhaupt Synergien hebenzu können. Und ich denke, dass wir diesbezüglich – wenn wir auf die bisher in Gang gesetztenVerfahren aufbauen und neue Ideen nicht von vornherein abwiegeln - auf dem besten Wegdahin sind.