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Beate Raudies zu TOP 49: Landesmuseen wieder auf ein stabiles Fundament stellen
Es gilt das gesprochene Wort! Kiel, 12. Dezember 2012TOP 49: Bericht des Stiftungsrates “Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf” (Drucksache 18/190) Beate Raudies:Landesmuseen wieder auf ein stabiles Fundament stellenDer jährliche Bericht der Landesregierung zur Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen wird diesmal wenigstens nicht von vornherein ohne Aussprache in den Bildungsausschuss überwiesen. Und ich denke, es ist nicht zu viel verlangt, dass wir uns auch im Plenum mit einem der kulturellen Leuchttürme des Landes beschäftigen, für die das Land Jahr für Jahr rund 6 Millionen Euro bereit stellt. Das ist nicht wenig. Diese Summe entspricht in etwa 120 Lehrerstellen, und in den schulpolitischen Debatten, die wir bei jeder Plenarsitzung führen, wäre das eine Größenordnung, die wir auch nicht ohne Aussprache in den Ausschuss überweisen würden.Was die Landesregierung zu berichten hat, kann niemanden mit Freude und Beruhigung erfüllen. Die Besucherzahlen sind an fast allen Einrichtungen mit Ausnahme von Schloss Gottorf selbst spürbar zurückgegangen, und Schloss Gottorf hatte im Berichtsjahr 2010 einen Besuchereinbruch von über einem Drittel zu verkraften, so dass 4.300 Besucher mehr im Jahr 2010 auch im Haupthaus kein Grund zur Beruhigung sein kann.Ich glaube, wir alle teilen die besondere Beunruhigung über die weiterhin zurückgehenden Besucherzahlen beim Jüdischen Museum in Rendsburg, das nach dem Zwischenhoch des Jahres 2010 jetzt auf weniger als 5.000 Besucher innerhalb eines Jahres zurückgegangen ist. Das bedeutet umgerechnet, dass sich pro Öffnungstag gerade einmal sechzehn Besucher in diese gesellschaftlich so wichtige Einrichtung verirren.Hier muss etwas geschehen. Wenn ich mir vor Augen halte, auf wie viel Resonanz die Anne- Frank-Ausstellung gestoßen ist, die wir vor einigen Wochen im Landeshaus hatten, ist schwer einzusehen, warum das Jüdische Museum so ein Mauerblümchendasein führt. Ich bin davon 2überzeugt, dass das, was die Schulen im Bereich der Anne-Frank-Ausstellung geleistet haben, mindestens ansatzweise auch für das Jüdische Museum in Rendsburg zu leisten ist. Denn das, was junge Menschen dort erfahren können, ist, dass die Geschichte der Juden in Deutschland mehr ist als Verfolgung und Massenmord. Sie erfahren etwas über einen wichtigen Bestandteil der Kultur in Deutschland, der für sie aber aus bekannten Gründen nicht mehr selbstverständlich und nicht mehr allgemein wahrnehmbar ist.Die Entwicklung der Stiftung war in den letzten Jahren ziemlich sprunghaft. Es ist sicher ein Fortschritt, dass zum nächsten Jahr das Freilichtmuseum Molfsee ein Teil der Stiftung wird. Es war aber sicher kein Fortschritt, dass Ende letzten Jahres der Direktor des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte seine Stelle vorzeitig aufgegeben hat.Die SPD-Fraktion hat die von der damaligen Regierungsmehrheit unmittelbar vor der Landtagswahl noch durchgezogene Novellierung des Stiftungsgesetzes in einigen wichtigen Punkten nicht mitgetragen. Wir hielten es für einen Fehler, dass nur einer der beiden Direktoren der großen Häuser und nicht beide Mitglieder des Stiftungsrates sein sollten.Für die Landesmuseen ebenso wie für jede andere kulturelle Einrichtung gilt, dass sie alle Möglichkeiten wahrnehmen müssen, um ihre Eigeneinnahmen zu erhöhen. Das darf aber nicht bedeuten, einmal im Jahr an der Stellschraube der Eintrittspreise zu drehen. Denn es ist nichts damit gewonnen, wenn die Museen an der einzelnen Eintrittskarte ein oder zwei Euro mehr verdienen, gleichzeitig aber potentielle Besucher abschrecken, weil sich Familien einen ganztägigen Museumsbesuch mit allen Kosten, die damit verbunden sind für Fahrt und Verpflegung, nicht mehr leisten wollen oder können. Denn für die Zielgruppe der Familien mit Kindern ist das Angebot - mit Ausnahme des Themas Wikinger - offenbar wenig attraktiv.Wir müssen deshalb den Bericht der Landesregierung im Ausschuss diskutieren und gemeinsam mit den Verantwortlichen der Museen - und das meint nicht nur den Stiftungsvorstand - nach Lösungswegen suchen, um diese Einrichtungen wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen.