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Jette Waldinger-Thiering zu TOP 49 - Bericht des Stiftungsrates
PresseinformationKiel, den 12. Dezember 2012 Es gilt das gesprochene WortJette Waldinger-ThieringTOP 49 Bericht des Stiftungsrates Drs. 18/190Schloss Gottorf ist ein kulturhistorisches Juwel. Ein Juwel, das durch die Anstrengungenvieler Engagierter glänzt und funkelt. Juwelen haben auch andere Bundesländer. Abermanche sind davon bis zur Unkenntlichkeit eingestaubt. Ein Museum und seineSammlungen verkommen nämlich unglaublich schnell, verlieren an Attraktivität undkönnen diesen Abwärtstrend dann nur noch mit größten Anstrengungen aufhalten.Die Neugestaltung der Ausstellung in Haithabu belegt eindrücklich, was moderneMuseumspädagogik und zeitgemäße Ausstellungsgestaltung leisten können; nämlichneue Zusammenhänge darzustellen und ohne Zeigefinger Lust auf die Entdeckung deshistorischen Erbes machen. Aber auch in Haithabu kann man sich nicht auf seinenLorbeeren ausruhen. Das Publikum wird nämlich anspruchsvoller. Auch hier sind alsoständig Innovationen und neue Angebote gefragt. 2Damit entspricht das Wikingermuseum in vorbildlicher Weise der Verpflichtunggegenüber dem Stiftungsgesetz und dem Land Schleswig-Holstein. Ohne die Pflege deshistorischen Erbes geht ein Teil unserer Identität verloren.Bei allen marktwirtschaftlichen Zwängen bleibt es Aufgabe eines demokratischenStaates, das historische Erbe in seiner ganzen Widersprüchlichkeit zu bewahren und –das sage ich mit besonderem Nachdruck – es gilt den Bürgerinnen und Bürgern dieses zuerschließen. Die Museen im Verbund sind sich dieser Bringschuld bewusst. AndereMuseumsleitungen müssen das erst noch lernen.Es ist dem Stiftungsrat hoch anzuerkennen, dass er sich auch den Problemen stellt, diesich im Verbund zeigen. Das eine Problem ist inhaltlicher Natur und wird exakt benanntund ausgelotet. In der Vorlage heißt es: Das Spannungsfeld liege „zwischenWissenschaftlichkeit und populistischer Anbiederung“ (S. 18), also zwischenmarktwirtschaftlichen Prämissen und der Verpflichtung von Kunst und historischerKulturpflege. Das eine ist das Geldverdienen, das auch im Museumsbereich nichtehrenrührig ist, weil es Bevölkerungskreisen eine Chance des Austausches bietet, diesonst nicht unbedingt den Weg ins Museum gefunden hätten. Und das andere ist diePräsentation von Kunst, die sich gerade nicht jedem erschließt, aber gerade aus derKonfrontation Sinnangebote macht.Das eine ist allerdings ohne das andere nicht zu leisten. Die Balance hat dabei in denRahmenbedingungen zu erfolgen, die die Landeszuwendungen vorgeben. Es ist derStiftungsrat zu loben, dass er das klipp und klar anerkennt.Die Situation ist nicht gerade als einfach zu bezeichnen, denn es stehen erheblicheInvestitionen an. 3Und damit kommen wir zu den strukturellen Problemen, die im Stiftungsverbund liegen,vor allem in erheblichen Investitionsbedarf. Das neue Konzept bleibt abzuwarten. Aberich fürchte, dass wir nicht ohne Einschnitte auskommen werden.In diesem Zusammenhang gibt es allerdings auch Positives zu berichten. Es istausdrücklich zu begrüßen, dass das Freilichtmuseum Molfsee in den Verbundaufgenommen wird und mit dem Schleswiger Volkskundemuseum verschmolzenwerden soll. Wer schon einmal auf der Kutsche auf dem Hesterberg gesessen hat oder inder historischen Eisdiele, die dort aufgebaut ist, wird die Weiterentwicklung durch dieVerschmelzung mit dem Freilichtmuseum unmittelbar einleuchten. Das Museum inMolfsee kann im Alleingang nicht ausreichend zukunftsfest gemacht werden, weil es inden letzten Jahren völlig unterfinanziert war. Bei diesem Museum zeigen sich dieKonsequenzen einer falschen Museumspolitik, die von der Substanz lebte.Das soll anders werden. Der Nachholbedarf ist riesig, aber von einer Schließung kannkeine Rede sein: Da grassieren ja wilde Gerüchte. Das finde ich für diesen attraktiven,zukunftsträchtigen Standort sehr bedauerlich. Gut, dass der Stiftungsrat hier eindeutigePerspektiven aufzeigt. Der Weg der Verschmelzung ist zwar schwierig, aber folgerichtig.Der Verbund der Museen hat tatsächlich viele Vorteile. Gerade den kleineren Häusern tutes gut, in einem Verbund den nötigen Rückhalt zu erfahren. Die Neustrukturierung desJüdischen Museums ist dafür ein gutes Beispiel, weil in Rendsburg neue Entwicklung-und Entstehungsmuster gemeinsam erarbeitet werden können.Der Bericht sagt deutlich, wo die Chancen einer gemeinsamen Entwicklung liegen. Daransollten wir alle zusammen mitgestalten. Nicht zuletzt damit, dass wir die Museenbesuchen.