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Flemming Meyer zu TOP 16+24 - Anträge zur kommunalen Trinkwasserversorgung
Presseinformation Kiel, den 22.02.2013Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 16+24 Anträge zur kommunalen Trinkwasserversorgung Drs. 18/492 &18/509Weil die Vergabe von Dienstleistungskonzessionen nicht dem europäischen Vergaberechtunterliegt, will die EU-Kommission nun diese Lücke schließen. Der dafür ausgearbeiteteRichtlinienentwurf verfolgt unter anderem das Ziel der EU-weite Ausschreibungspflicht vonDienstleistungskonzessionen – hierunter fällt dann auch die Trinkwasserversorgung.Was von den einen als notwendiges Regelungswerk gesehen wird, wird an anderer Stelle alsweiterer Schritt zur Liberalisierung mit negativen Folgen gesehen.Die Liberalisierung der Märkte – ob Gas, Strom, Post oder Verkehrsbetriebe – hat in weitenTeilen nicht gehalten, was vorerst angekündigt wurde. Zugegeben es gibt Bereiche, wo einePrivatisierung durchaus sinnvoll und im Interesse der Kunden sein kann. Aber zu Beginn wurdedie Liberalisierung der Märkte auch als Heilsinstrument zur Konsolidierung der öffentlichenHaushalte verkauft. Vermeintlich kostspielige Aufgaben in öffentlicher Trägerschaft lassen sichan Private übertragen, die es dann kostengünstiger und effektiver regeln sollen. In denBallungsgebieten mag die Rechnung manchmal aufgehen. Aber sobald wir in die dünner 2besiedelten Bereiche kommen oder sobald zusätzliche Leistungen erforderlich sind, stellen wirfest, dass die Privaten häufig doch nicht günstiger sind als die öffentlichen Betreiber.Was noch als marktwirtschaftliches Instrument im besten Kundensinne verkauft wurde, hatsich zum Teil selbst entzaubert. Nun erleben wir vielerorts, dass Bürgermeister und Landräteihre Privatisierungsmaßnahmen wieder rückgängig machen und die Stadtwerke oderVerkehrsbetriebe wieder kommunalisieren. Aktuell erleben wir bei uns im Land auch eine Re-kommunalisierung im Zusammenhang bei der Konzessionsvergabe für Strom und Gas.Die Aufgabenübertragung an Private im Bereich der Daseinsvorsorge, sehen wir als SSW sehrkritisch. Bei der Daseinsvorsorge gibt es aber Bereiche, die man auf keinem Fall dem Marktaussetzen darf. Daher erteilen wir einer Privatisierung der Wasserversorgung eine klare Abfuhr.Wir wollen nicht, dass der Markt alles regelt und schon gar nicht wenn es sich dabei um dieVersorgung der Menschen mit Trinkwasser geht. Die Trinkwasserversorgung ist mehr als nurDaseinsvorsorge. Trinkwasser ist Grundvoraussetzung für Leben. Aus diesem Grund wurdeauch von den Vereinten Nationen der Anspruch auf sauberes Wasser zum Menschenrechterklärt.Trinkwasser ist kein handelbarer Rohstoff, es ist ein öffentliches Gut. DieTrinkwasserversorgung darf nicht mit der Versorgung von Gas oder Elektrizität gleichgestelltwerden. Wasser lässt sich nicht genauso handeln wie Strom, sondern ist ortsgebunden.Aufgrund der hohen Qualität des Trinkwassers in Deutschland haben wir kein Interesse daran,Wasser-Im- und Exporte zu ermöglichen, denn dann müsste das Wasser auf unnatürlichemWege haltbar gemacht werden. Wir haben also wirklich etwas zu verlieren, wenn wir deneuropaweiten Liberalisierungsbestrebungen nachgeben würden.Die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung ist ein Kernbereich der Daseinsvorsorgefür den der Staat Sorge zu tragen hat. Würde dieser Bereich völlig liberalisiert werden, würde erkomplett der demokratischen Kontrolle entzogen werden und gleichzeitig einen wesentlich 3höheren Regelungs- und Kontrollaufwand nach sich ziehen. Wir hätten somit nichtsgewonnen.Es gibt genug schlechte Beispiele wie die Privatisierung der Trinkwasserversorgung aussehenkann. Städte wie London, Grenoble oder Potsdam – um nur drei zu nennen – haben ihreleidigen Erfahrungen mit privaten Wasserversorgern gemacht. Die versprochenen positivenEffekte sind nicht nur nicht eingetreten, die Privatisierung hat sich im Nachhinein auch alskostspielig für die Städte oder Kunden herausgestellt. So hat Potsdam mittlerweile dieVerträge mit einem französischen Wasserversorger gekündigt, weil die Preise seinerzeitexplodiert sind. London hat die Erfahrung gemacht, dass der private Betreiber keinelangfristigen Investitionen in die Infrastruktur getätigt hat.Leckagen in den Leitungen erhöhen den Wasserverlust, die Pump- und Fördermenge musserhöht werden, die Kosten steigen und es steigt auch die Gefahr der Wasserverunreinigung.Die Liste der Städte, die ihre Erfahrungen mit privaten Wasserversorgern gemacht haben istlang. Leidtragende waren am Ende immer die Kunden. Daher ist die marktwirtschaftlich besteLösung für die Kunden eben nicht die Privatisierung sondern der öffentliche Betrieb.