Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Marret Bohn zur Pflege
PresseinformationEs gilt das gesprochene Wort! Landtagsfraktion Schleswig-Holstein TOP 36 – Mehr Zeit für Pflege Pressesprecherin Claudia Jacob Dazu sagt die sozialpolitische Sprecherin Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, 24105 Kiel Marret Bohn: Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 138.13 / 21.03.2013 In der Pflege muss der Mensch im Vordergrund stehen, nicht die AktePflegen bedeutet, sich um jemanden zu sorgen, seinen guten Zustand zu erhalten. Do- kumentieren heißt, etwas mit Unterlagen zu belegen. So steht es im Duden, so steht es bei Wikipedia. Das eine hat auf dem Papier mit dem anderen nichts zu tun. In der Pra- xis aber schon.Damit pflegerisches Handeln zu bestmöglichen Ergebnissen führt, muss planvoll und nachvollziehbar vorgegangen werden. Es ist wichtig, am Ende einer Schicht festzuhal- ten, was erledigt ist und was nicht. Dann sieht die Ablösung sofort, was als nächstes getan werden muss.Dokumentation in der Pflege ist nicht überflüssig. Sie ist ein wichtiges Instrument für Pflegequalität. Aber mit der Dokumentation ist es wie mit Medikamenten: Es kommt auf die Dosis an.Pflegedokumentation ist Mittel zum Zweck, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Pflege- kräfte wollen Menschen helfen. Dafür sind sie ausgebildet. Pflegekräfte sind keine Ver- waltungskräfte. Bürokratie liegt ihnen nicht im Blut und nicht am Herzen. Es ist ver- ständlich, wenn sich Pflegekräfte weigern, immer mehr Arbeitszeit mit Bürokratie zu verbringen, anstatt sich um Menschen zu sorgen und sie zu pflegen. Für meine Fraktion kann ich nur sagen: Da haben die Pflegekräfte völlig Recht.In der Pflege muss der Mensch im Vordergrund stehen, nicht die Akte. Wir müssen eine Entwicklung zurück drehen, die völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Vor dem Hintergrund von Missständen wurde die Dokumentation als Instrument der Qualitätssicherung ge- stärkt. Das war richtig und erfolgreich. Doch der Bumerang-Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Unklarheit über die Anforderungen, komplizierte Verfahren, unverständli- che Formulare, keine Zeit für Schulung. Zu viel, ist zu viel – auch in der Dokumentation. Seite 1 von 2 Stellen Sie sich ein Pflegeheim vor, es ist nach 20 Uhr. Die Pflegekraft sitzt im Büro. Sie ist allein auf der Station – Nachtschicht. Vor ihr die Akten der 20 BewohnerInnen. Die Arbeit der Tagschicht müssen nachgetragen werden. Fünf rote Lämpchen leuchten, hin- ter jedem ein Mensch mit einem berechtigten Anliegen. Aus dem Nebenzimmer leises Rufen, über den Gang kommt Herr P. auf der Suche nach Ansprache, zwei Alarmklin- geln schrillen – dringend! Was tun?Diese Situation ist kein Horrorszenario, sondern Alltag in unseren Pflegeinrichtungen. Für uns ist ganz klar: Der Mensch geht vor, die Dokumentation muss warten. Genauer - die Anforderungen der Dokumentation müssen soweit vereinfacht und reduziert werden, dass sie während der Schicht problemlos zu schaffen sind. Dokumentation muss die Pflege stützen. Sie darf nicht zur Konkurrenz werden oder die Pflege behindern.Ein letztes Wort zu den Prüfungen, die ebenfalls Bestandteil unseres Antrages sind. Hier ist es nicht anders als bei der Dokumentation. Natürlich muss überprüft werden, ob Einrichtungen baurechtliche, ordnungsrechtliche oder betriebswirtschaftliche Vorgaben einhalten. Natürlich muss überprüft werden, ob die Pflegebedürftigen gut versorgt sind und ob die Leistungen der Pflegekassen zu Recht gezahlt werden. Alles das ist wichtig und erforderlich. Falsch ist jedoch, wenn sich PrüferInnen die Klinke in die Hand geben. Falsch ist, wenn dann wieder keine Zeit für die Menschen und die Pflege bleibt.Prüfinstanzen müssen kooperieren, sich abstimmen, möglichst zeitgleich und gemein- sam prüfen. Das spart Zeit und Aufwand auf allen Seiten. Prüfbestimmungen müssen aufeinander abgestimmt werden. Doppeltes und Sinnloses muss gestrichen werden. Was zusammengehört und einander bedingt, muss zusammen fortentwickelt werden. Hier gibt es Synergieeffekte, die wir nutzen müssen.Für die Dokumentation in der Pflege gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Geben wir den Auftrag dazu. Verabschieden wir den vorliegenden Antrag. *** 2