Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

30.05.13 , 10:24 Uhr
SSW

Lars Harms zu TOP 19 - Für eine moderne, vielfältige Verwaltung in Schleswig-Holstein

Presseinformation Kiel, den 30.Mai 2013

Es gilt das gesprochene Wort


Lars Harms

TOP 19 Für eine moderne, vielfältige Verwaltung in Schleswig-Holstein Drs. 18/747

Deutschland ist ein Einwanderungsland und als solches muss sich Deutschland natürlich
darauf einstellen, dass auch die Verwaltung dieser Tatsache Rechnung tragen muss.
Wenn ich von der Verwaltung spreche, dann meine ich nicht nur diejenigen, die im
Kontakt mit dem Bürger bei der Antragsstellung oder bei der Anmeldung hilft, sondern
ich meine auch diejenigen, die sich um Wirtschaftsförderung oder EU-Anträge kümmern.
Alle diese öffentlich beschäftigten sollten nach Möglichkeit Kompetenzen haben, die sie
dazu befähigen ihr gegenüber zu verstehen – sei es den Antragsteller vor Ort oder den
Kooperationspartner im Ausland. Deshalb ist es wichtig, die Kompetenzen der Menschen
mit ausländischen Wurzeln, die bei uns Leben auch zu nutzen.
Seit einiger zeit hat die Bundesrepublik Deutschland wieder einen
Wanderungsüberschuss zu seinen Gunsten. In den vergangenen beiden Jahren sind rund
300.000 Menschen jährlich mehr zugewandert als ausgewandert. Darunter sind die
meisten Menschen mit ausländischem Pass und weniger Rückwanderer mit deutschem Pass. Es scheint so, dass die demografischen Berechnungen, die von einem
Bevölkerungsschwund in den nächsten Jahren ausgehen, nicht in vollem Umfang recht
behalten werden. Im Gegenteil: Wie haben viele – gerade auch junge - Zuwanderer aus
den Krisenländern Südeuropas und auch aus Osteuropa. Diese jungen Menschen
kommen zu uns, um sich dauerhaft eine Zukunft aufzubauen und wir brauchen diese
Menschen, um unsere Sozialsysteme überhaupt in der bisherigen Form aufrecht erhalten
zu können.


Noch vor wenigen Jahren galt das Hauptaugenmerk in der Verwaltungswissenschaft der
Schaffung klarer Kompetenzen, transparenter Strukturen und schnellen Erledigung.
Inzwischen wissen wir um die immense Bedeutung des menschlichen Faktors, also
derjenigen Menschen, die diese Strukturen mit Leben erfüllen. Sie sind es, die die
Attraktivität des Standortes Deutschland erhöhen. Es hat lange gedauert, bis sich diese
Erkenntnis durchsetzte. Jetzt ist es an der Zeit, aus dieser Erfahrung heraus die
entsprechenden Entscheidungen zu fällen. Und die sind eindeutig personeller Natur.
Darum fordern wir: mehr Neu-Schleswig-Holsteiner in die Verwaltung.
Wir wollen diejenigen, die bereits mit Migrationshintergrund in der Verwaltung
arbeiten, nicht überfordern. Wir wollen ihnen eben nicht alles aufbürden, was sich in
Zusammenhang mit Bürgeranfragen und Bürgerangelegenheiten von Schleswig-
Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteinern mit Migrationshintergrund ergibt. Darum ist
es wichtig, die Zahl der Verwaltungsangestellten mit Migrationshintergrund so schnell
wie möglich deutlich zu erhöhen. Dass das nicht von heute auf morgen erledigt ist,
wissen wir natürlich. Aber gerade darum sollten wir keine Zeit verlieren und geeignete
Bewerber gezielt ansprechen. Darüber hinaus wollen wir dort, wo es die Verwaltung mit vielen Kunden mit
Migrationshintergrund zu tun hat, flankierende Maßnahmen umsetzen. Dazu gehören
beispielsweise zweisprachige Meldebögen. Und andere Formulare auf Deutsch und
Türkisch oder auf Deutsch und Spanisch. Der Aufwand ist ein einmaliger, der Ertrag ist
aber immens.


Zu diesen Forderungen kommt noch eine entscheidende Maßnahme: die Sensibilisierung
der Beschäftigten. Da ist ja einiges bereits überlegt worden; nun sollen diesen Theorien
auch Taten folgen. In der Verwaltung haben wir massenhaft mit Beschäftigten zu tun,
die kaum interkulturelle Kompetenzen haben. Das führt aber dazu, dass andere
Sichtweisen oder eben auch Sprachen nicht wahrgenommen werden. Aus diesem Grund
gibt es das anonymisierte Bewerbungsverfahren. Das ist sicherlich ein gangbarer Weg,
um den Anteil der Beschäftigten und auch der Auszubildenden mit
Migrationshintergrund in der Verwaltung unseres Landes zu erhöhen. Der SSW hat
bereits mehrmals darauf hingewiesen, dass durch die Anonymisierung
Chancengleichheit umgesetzt wird. Mit der Anonymisierung wird verhindert, dass
Menschen mit ausländischen Wurzeln eben nicht gleich herausgefiltert werden, sondern
die Chance bekommen, sich im Bewerbungsgespräch zu bewähren.
Um es aber auch klarzustellen, es geht in dem Antrag nicht darum, dass Peter Petersen
Türkisch lernt, um seiner Kundschaft in Anfänger-Türkisch das Meldewesen erklären zu
können. Es geht darum, dass Peter Petersen lernt, wie die Bürgerinnen und Bürger, mit
denen er tagtäglich zu tun hat, eigentlich ticken. Es geht um interkulturelle Schulung, die
im besten Fall dazu führt, die eigenen Scheuklappen zu erkennen. So gilt in der Türkei
eine strikte zentralistische Verwaltung. Viele Türkinnen und Türken kommen also gar nicht auf die Idee, dass die hiesige Verwaltung das anders handhabt. Ein klärendes Wort
vorweg und schon geht das Folgende umso leichter.
Ich würde mich freuen, wenn wir baldmöglichst konkrete Ergebnisse haben. Dabei sehe
ich vor allem die Landesverwaltung in der Pflicht. Sie muss, wie schon beim Gender
Mainstreaming auch in Sachen Integration mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen,
welchen Gewinn Beschäftigte mit Migrationshintergrund für die gesamte Verwaltung
bedeuten. Wenn sich dieses denken erst festgesetzt hat, dann sind wir auch fit für die
Chancen und Herausforderungen die ein Einwanderungsland so mitbringt.

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen