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Flemming Meyer zu TOP 29 - Charta für Bürgerbeteiligung bei der Planung von Infrastrukturvorhaben
Presseinformation Kiel, den 31.05.2013Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 29 Charta für Bürgerbeteiligung bei der Planung von Infrastrukturvorhaben Drs. 18/825Im Koalitionsvertrag hat die Bürgerbeteiligung nach meiner Meinung einen angemessenen Platzerhalten. Die Koalitionsfraktionen nehmen den echten Dialog zwischen den Bürgerinnen undBürgern und der Politik bzw. der Verwaltung nämlich sehr ernst. Im Gegensatz dazu wird imvorliegenden Antrag das Anliegen der Bürgerbeteiligung zur Karikatur ihrer selbst. Die Bürgerinbzw. der Bürger soll das richten, was Planer und Verwaltung vermurksen.Infrastrukturmaßnahmen werden als per se störend und, was Standort und Bauphase angehen,als Fehlplanungen dargestellt.Darum auch der Vorschlag einer Charta, die die Bürgerbeteiligung nach dem Willen der Piratenfestschreiben soll. Der Begriff der Charta ist dabei nicht zufällig gewählt; ich kannte das Wortbislang nur im Zusammenhang mit Menschenrechten. Aber das ist kein Zufall, denn so erfährtdas Thema bereits in der Überschrift eine Skandalisierung, die den Tenor des gesamten Antragsbestimmt. 2Ich finde es sehr bedauerlich, dass öffentliche Infrastrukturvorhaben mit einem derartigengenerellen Misstrauen begegnet wird. Wir haben im Land viele gute Beispiele fürInfrastrukturvorhaben. Es gibt sogar Vorhaben, die von Anfang an zusammen mit den Anliegernoder Nutzern geplant wurden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. So wurde beispielsweise inFlensburg ein Kinderspielplatz auf Duburg komplett neugestaltet. Die Kinder hatten sich unteranderem eine Art Burg gewünscht, was auf dem Dach eines Hochbunkers auch umgesetztwurde. Sie wurden von den Planern befragt und um ihre Meinung gebeten. Die Lütten habengerechnet und gezeichnet und mit den Planern gemeinsam ein neues Konzept entwickelt, dassich bewährt hat. Inzwischen wird der Platz fleißig genutzt, weil auch die Eltern entsprechendeRückzugsmöglichkeiten haben. Das alles wertet den gesamten Margarethenplatz auf. Die Kinderpflegen ihren Spielplatz; der Vandalismus wurde deutlich weniger. Das ist ein gelungenesBeispiel, wie es laufen könnte. Hier ist die Verwaltung mit viel Engagement auf die Bewohner desQuartiers zugegangen und einen konstruktiven Dialog geführt.Ich kenne natürlich auch Infrastrukturvorhaben, die gründlich in den Hose gegangen sind, weilPlaner vom grünen Tisch weg an den Bedürfnissen der Nutzer oder Anwohnern vorbei geplanthaben, oder sich schlichtweg verrechnet haben. Das war wohl der Fall bei der ItzehoerGutenberg-Schulhalle, wo bei der Kostenkalkulation die Außenanlagen schlicht vergessenworden waren, so dass die Stadt noch einmal Geld für die Parkplätze nachschießen musste.Geben solche Begebenheiten Anlass, von vorherein bei Infrastrukturvorhaben von Problemenauszugehen? Nein, das denke ich nicht.Wir sollten uns davor hüten, das Misstrauen der Bürger zu schüren. Das sind billigePropagandapunkte, die man da schießen kann. Konstruktiv finde ich das nicht.Völlig verwirrend wird es im Antrag, wenn es um zukünftige Maßnahmen geht. Unter Ziffer einsbin ich über den Satz gestolpert, wonach die Bürger bereits vor einem Vorhaben den Wunschäußern sollen, darüber informiert zu werden. Das geht schlichtweg nicht, weil man sich keineInformationen über etwas wünschen kann, was es noch gar nicht gibt. Erst kommt das Vorhaben 3und dann im besten Fall zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern die Umsetzung. Und nichterst der Informationswunsch und dann das passende Projekt.Gleiches gilt für den vierten Punkt, wonach die Genehmigungsbehörde die Bürger bereits vor derAntragstellung einbinden soll.Bürgerbeteiligung ist bei uns bewährte Praxis. Sie ist rechtlich definiert und im Bau- undPlanungsbereich weitrechend geregelt. Ich gebe zu, dass das Beteiligungsrecht durchaus Defizitehat und Verbesserungswürdig ist. Darüber können wir gerne diskutieren. Aber ich mussehrlicherweise sagen, dass der Antrag der Piraten für so eine Diskussion wenig zielführend ist. Erist geprägt von Misstrauen gegenüber Infrastrukturmaßnahmen und in weiten Teilen so nichtumsetzbar.