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Lars Harms: Deutsches Recht muss auch gegenüber Partnern durch die Bundesregierung durchgesetzt werden
Presseinformation Kiel, den 23. August 2013Es gilt das gesprochene WortLars Harms TOP 15 Vertraulichkeit der elektronischen Kommunikation (PRISM) Drs. 18/1063Elektronische Kommunikation ist nicht vertraulich. Es werden zwar mehrere Milliardenelektronischer Briefe verschickt, aber die wenigsten sind tatsächlich mit einemverschlossenen Brief vergleichbar, sondern werden ohne Verschlüsselung verschickt.Dabei durchlaufen die Mails mehrere Stationen. Dort können die Mails mitgelesen undvon Computerprogrammen automatisch ausgewertet werden. Bestimmte Suchwortegenügen und dann schlägt das Programm zu. Mails werden millionenfach gelesen undgespeichert, ohne dass Sender oder Empfänger das jemals erfahren.Die Verbreitung der elektronischen Kommunikation hat nicht Schritt gehalten mit demAusbau entsprechenden Sicherheitsstandards. Warum gibt es keine sichereelektronische Kommunikation? Das scheitert bislang weder an Umfang noch Kosten,sondern am fehlendem Problembewusstsein. Noch 2011 hat eine Studie im Auftrag derDeutschen Post mit dem Titel „Vertraulichkeit und Transparenz 2.0“ festgestellt, dassdeutsche Verwaltungsorgane auf Bundes- und Kommunalebene kaum Bedenkenbezüglich der Sicherheitsstandards bei der Onlinekommunikation haben. Über drei 2Viertel der damals Befragten gab an, keine oder nur leichte Sicherheitsbedenken beider Übermittlung von Daten im Onlineverfahren zu haben. Der persönliche PC istschließlich mit einem Passwort geschützt und das Mailingprogramm wahrscheinlichauch. Das empfinden viele Nutzer als ausreichende eigene Vorkehrungen zur Sicherungihrer Kommunikation.Die großen E-Mail-Anbieter haben überhaupt noch nicht begriffen, warum eineVerschlüsselung von E-Mails auf dem kompletten Transportweg dringend erforderlichist. Sie bieten das einfach nicht an. Bis auf ein paar Spinner sah man bislang in denKonzernetagen gar keinen Markt.Von daher ist die Aufdeckung der umfänglichen Ausspähung und Speicherungelektronischer Kommunikation durch den amerikanischen Geheimdienst schon soetwas wie ein heilsamer Schock. Die fehlende Sicherheitsarchitektur und der teilweiseunbedarfte Umgang mit vertraulichen Inhalten verstand die NSA geradezu alsEinladung zur Rasterfahndung. Niemand weiß in Deutschland wirklich genau, welcheDaten, wie lange in den USA gespeichert werden. Dass die Bundesregierung langeWochen gar nicht wissen wollte, ist ein Armutszeugnis. Dabei ist es doch ganz einfach:Kommunikation in Deutschland unterliegt deutschem Recht. Und das untersagt dieAusspähung und Speicherung von Kommunikationsdaten ohne richterlicheZustimmung. Die politische Aufarbeitung steht deshalb noch an.Doch der Skandal hat auch sein Gutes: In den letzten Wochen hat sich wirklich etwasgetan, was neue, sichere Angebote angeht; so viel, wie in den letzten Jahren nicht. Solernen in Schleswig-Holstein Nutzerinnen und Nutzer auf lokalen Kryptoparties, zumBeispiel in Flensburg, wie sie ihre Nachrichten effektiv verschlüsseln können. EinigeMail-Dienste haben sich auch schon mit einem entsprechenden Angebot auf den 3Markt gewagt. Die sichere Verschlüsselung muss aber weiter systematischvorangetrieben werden. Und zwar nicht erst am St. Nimmerleinstag, sondernbaldmöglichst. Und die sichere Kommunikation darf auch nicht exklusive Technik fürWenige bleiben. Stattdessen muss allen Nutzern die Möglichkeit eröffnet werden,beispielweise durch eine SSL-Verschlüsselung, elektronisch zu kommunizieren.Allerdings kenne ich auch die Einwände: Erstens, inzwischen sei bekannt, dass eine E-Mail, die ich von Kiel nach München schicke, aus Kostengründen auch überamerikanische Netze geleitet werden kann. Deutsche Sicherheitsstandards seien dannnur schwer durchzusetzen. Zweitens, werde es eine hundertprozentig sichereVerschlüsselung nie wirklich geben, schließlich haben die Geheimdienste die bestenHacker auf ihren Gehaltslisten. Die würden im Handumdrehen auch verschlüsselteMails knacken.Beide Probleme bestehen. Viele Unternehmen sind darum dazu übergegangen,vertrauliche Inhalte überhaupt nicht mehr außerhalb des eigenen Netzes zukommunizieren, sondern wieder die gute, alte Briefpost zu bemühen. Das kann abernicht der richtige Weg für alle sein. Auch private Nutzer müssen Zugang zu sichererelektronischer Kommunikation erhalten.Deshalb ist nicht die Kommunikation an sich das Problem, sondern die Einhaltung vondeutschem Recht. Und dieses deutsche Recht muss auch gegenüber Partnern durch dieBundesregierung durchgesetzt werden.