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Jette Waldinger-Thiering: Pädagogische Eigenverantwortung und Methodenvielfalt statt Bevormundung
Presseinformation Kiel, den 26.09.2013Es gilt das gesprochene WortJette Waldinger-ThieringTOP 26 + 38 Keine reformpädagogischen Experimente an unseren Schulen und Schriftspracherwerb und Rechtschreibung an den Grundschulen Schleswig-Holsteins Drs. 18/1128 und 18/1149 „Wir wollen pädagogische Eigenverantwortung und Methodenvielfalt statt Bevormundung unserer Lehrkräfte“Mit Blick auf die vorliegenden Anträge von CDU und FDP zu Lehrmethoden in unserenGrundschulen bin ich für einen Hinweis besonders dankbar: Die Methodenfreiheit an Schulenist ein hohes Gut. Das hält zumindest auch die FDP in ihrem Antrag fest. Das ist schön. Undehrlich gesagt hätte mich alles andere bei einer Partei, die stets die Eigenverantwortlichkeit derMenschen betont, auch sehr gewundert. Was die Autonomie der Schulen bei derUnterrichtsgestaltung angeht, scheinen wir uns also im Grundsatz einig zu sein. Und wenn wirschon bei Grundsätzen sind, dann hoffe ich, dass auch die Notwendigkeit vonreformpädagogischen Ansätzen insgesamt nicht ernsthaft bestritten wird. Für den SSW ist dieReformpädagogik jedenfalls unverzichtbar. 2Wer als Lehrerin oder Lehrer tätig ist oder sich anderweitig mit Schulbildung befasst, weiß,dass moderne oder eben einfach unkonventionelle Methoden immer mit großer Aufregungund Geschrei verbunden sind. Nur zur Erinnerung: Wenn zum Beispiel die damaligen Kritikerder Ganzwortmethode Recht behalten hätten, dann könnten heute ganze Generationen vonMenschen nicht lesen. Ich will damit nur sagen, dass die Aufregung meistens deutlich größerist, als die vermeintlich negativen Auswirkungen einer Methode. Und deshalb denke ich, wiralle sind gut beraten, wenn wir auch mit diesem Thema sachlich umgehen.Wenn ich mir den Antrag der CDU anschaue, dann will ich gerne um etwas mehrVerhältnismäßigkeit bitten. Unsere Grundschulkinder hier im Land sind ganz sicher keineVersuchskaninchen, die durch Verbote gewisser Methoden vor den allzuexperimentierfreudigen Lehrerinnen und Lehrern geschützt werden müssen. SPD, Grüne undSSW trauen genau diesen Lehrkräften eine sehr genaue Urteilsfähigkeit zu, wenn es um dieWahl oder Abwahl oder eben den erfolgreichen Mix von Lese- und Schreibmethoden geht. KeinZweifel: Unsere Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen sind es, die grundsätzlich am bestenbeurteilen können, welche pädagogischen Mittel zu welchen Erfolgen führen und welche nicht.Wir wissen, dass wir uns auch in dieser Frage auf sie verlassen können.Auch wenn es um die konkrete Methode „Lesen durch Schreiben“ geht, halte ich eine sachlicheund differenzierte Betrachtung für angemessen. Sicher lassen sich auch bei dieser MethodeBelege - wie etwa in der von Frau Franzen herangezogenen Marburger Studie - finden, die zueinem negativen Ergebnis kommen. Aber wenn die GEW davon ausgeht, dass dieser Ansatz, alseiner von vielen, an rund 80 Prozent unserer Grundschulen zum Einsatz kommt, dann kann erso katastrophal nicht sein. Wenn wir dazu noch bedenken, dass diese Methode nicht erst seitgestern und so gut wie nie in Reinform angewendet wird, dann sollten wir nach Auffassungdes SSW zumindest nicht in Panik verfallen. 3Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Wir halten die pädagogische Freiheit unsererLehrerinnen und Lehrer für wichtig. Und wir sehen auch den Mehrwert, den der Mix ausverschiedenen Methoden bringt. Uns allen dürfte klar sein, dass Kinder völlig unterschiedlichauf die verschiedenen Methoden ansprechen. Natürlich nehmen wir aber auch die Sorgemancher Eltern ernst, nach der ihre Kinder durch bestimmte Ansätze an ihren Lernerfolgengehindert oder sogar abgehängt werden. Aus diesem Grund halten wir es für sinnvoll, dass dieLandesregierung die an den Grundschulen angewendeten Methoden unvoreingenommen aufihre Stärken und Schwächen hin untersucht. Auf dieser Basis können wir dann eine sachlicheAuseinandersetzung über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Ansätze führen. Dies wäredann auch tatsächlich im Sinne der Kinder und Eltern in Schleswig-Holstein.