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Flemming Meyer zu den freien Berufe in Schleswig-Holstein
Presseinformation Kiel, den 21. 11. 2013Es gilt das gesprochene WortFlemming MeyerTOP 16 Freie Berufe in Schleswig-Holstein Drs. 18/1102Was haben ein Clown und ein Rechtsanwalt gemeinsam? Beide üben einen so genannten FreienBeruf aus: damit hören die Gemeinsamkeiten des Künstlers mit dem Juristen aber auch schonauf. Ausbildung, Berufsbild und Einkommen unterschieden sich innerhalb des Oberbegriffs derFreien Berufe erheblich. Wie sinnvoll ist also die Zusammenfassung der Berufe unter demStichwort „Freie Berufe“? Diese Frage hätte sich die fragestellende Fraktion durchaus stellenkönnen; Vieles droht sonst ohne Differenzierung im Allgemeinen zu bleiben. Das gilt besondersangesichts der mageren Statistiklage. Dankenswerterweise hat der Wirtschaftsminister dieFreien Berufe in seiner Antwort weiter differenziert. Die Situation ist nämlich durchausunterschiedlich. Darum sollten die verschiedenen Berufe auch nicht über einen Kamm geschorenwerden. Die Situation von Ärztinnen und Ärzten ist eben eine andere als die vonWirtschaftsprüfern oder Journalistinnen. Wir sollten genau hinsehen und dann entscheiden,welche Lösungen für welche Probleme tatsächlich angemessen sind.Bevor wir aber über Probleme sprechen, sollten wir über die Leistungen der Freien Berufesprechen. Freie Berufe bilden aus – wenn auch in rückläufiger Tendenz - und sind Arbeitgeber mit 2meist kleiner Büros, Praxen oder Apotheken. Damit sind sie typisch für die mittelständischgeprägte Wirtschaft Schleswig-Holsteins. Ihre Entwicklung kann damit als ein Lackmus-Test fürdie allgemeine wirtschaftliche Entwicklung genutzt werden. Die Zahlen, die derWirtschaftsminister vorgelegt hat, zeigen, wie groß das Vertrauen der Freiberufler in die Zukunftist. Immer mehr Freiberufler machen sich nämlich selbständig. Die Zahl der selbständigenFreiberufler ist innerhalb von nur vier Jahren sehr gestiegen. In dem Bericht wird eine Steigerungvon rund 19% angeführt: von 34.500 im Jahr 2008 auf ca. 41.000 Freiberufler im Jahr 2012. DieZahlen belegen, dass die Freiberufler nicht durch staatliche Programme zur Selbständigkeitkommen, sondern durch eigenen Antrieb. Die Förderungen seitens des Landes durch dasZukunftsprogramm Arbeit oder im Rahmen der Individualförderung für Gründungswillige imRahmen des Europäischen Sozialfonds fallen nämlich zahlenmäßig nicht ins Gewicht. DasGründungsgeschehen bei den Physiotherapeuten ist ein Spezialfall, weil es in dieserBerufsgruppe zu Fällen von Scheinselbständigkeit kommt. Ehemals festangestellte Therapeutenarbeiten als Subunternehmer in ihrer alten Praxis . Von diesen Einzelfällen abgesehen, belegt dasmuntere Gründungsgeschehen im Bereich der Freien Berufe eine optimistische Zukunfts-Erwartung. Hier zeigen die Zahlen eine echte Zuversicht der Gründerinnen und Gründer. Dassehe ich als ein gutes Signal.Das betrifft ausdrücklich auch die Frauen in den Freien Berufen. Deren Anteil ist durchweggestiegen, in den letzten Jahren erheblich. Für Frauen sind diese Berufe also durchaus attraktiv.Die solide Beratung unter anderem durch Frau und Beruf leisten da ein Übriges.Eine positive Tendenz zeigt sich auch bei den einzelnen Berufen, wie den Ärzten. Entgegen vielerDiskussionen hat sich die Zahl der Ärztinnen und Ärzte kaum verändert. Von einerUnterversorgung kann also, zumindest zahlenmäßig, derzeit noch nicht die Rede sein. Allerdingsist klar, dass bei dem hohen Durchschnittsalter der derzeitigen Praxisinhaber in den nächstenfünf Jahren von einer Unterversorgung ausgegangen werden muss. Bedenkt man die langenStudienzeiten, ist es jetzt allerhöchste Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Aber genau daspassiert ja auch, unter anderem direkt an den medizinischen Fakultäten, die über die Vorteile derganzheitlichen Arbeit des Hausarztes auf dem Lande informieren. Ein Sonderfall betrifft die 3Arbeits-bzw. Betriebsmedizin. Hier sollten wir schleunigst überlegen, wie die Qualifizierungsichergestellt werden kann .Die Zahl der Psychotherapeuten ist kontinuierlich gestiegen; vor allem die der selbständigenPsychotherapeuten, deren Zahl von 442 im Jahr 2005 auf 549 gestiegen ist. Allerdings sollten wiruns in den immer noch enormen Behandlungsstau im Bereich der Psychotherapie an andererStelle vertiefen.Zusammenfassend fallen die Analyse und die vorgelegten Zahlen der Freien Berufe überwiegendpositiv aus. Es gibt zwar durchaus Handlungsbedarf, aber im Großen und Ganzen ist sowohl dieEntscheidung, einen Freien Beruf in Schleswig-Holstein zu ergreifen als auch dessen Ausübungzu empfehlen.