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20.11.13 , 17:30 Uhr
SSW

Flemming Meyer zu den freien Berufe in Schleswig-Holstein

Presseinformation Kiel, den 21. 11. 2013

Es gilt das gesprochene Wort



Flemming Meyer
TOP 16 Freie Berufe in Schleswig-Holstein Drs. 18/1102


Was haben ein Clown und ein Rechtsanwalt gemeinsam? Beide üben einen so genannten Freien
Beruf aus: damit hören die Gemeinsamkeiten des Künstlers mit dem Juristen aber auch schon
auf. Ausbildung, Berufsbild und Einkommen unterschieden sich innerhalb des Oberbegriffs der
Freien Berufe erheblich. Wie sinnvoll ist also die Zusammenfassung der Berufe unter dem
Stichwort „Freie Berufe“? Diese Frage hätte sich die fragestellende Fraktion durchaus stellen
können; Vieles droht sonst ohne Differenzierung im Allgemeinen zu bleiben. Das gilt besonders
angesichts der mageren Statistiklage. Dankenswerterweise hat der Wirtschaftsminister die
Freien Berufe in seiner Antwort weiter differenziert. Die Situation ist nämlich durchaus
unterschiedlich. Darum sollten die verschiedenen Berufe auch nicht über einen Kamm geschoren
werden. Die Situation von Ärztinnen und Ärzten ist eben eine andere als die von
Wirtschaftsprüfern oder Journalistinnen. Wir sollten genau hinsehen und dann entscheiden,
welche Lösungen für welche Probleme tatsächlich angemessen sind.
Bevor wir aber über Probleme sprechen, sollten wir über die Leistungen der Freien Berufe
sprechen. Freie Berufe bilden aus – wenn auch in rückläufiger Tendenz - und sind Arbeitgeber mit 2
meist kleiner Büros, Praxen oder Apotheken. Damit sind sie typisch für die mittelständisch
geprägte Wirtschaft Schleswig-Holsteins. Ihre Entwicklung kann damit als ein Lackmus-Test für
die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung genutzt werden. Die Zahlen, die der
Wirtschaftsminister vorgelegt hat, zeigen, wie groß das Vertrauen der Freiberufler in die Zukunft
ist. Immer mehr Freiberufler machen sich nämlich selbständig. Die Zahl der selbständigen
Freiberufler ist innerhalb von nur vier Jahren sehr gestiegen. In dem Bericht wird eine Steigerung
von rund 19% angeführt: von 34.500 im Jahr 2008 auf ca. 41.000 Freiberufler im Jahr 2012. Die
Zahlen belegen, dass die Freiberufler nicht durch staatliche Programme zur Selbständigkeit
kommen, sondern durch eigenen Antrieb. Die Förderungen seitens des Landes durch das
Zukunftsprogramm Arbeit oder im Rahmen der Individualförderung für Gründungswillige im
Rahmen des Europäischen Sozialfonds fallen nämlich zahlenmäßig nicht ins Gewicht. Das
Gründungsgeschehen bei den Physiotherapeuten ist ein Spezialfall, weil es in dieser
Berufsgruppe zu Fällen von Scheinselbständigkeit kommt. Ehemals festangestellte Therapeuten
arbeiten als Subunternehmer in ihrer alten Praxis . Von diesen Einzelfällen abgesehen, belegt das
muntere Gründungsgeschehen im Bereich der Freien Berufe eine optimistische Zukunfts-
Erwartung. Hier zeigen die Zahlen eine echte Zuversicht der Gründerinnen und Gründer. Das
sehe ich als ein gutes Signal.
Das betrifft ausdrücklich auch die Frauen in den Freien Berufen. Deren Anteil ist durchweg
gestiegen, in den letzten Jahren erheblich. Für Frauen sind diese Berufe also durchaus attraktiv.
Die solide Beratung unter anderem durch Frau und Beruf leisten da ein Übriges.
Eine positive Tendenz zeigt sich auch bei den einzelnen Berufen, wie den Ärzten. Entgegen vieler
Diskussionen hat sich die Zahl der Ärztinnen und Ärzte kaum verändert. Von einer
Unterversorgung kann also, zumindest zahlenmäßig, derzeit noch nicht die Rede sein. Allerdings
ist klar, dass bei dem hohen Durchschnittsalter der derzeitigen Praxisinhaber in den nächsten
fünf Jahren von einer Unterversorgung ausgegangen werden muss. Bedenkt man die langen
Studienzeiten, ist es jetzt allerhöchste Zeit, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Aber genau das
passiert ja auch, unter anderem direkt an den medizinischen Fakultäten, die über die Vorteile der
ganzheitlichen Arbeit des Hausarztes auf dem Lande informieren. Ein Sonderfall betrifft die 3
Arbeits-bzw. Betriebsmedizin. Hier sollten wir schleunigst überlegen, wie die Qualifizierung
sichergestellt werden kann .
Die Zahl der Psychotherapeuten ist kontinuierlich gestiegen; vor allem die der selbständigen
Psychotherapeuten, deren Zahl von 442 im Jahr 2005 auf 549 gestiegen ist. Allerdings sollten wir
uns in den immer noch enormen Behandlungsstau im Bereich der Psychotherapie an anderer
Stelle vertiefen.


Zusammenfassend fallen die Analyse und die vorgelegten Zahlen der Freien Berufe überwiegend
positiv aus. Es gibt zwar durchaus Handlungsbedarf, aber im Großen und Ganzen ist sowohl die
Entscheidung, einen Freien Beruf in Schleswig-Holstein zu ergreifen als auch dessen Ausübung
zu empfehlen.

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