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Flemming Meyer: Pflegekammer bietet große Chancen für die Pflege
Presseinformation Kiel, den 23.01.2014Es gilt das gesprochene WortFlemming Meyer TOP 18 Keine Zwangsmitgliedschaft in der Pflegekammer Drs. 18/1456„Pflegekammer bietet große Chancen für die Pflege“Ich möchte es vorweg deutlich sagen: Der SSW ist nie Verfechter des Kammergedankensgewesen. Wir konnten und können uns ein System ohne Kammern gut vorstellen. Daran hatsich nichts geändert. Wir leben aber in einer Gesellschaft, in der es Kammern gibt. Und da stehtunsere prinzipielle Ablehnung in einer Abwägung zu den konkreten Gegebenheiten, wogleichwertige Bedingungen dann natürlich auch eine Rolle spielen. Wir haben es uns in derFrage der Pflegekammer nicht leicht gemacht und das Für und Wider sehr intensiv diskutiert.Der Grund für unser „ja“ liegt darin, dass die Pflege einen enorm hohen Stellenwert für denSSW hat. Einzig und allein deshalb haben wir in diesem besonderen Fall, im Sinne derPflegenden, zugestimmt.Persönlich bin ich mit den Problemen in der Pflege, wie etwa die hohe Arbeitsbelastung, dieviel zu geringe Wertschätzung oder die allzu niedrige Bezahlung, schon seit über 20 Jahrenregelmäßig konfrontiert. Mitglieder meiner Familie, die in der Pflege tätig waren, haben genau 2hier drunter schon vor vielen Jahren gelitten. Sogar so sehr, dass sie es letzten Endes nichtmehr ausgehalten und der Pflege den Rücken gekehrt haben. Und dabei ist mir durchausbewusst, dass sich seitdem wichtige Faktoren, wie etwa der Personalschlüssel, noch weitungünstiger entwickelt haben.Wir alle wissen es: So vielfältig wie die Probleme im Pflegebereich, sind auch die Maßnahmen,die für eine Verbesserung der Situation nötig sind. Wir brauchen dringend erträglichereArbeitsbedingungen. Wir brauchen verbesserte Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit vonFamilie und Beruf. Und wir brauchen nicht zuletzt auch eine bessere Bezahlung. Außerdemmuss die Fort- und Weiterbildung von professionell Pflegenden mit den steigendenAnforderungen Schritt halten. Und bei all dem darf der soziale Aspekt der Pflege auf gar keinenFall vernachlässigt werden. Diese Herausforderungen gibt es heute genau wie vor 20 Jahren.Wenn die Gegner einer Pflegekammer, allen voran CDU und FDP, hier und heute aberbehaupten, dass all diese Probleme auch ohne eine Kammer lösbar sind, dann frage ich michernsthaft, warum denn bisher kaum etwas passiert ist? Ganz offensichtlich hat die Pflege danndoch keine so große Bedeutung, wie jetzt gerne behauptet wird. Fakt ist: Weder Politik nochArbeitgeber oder Gewerkschaften haben sich hier bisher mit Ruhm bekleckert. Wenn ich vordiesem Hintergrund auch noch von Arbeitgebern in der Pflegebranche höre, dass sie ja dasgrößte Interesse an attraktiven Arbeitsbedingungen für ihre Fachkräfte hätten - und damiteigentlich die besseren Arbeitnehmervertreter seien - muss ich mich jedenfalls sehr wundern.Um es vorsichtig zu formulieren: Die Tatsache, dass der Widerstand gegen eine Pflegekammerfast ausschließlich von Arbeitgeberseite kommt, sollte einen zumindest einmal nachdenklichstimmen. Ich persönlich frage mich dann schon, was die Arbeitgeber in der Pflege denneigentlich zu befürchten haben? Wenn sie wirklich ein so großes Interesse an gutenArbeitsbedingungen und einer erhöhten Attraktivität des Pflegeberufs haben, dann sollten siedie Kammer doch eigentlich begrüßen. Denn nach meinem Verständnis wird sie genau diese 3wichtigen Dinge, wie etwa Weiterbildungs- und Qualitätsstandards, die allgemeinenArbeitsbedingungen oder aber das Thema Berufsordnung, im Interesse der Pflegefachkräfteweiter voranbringen.In einem Punkt will ich den Kritikern gerne Recht geben: Man darf keine falschen Erwartungenwecken, wenn es um die Arbeit der Pflegekammer geht. Sie ist sicher nicht die eierlegendeWollmilchsau, die alle Probleme im Pflegebereich von jetzt auf gleich lösen kann. Aber ich binfest davon überzeugt, dass sie aus verschiedenen Gründen ein wichtiger Schritt in die richtigeRichtung ist: Pflege wird mit ihr im verkammerten Gesundheitswesen endlich auf Augenhöhevertreten sein. Die bisher eher zersplitterte Gruppe der professionell Pflegenden wird durch siemit einer starken Stimme sprechen. Und auch wir als Landespolitiker haben in Zukunft einengewichtigen Ansprechpartner und können wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung derPflege erwarten. Dies gilt ganz besonders für ethische Fragen, die für die Zukunft imPflegebereich immer wichtiger werden.Ich denke es wurde wirklich lange genug über die Pflege und nicht mit ihr gesprochen. Dabeiwurde oft auch über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden. Aus Sicht des SSW müssendie Pflegenden endlich selbst die Möglichkeit bekommen, die Weiterentwicklung der Pflegeaktiv zu gestalten. Und die Kammer ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehrSelbstbestimmung.