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Flemming Meyer: Förderung der Beratungsstellen zu Teilzeit-Ausbildung
Presseinformation Kiel, den 23.01.2013Es gilt das gesprochene WortFlemming Meyer TOP 27 Förderung der Beratungsstellen zu Teilzeit-Ausbildung Drs. 18/1473Nur, weil das Modellprojekt ausläuft, bedeutet es nicht, dass es keine Beratung zurTeilzeitausbildung mehr geben wird. Das ist auch auf der Internetseite des Modellprojektes zulesen: „Die Beratungsstellen zur "Ausbildung in Teilzeit" in Schleswig-Holstein schließen zumJahresende 2013, da die Förderperiode endet. Wir möchten uns für die langjährige und guteZusammenarbeit bedanken. Bei Fragen zur "Ausbildung in Teilzeit" wenden Sie sich zukünftig andie zuständigen Kammern.“ Ich möchte das mit eigenen Worten formulieren: DieBeratungsarbeit wird also fortgesetzt werden, in Lübeck genauso, aber auch in den anderenKammerbezirken des Landes. Niemand, der sich für eine Teilzeitausbildung interessiert, wirddemzufolge von den Kammern ohne Informationen nach Hause geschickt werden. Das gleichegilt übrigens auch für Arbeitgeber, die sich über die Voraussetzungen einer Teilzeitausbildunginformieren wollen. Auch sie werden weiter beraten werden. Damit ist sichergestellt, dass dieAufgabe weiterhin erledigt werden kann. Denn die Teilzeitausbildung selbst, die seit 2005 imBerufsbildungsgesetz, § 8, Absatz 1 auf Antrag möglich ist, gibt es schließlich auch noch inZukunft. 2Bei einer Teilzeitausbildung einigen sich Auszubildender und Betrieb entweder darauf, dieArbeitszeit einschließlich der Berufsschulstunden auf 25 bis 30 Wochenstunden zu begrenzen, sodass sich die Ausbildungszeit nicht verlängert, oder auf 20 Wochenstunden, womit sich dieAusbildungszeit verlängert.Eine Teilzeitausbildung ist in allen Berufen des dualen Systems möglich – allerdings nicht allenArbeitgebern bekannt. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Teilzeitausbildung vor allem fürBüroberufe im Bereich der IHK angeboten wird. Diese Beschränkung ist überhaupt nichtnachvollziehbar und ich bin davon überzeugt, dass bei der weiteren Verknappung vonFachkräften mehr Betriebe über diese Ausbildungsform nachdenken werden.Ehrlicherweise muss man sagen, dass sich nicht alle Wohnorte für die Teilzeitausbildung eignen.Die Vorteile einer reduzierten Wochenarbeitszeit werden nämlich aufgefressen durch dieWegezeit zur Berufsschule. Ist die Berufsschule also weit entfernt vom Wohnort desAuszubildenden oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen, steigt dieWahrscheinlichkeit, dass die Ausbildung abgebrochen wird, weil sich damit die Abwesenheit vonzu Hause verlängert und sich das nicht mit den Betreuungszeiten der Kinder vereinbaren lässt.Hier ist eine solide und fundierte Beratung besonders angezeigt, weil damit unnötiger Frustvermieden wird. Das Lübecker Modellprojekt zeichnete sich dadurch aus, dass solche Faktorenfrühzeitig berücksichtigt wurden. Es wurden darüber hinaus gezielt Betriebe auf die neueMöglichkeit der Teilzeitausbildung hingewiesen, die sich noch nicht überall herumgesprochenhat. Junge Eltern unter 25 Jahren trafen damit auf einen Arbeitgeber, dem sie nicht noch einmaldie Vorteile dieser Ausbildungsform erklären mussten, sondern der genau weiß, auf was er sicheinlässt. Das bietet natürlich enorme Vorteile, weil damit die Hemmschwelle erheblichherabgesetzt wurde. Für den Arbeitgeber hat die Teilzeitausbildung Vorteile, weil er einenmotivierten Auszubildenden gewinnt und als attraktiver, weil flexibler Arbeitgeber punktet.Einzelne Betriebe, wie beispielsweise Krankenhäuser, machen darum schon von sich aus aufdiese Ausbildungsform aufmerksam,Dennoch ist es mir an dieser Stelle wichtig, auf einen wichtigen Aspekt der Teilzeitausbildunghinzuweisen. Wir kommen auf lange Sicht nicht darum herum, die Teilzeitausbildung staatlich 3zu unterstützen. Reduzierte Arbeitszeit bedeutet nämlich auch einen geringeren Verdienst. EineTatsache, die die angesprochene Zielgruppe, also junge Eltern, nicht außer Acht lassen dürfen.Ausgerechnet diejenigen, die auf jeden Cent angewiesen sind, müssen mit weniger Geld zuRecht kommen. Nicht nur die Gewerkschaften kritisieren darum diesen Pferdefuß derTeilzeitausbildung. Das Vorhaben, den jungen Müttern und Vätern das Fundament für einelebenslange Karriere zu sichern, droht letztlich an der Bezahlung zu scheitern. Es gibt ergänzendeFinanzierungsmöglichkeiten: In der Broschüre des Lübecker Modellprojekts werden neben derBerufsausbildungsbeihilfe der Agentur für Arbeit, ergänzendem Arbeitslosengeld II, Wohngeldund Kindergeld noch fünf weitere ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten aufgeführt, dieallerdings alle erst auf Antrag bewilligt werden. Dieses Verfahren ist abschreckend. Einestaatliche Förderung der Teilzeitausbildung würde diesen Missstand beseitigen und erst sowürde die Teilzeitausbildung die von der antragstellenden Fraktion formulierten „echte Chance“in den Berufseinstieg bedeuten.Teilzeitausbildung für junge Mütter und Väter ist ein guter Weg, den beruflichen Anschluss nichtzu verlieren. Ich bin davon überzeugt, dass sie damit dem sich abzeichnenden Fachkräfte-Mangeleffektiv begegnen kann. Die Kammern sind jetzt am Zug, über das bestehende Angebot, dasjedermann auf den jeweiligen Internetseiten einsehen kann, hinaus, die Betriebe über dieTeilzeitausbildung zu informieren. Das gleiche für alle anderen beruflichenBeratungseinrichtungen in Schleswig-Holstein, die dementsprechend befähigt werden sollten.Letztlich kommt es aber auf die Betriebe an: Wenn die Möglichkeit der Teilzeitausbildungbeispielsweise regelmäßig in Stellenausschreibungen angeboten werden würde, erschließen sichdie Betriebe einen neuen Bewerberpool. Und das ist schließlich gut für beide Seiten.