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23.01.14 , 16:14 Uhr
SSW

Flemming Meyer: Förderung der Beratungsstellen zu Teilzeit-Ausbildung

Presseinformation Kiel, den 23.01.2013

Es gilt das gesprochene Wort



Flemming Meyer TOP 27 Förderung der Beratungsstellen zu Teilzeit-Ausbildung Drs. 18/1473

Nur, weil das Modellprojekt ausläuft, bedeutet es nicht, dass es keine Beratung zur
Teilzeitausbildung mehr geben wird. Das ist auch auf der Internetseite des Modellprojektes zu
lesen: „Die Beratungsstellen zur "Ausbildung in Teilzeit" in Schleswig-Holstein schließen zum
Jahresende 2013, da die Förderperiode endet. Wir möchten uns für die langjährige und gute
Zusammenarbeit bedanken. Bei Fragen zur "Ausbildung in Teilzeit" wenden Sie sich zukünftig an
die zuständigen Kammern.“ Ich möchte das mit eigenen Worten formulieren: Die
Beratungsarbeit wird also fortgesetzt werden, in Lübeck genauso, aber auch in den anderen
Kammerbezirken des Landes. Niemand, der sich für eine Teilzeitausbildung interessiert, wird
demzufolge von den Kammern ohne Informationen nach Hause geschickt werden. Das gleiche
gilt übrigens auch für Arbeitgeber, die sich über die Voraussetzungen einer Teilzeitausbildung
informieren wollen. Auch sie werden weiter beraten werden. Damit ist sichergestellt, dass die
Aufgabe weiterhin erledigt werden kann. Denn die Teilzeitausbildung selbst, die seit 2005 im
Berufsbildungsgesetz, § 8, Absatz 1 auf Antrag möglich ist, gibt es schließlich auch noch in
Zukunft. 2
Bei einer Teilzeitausbildung einigen sich Auszubildender und Betrieb entweder darauf, die
Arbeitszeit einschließlich der Berufsschulstunden auf 25 bis 30 Wochenstunden zu begrenzen, so
dass sich die Ausbildungszeit nicht verlängert, oder auf 20 Wochenstunden, womit sich die
Ausbildungszeit verlängert.
Eine Teilzeitausbildung ist in allen Berufen des dualen Systems möglich – allerdings nicht allen
Arbeitgebern bekannt. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass Teilzeitausbildung vor allem für
Büroberufe im Bereich der IHK angeboten wird. Diese Beschränkung ist überhaupt nicht
nachvollziehbar und ich bin davon überzeugt, dass bei der weiteren Verknappung von
Fachkräften mehr Betriebe über diese Ausbildungsform nachdenken werden.
Ehrlicherweise muss man sagen, dass sich nicht alle Wohnorte für die Teilzeitausbildung eignen.
Die Vorteile einer reduzierten Wochenarbeitszeit werden nämlich aufgefressen durch die
Wegezeit zur Berufsschule. Ist die Berufsschule also weit entfernt vom Wohnort des
Auszubildenden oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen, steigt die
Wahrscheinlichkeit, dass die Ausbildung abgebrochen wird, weil sich damit die Abwesenheit von
zu Hause verlängert und sich das nicht mit den Betreuungszeiten der Kinder vereinbaren lässt.
Hier ist eine solide und fundierte Beratung besonders angezeigt, weil damit unnötiger Frust
vermieden wird. Das Lübecker Modellprojekt zeichnete sich dadurch aus, dass solche Faktoren
frühzeitig berücksichtigt wurden. Es wurden darüber hinaus gezielt Betriebe auf die neue
Möglichkeit der Teilzeitausbildung hingewiesen, die sich noch nicht überall herumgesprochen
hat. Junge Eltern unter 25 Jahren trafen damit auf einen Arbeitgeber, dem sie nicht noch einmal
die Vorteile dieser Ausbildungsform erklären mussten, sondern der genau weiß, auf was er sich
einlässt. Das bietet natürlich enorme Vorteile, weil damit die Hemmschwelle erheblich
herabgesetzt wurde. Für den Arbeitgeber hat die Teilzeitausbildung Vorteile, weil er einen
motivierten Auszubildenden gewinnt und als attraktiver, weil flexibler Arbeitgeber punktet.
Einzelne Betriebe, wie beispielsweise Krankenhäuser, machen darum schon von sich aus auf
diese Ausbildungsform aufmerksam,
Dennoch ist es mir an dieser Stelle wichtig, auf einen wichtigen Aspekt der Teilzeitausbildung
hinzuweisen. Wir kommen auf lange Sicht nicht darum herum, die Teilzeitausbildung staatlich 3
zu unterstützen. Reduzierte Arbeitszeit bedeutet nämlich auch einen geringeren Verdienst. Eine
Tatsache, die die angesprochene Zielgruppe, also junge Eltern, nicht außer Acht lassen dürfen.
Ausgerechnet diejenigen, die auf jeden Cent angewiesen sind, müssen mit weniger Geld zu
Recht kommen. Nicht nur die Gewerkschaften kritisieren darum diesen Pferdefuß der
Teilzeitausbildung. Das Vorhaben, den jungen Müttern und Vätern das Fundament für eine
lebenslange Karriere zu sichern, droht letztlich an der Bezahlung zu scheitern. Es gibt ergänzende
Finanzierungsmöglichkeiten: In der Broschüre des Lübecker Modellprojekts werden neben der
Berufsausbildungsbeihilfe der Agentur für Arbeit, ergänzendem Arbeitslosengeld II, Wohngeld
und Kindergeld noch fünf weitere ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten aufgeführt, die
allerdings alle erst auf Antrag bewilligt werden. Dieses Verfahren ist abschreckend. Eine
staatliche Förderung der Teilzeitausbildung würde diesen Missstand beseitigen und erst so
würde die Teilzeitausbildung die von der antragstellenden Fraktion formulierten „echte Chance“
in den Berufseinstieg bedeuten.
Teilzeitausbildung für junge Mütter und Väter ist ein guter Weg, den beruflichen Anschluss nicht
zu verlieren. Ich bin davon überzeugt, dass sie damit dem sich abzeichnenden Fachkräfte-Mangel
effektiv begegnen kann. Die Kammern sind jetzt am Zug, über das bestehende Angebot, das
jedermann auf den jeweiligen Internetseiten einsehen kann, hinaus, die Betriebe über die
Teilzeitausbildung zu informieren. Das gleiche für alle anderen beruflichen
Beratungseinrichtungen in Schleswig-Holstein, die dementsprechend befähigt werden sollten.
Letztlich kommt es aber auf die Betriebe an: Wenn die Möglichkeit der Teilzeitausbildung
beispielsweise regelmäßig in Stellenausschreibungen angeboten werden würde, erschließen sich
die Betriebe einen neuen Bewerberpool. Und das ist schließlich gut für beide Seiten.

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