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21.02.14 , 12:00 Uhr
SSW

Flemming Meyer: Psychiatrische Versorgung gewissenhaft und gemeinsam mit den Betroffenen weiterentwickeln

Presseinformation Kiel, den 21.02.2014

Es gilt das gesprochene Wort



Flemming Meyer TOP 36 Psychiatrieplanung in Schleswig-Holstein Drs. 18/1043 und 18/1518

„Psychiatrische Versorgung gewissenhaft und gemeinsam mit den Betroffenen weiterentwickeln“

Für den SSW muss ich hier eines ganz deutlich sagen: Die Weiterentwicklung psychiatrischer
Angebote im Land ist eine ungemein wichtige und unverändert dringliche Aufgabe. Leider
haben das unsere Vorgänger offensichtlich nicht ganz so gesehen. Anders kann ich mir
zumindest nicht erklären, warum die umfassenden Vorschläge aus der Anhörung Ende 2010
nicht weiter beachtet und kaum etwas bewegt wurde. Aber sei es drum.


Ob es nun an einer verbesserten Diagnostik liegt oder an den Auswüchsen unserer
Leistungsgesellschaft: Fakt ist, dass die Zahl der Menschen mit psychischen Störungen
zunimmt. Dies müssen wir zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln. Auch der Bericht,
für den ich dem Ministerium an dieser Stelle ausdrücklich danken möchte, nennt diese Dinge
beim Namen. Und er weist auf unsere Vereinbarung im Koalitionsvertrag hin, nach der wir hier
eben eindeutig einen Handlungsbedarf sehen. Maßnahmen zur Erhaltung der psychischen 2
Gesundheit von Kindern und Erwachsenen sollen gestärkt und ein ausreichendes
gemeindenahes Behandlungsangebot vorgehalten werden. Dies ist unser gemeinsamer
Auftrag. Und den werden wir auch erfüllen.


Auch wenn der Bericht hierzu gar nicht so viel Neues liefert, halte ich die aufgelisteten Daten
und Fakten zur Entwicklung psychischer Erkrankungen für erschreckend. Man muss sich das
einmal klarmachen: Jeder dritte Erwachsene und jedes fünfte Kind in Deutschland hat früher
oder später mit Störungen und psychischen Auffälligkeiten zu kämpfen. Offenbar sind
Depressionen und Angststörungen mittlerweile Ursache Nummer eins für verminderte
Arbeitsproduktivität, Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Aber noch viel schlimmer als die
Milliardenschäden, die durch psychische Erkrankungen europaweit entstehen, ist aus Sicht des
SSW folgendes: Wer an einer psychischen Erkrankung leidet, hat auch noch ein erhöhtes Risiko
für organische Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Diabetes. Es ist also ungemein
wichtig, diesen Menschen so früh wie möglich zu helfen. Im besten Fall natürlich schon durch
präventive Maßnahmen.


Kein Zweifel: Die Situation der psychisch Kranken bei uns in Schleswig-Holstein muss genau
analysiert und die Hilfen entlang der bestehenden Leitlinien ausgerichtet werden. Wo immer
es nötig erscheint, wollen wir gemeinsam mit den Betroffenen Verbesserungen bei der
Versorgung auf den Weg bringen. Der SSW hat immer gefordert, dass im Falle eines erhöhten
Bedarfs auch die Struktur der Angebote angepasst werden muss. Und auch wenn bei diesem
Thema der Bereich der unmittelbaren Landesplanung eher begrenzt ist, muss klar sein, dass
hier immer vom Patienten aus gedacht werden muss. Wir wissen zum Beispiel, dass
insbesondere die wohnortnahe Versorgung für psychisch kranke Menschen eine große
Bedeutung hat.


Um ehrlich zu sein: Wir haben es bei der Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung
mit einer echten Mammutaufgabe zu tun. Es gibt eine wirklich große Vielfalt an Angeboten 3
und Versorgungsstrukturen im Land. Und es gibt eine große Zahl an Akteuren, die
selbstverständlich auch alle in diesen Prozess einbezogen werden müssen. All dies ist uns und
der Landesregierung durchaus bewusst. Und vor diesem Hintergrund ist der eingeschlagene
Weg der einzig richtige: Dem Konsens in der Arbeitsgruppe Psychiatriebericht entsprechend,
wird nun eine detaillierte Bestandsaufnahme der verschiedenen Versorgungsangebote erstellt.
Diese Basis halte ich für unverzichtbar. Denn das Ziel ist, im Anschluss gemeinsam mit den
beteiligten Experten, mit den Betroffenen und mit der kommunalen Familie Schwachstellen
der Versorgung aufzudecken. Ich denke, nur so lassen sich wirklich effektive Vorschläge für
Verbesserungen und sinnvolle Ergänzungen zum bestehenden System finden. Und genau dies
wollen wir im Sinne der Betroffenen und ihrer Angehörigen erreichen.

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