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19.03.14 , 15:29 Uhr
SSW

Lars Harms: Zukunft der Theaterlandschaft

Presseinformation Kiel, den 19. 3. 2014

Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms TOP 22 Zukunft der Theaterlandschaft Drs. 18/1663
„Für uns als SSW ist es entscheidend, dass die Landestheater GmbH erhalten bleibt und dass die Arbeitsplätze gerettet werden.“

Vor fast genau 40 Jahren, am 3. Juni 1974, wurde der Vertrag unterzeichnet, in dem sich 20
Kommunen zur Schleswig-Holsteinische Landestheater und Sinfonieorchester GmbH
zusammentaten. Nach vier Jahrzehnten steht diese Kooperation jetzt vor den größten
Herausforderungen, die es jemals gab: Das Theatergebäude am Schleswiger Lollfuß ist seit Juni
2011 gesperrt. Die Ausweichquartiere gefallen dem Publikum nicht und die Mehrheit der
Stadtvertreter lehnt eine Spielstätte auf dem Hesterberg ab, obwohl sie es vor wenigen Monaten
noch selber beschlossen hatten. Das größte deutsche Landestheater besteht faktisch nur noch
aus zwei Spielstätten. Genau das ist die Quintessenz der Sitzungen, Abstimmungen und
Gespräche der letzten Tage und Wochen.
Um in der Theatersprache zu bleiben: Provinzposse oder Trauerspiel? Ich denke, keines von
beiden. Es ist einfach ein misslungener politischer Versuch der CDU, aus einem akuten Problem
Kapital zu schlagen. Der Geist, der stets verneint, heißt im Norden: CDU. Lieber gar keine
Spielstätte, als dem eigenen Vorschlag zu folgen, der von der rot-grün-blauen Landesregierung 2
Unterstützung erfährt. Da wird per Pressemitteilung von „unkalkulierbaren Haushaltsrisiken“
fabuliert und „unerträglichen Druck aus dem Ministerium“. Dabei ist es genau anders herum:
Die Schleswiger Stadtvertretung hat sich für einen theaterstandort Hesterberg ausgesprochen
und das Land ist dann unterstützend beigetreten. Selbst die Solidarität der kommunalen
Spitzenverbände, die mit 6.9 Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitionsfonds zur
Verfügung standen, konnte keinen Betonkopf beeindrucken. Solidarität, das möchte ich an dieser
Stelle noch einmal ausdrücklich loben, die den Spitzenverbänden angesichts der kommunalen
Finanzlage nicht leicht gefallen ist und die ausdrücklich als ein Angebot auch von theaterfernen
Kommunen entstanden ist. Vielen Dank an die Spitzenverbände für ihre unbürokratische und
schnelle Unterstützung.
Alles das hat nichts gefruchtet Die Blockadehaltung der CDU müssen wir wohl aber akzeptieren.
Wir sollten die Vergangenheit hinter uns lassen, denn damit erreichen wir gar nichts.
Jetzt schauen wir nach vorne. Das Land wird jetzt den Hesterberg als Magazinstandort für das
Landesmuseum nutzen und bis zum Sommer die wichtigsten Fragen hierzu klären, damit dann
die Architekturleistungen ausgeschrieben werden können und der bau dann beginnt. Der
Hesterberg steht somit für den Theaterbau nicht mehr zur Verfügung. Schleswig wird aus dem
Vertrag aussteigen. Der Rücktrittstermin im letzten Jahr blieb ungenutzt. Es wird also eine
Regresssumme fällig, weil Schleswig seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Das
Geld wird in die GmbH fließen. Das ist die bittere Medizin für die Schleistadt: jetzt muss
Schleswig zahlen und bekommt überhaupt nichts; und zwar, weil die CDU es aus politischem
Kalkül heraus so wollte. Und neben dem Verlust von Kultur für Schleswig droht dem
Landestheater auch ein Verlust von Arbeitsplätzen. Für die Betroffenen ist das bitter, aber sie
wissen ja wem sie das zu verdanken haben.
Anstelle Schleswigs wird vielleicht eine andere Kommune mit einer Spielstätte einsteigen. Das ist
denkbar, denn das Landestheater wird nach unserer Auffassung fortgeführt werden müssen. Die
Angebote kursieren ja schon durch die Medien. Angebote, die keine Luftnummern sind, sondern
durchaus interessante Spielstätten mit einer interessierten Kommune dahinter. Hier wird das
Landestheater sicherlich schnell eine Entscheidung treffen müssen, wie es weitergehen kann. 3
Dazu muss ein neuer Finanzplan erstellt werden und die Gesellschafterversammlung wird dem
Verfahren wohl schon im Frühjahr den Weg ebnen. Die Arbeitsplätze in Schleswig, die
Werkstätten und auch die Intendanz werden umziehen; wohin, ist allerdings noch nicht geklärt.
Flensburg und Rendsburg sind noch als Standorte vorhanden und andere dritte Standorte sind
interessiert.
Ich fasse noch einmal zusammen: Erstens. Die CDU hat eine historische Chance verspielt, in
Schleswig einen Kultur-Leuchtturm im Landesteil Schleswig wachsen zu lassen. Zweitens. Noch
vor der Sommerpause werden alternative Spielstätten auf Herz und Nieren geprüft werden
müssen , damit die Beschäftigten, die Teilhaber der Landestheater GmbH und die
Kulturinteressierten wissen, woran sie sind. Und drittens. Sowohl die Landesregierung als auch
die kommunalen Spitzenverbände wurden ausgebootet und werden abwarten, was die
Landestheater GmbH beschließt. Es kann aber gut sein, dass noch im Frühling die
entscheidenden Weichen für eine neue Struktur gestellt werden können. Für uns als SSW ist es
dabei entscheidend, dass die Landestheater GmbH erhalten bleibt und dass die Arbeitsplätze
gerettet werden.

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