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Flemming Meyer: Ausländische Fachkräfte bereichern uns und knüpfen Schleswig-Holstein ins globale Netz ein
Presseinformation Kiel, den 10.04. 2014Es gilt das gesprochene WortFlemming Meyer TOP 4 u. 25 Anerkennungsgesetz und Anerkennungsfonds Drs. 18/994Endlich sind wir auf der Zielgeraden, was die Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüssebetrifft. Die Anhörung hat noch einige zusätzliche Informationen zu Tage gefördert. Mein Dankgilt allen, die sich mit ihren Vorschlägen und Ideen eingebracht haben. In diesemZusammenhang freut es mich, dass wir endlich mit falschen Annahmen aufräumen und dieFakten zu Wort kommen lassen.Der sprichwörtliche vietnamesische Ingenieur, der sich nur als Taxisfahrer durchschlagen könne,oder die iranische Ärztin, die sich in Deutschland als Putzfrau ihr Brot verdienen muss, weil dieentsprechenden Abschlüsse nicht anerkannt werden, gibt es tatsächlich. Gerade hat dieBundesregierung den ersten Bericht zur Anerkennung ausländischen Abschlüsse vorgelegt.Danach haben von April bis Ende 2012 11.000 ausländische Fachkräfte den Antrag aufAnerkennung gestellt. Davon wurden fast 70% oder 7.500 Berufsabschlüsse als gleichwertiganerkannt. Ich erinnere mich an Stimmen, die davon abrieten, das Ganze überhaupt in Gang zusetzen, handele es sich angeblich nur um wenige Einzelfälle. Diese werden mit diesen Zahleneines Besseren belehrt. 2Tatsache ist, dass jeden Tag neue Anfragen auf die Anerkennung von Berufs- undStudienabschlüssen auflaufen. So lange wir eine offene Gesellschaft sind, werden Menschen zuuns kommen, die unser Schul- und Ausbildungssystem eben nicht durchlaufen haben. DieseMenschen bereichern uns und knüpfen Schleswig-Holstein noch besser ins globale Netz ein.Nutzen wir ihr Knowhow und erkennen ihre Abschlüsse an. Auch die Arbeitgebervertreter habendurch die Bank in ihren Stellungnahmen zum Gesetzentwurf eindringlich gefordert, dasPotenzial der hier lebenden Fachkräfte zu nutzen.Die Bundesregierung hat den ersten Schritt gemacht mit der Anerkennung einzelner Berufegemacht. Unser Land zieht jetzt nach. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis wir zu einemtransparenten Verfahren gekommen sind. Bis dahin wandten sich die Migranten an dieBehörden und wurden teilweise jahrelang von einer zur nächsten Stelle geschickt, bis schließlichihre Berufserfahrung null und nichtig war. Auf diese Weise wurde Potenzial regelrecht vernichtetund Dequalifizierung Vorschub geleistet. Das darf uns angesichts des sich deutlichabzeichnenden Fachkräftemangels in der Zukunft nicht mehr passieren! Darum begrüße ichausdrücklich das neue Gesetz mit seinen transparenten Verfahren und klaren Kompetenzen.Allerdings haben wir das Gesetz noch durch die Einrichtung eines Fonds flankiert, der die Kostenabdeckt, die im Rahmen des Anerkennungsverfahrens entstehen. Diese laufen unter anderemdurch die Übersetzung der Zeugnisse durch amtlich bestellte Dolmetscher auf. Ich bin davonüberzeugt, dass der neue Fonds die Verfahren beschleunigen und vereinfachen wird.Wir sollten allerdings nicht nur immer über die Vorteile reden, die der deutschen Gesellschaftund unsere Betriebe von der adäquate Beschäftigung der ausländischen Fachkräfte haben,sondern auch darüber, dass wir die Interessen der Migranten beachten. Ein Beratungsanspruchfür Fachkräfte gehört nach Meinung des SSW zu einer lebendigen Willkommenskultur einfachdazu. Die Migranten erwarten von ihrer neuen Heimat ein Zeichen der Anerkennung ihrerbisherigen Lebensleistung. Sie sollten aus diesem Grund einen Anspruch darauf bekommen, dass 3ihre Abschlüsse nicht nur geprüft werden, sondern dass sie darüber hinaus auch beraten werden,zum Beispiel hinsichtlich einer Anschlussqualifikation. So erfahren die Migranten, was sie tunmüssen, um durch eine Brückenqualifikation mit den Kollegen gleichziehen zu können. DieBeratung macht den qualitativen Unterschied aus. Dementsprechend haben wir den Antragformuliert.Aber es zeigt sich gerade an dieser Stelle, dass wir den Prozess nicht als abgeschlossenbetrachten können. Es steht weiterer Handlungsbedarf an. Fehlen nämlich entsprechendeWeiterbildungsangebote, die die im Ausland erworbene Qualifikation an die deutsche anpasst,hilft auch die beste Beratung nicht. Außerdem müssen wir mehr berufsspezifische Sprachkurseanbieten, damit die anerkannte Qualifikation tatsächlich auch auf dem Arbeitsmarkt eineChance hat.Wir müssen also in naher Zukunft mit Kammern und Hochschulen über die Entwicklungentsprechender Angebote verhandeln. Dazu ist es nicht nötig, neue Strukturen zu schaffen.Gerade an dieser Stelle können wir über Kooperation vor allem mit Hamburg nachdenken, woman ja schon seit Längerem Erfahrung mit der Anerkennungs- und Beratungsverfahren gemachthat.