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10.04.14 , 16:23 Uhr
SSW

Lars Harms: Horizonte öffnen, nicht nur für Akademiker!

Presseinformation Kiel, den 10. April 2014

Es gilt das gesprochene Wort



Lars Harms
TOP 21 Horizonte öffnen – Fachkräfte willkommen heißen
Drs. 18/1732


„Horizonte öffnen, nicht nur für Akademiker!“


„ Jeder soll die Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme bekommen, unabhängig von
Ersparnissen, Herkunftsland oder Ausbildungsabschluss“


Dass wir in Schleswig-Holstein Fachkräfte willkommen heißen wollen und dies auch
tun, darüber besteht Einigkeit. Dass dies gleichermaßen auch für Migranten und
Flüchtlinge gilt, leuchtet unserer Meinung nach ein. Jedoch sollte an dieser Stelle
darauf aufmerksam gemacht werden, dass man diese Gruppen nicht immer
gleichsetzten kann. Denn für uns als SSW sollte auch selbstverständlich sein, dass wir
alle Menschen in unserem Land willkommen heißen – unabhängig vom beruflichen
oder Ausbildungsstatus. Denn nicht jeder Asylbewerber oder Migrant ist eine 2
sogenannte Fachkraft. Er kann vielleicht auch nicht umgehend einen Status als
Fachkraft erlangen. Trotzdem verdient dieser Berücksichtigung und Anerkennung.
Der vorliegende Antrag spricht von Fachkräftemangel, Blue Card und
Hochschulabsolventen aus Drittstaaten. Wovon er nicht spricht ist das
Anerkennungsgesetz. Ich bin mir sicher, dass wir einige Fragen von heute auch in die
morgige Plenumsdebatte zum Anerkennungsgesetz mit einfließen lassen können, oder
besser gesagt: sollten.


Der Antrag von heute nimmt einige Vorschläge aus Nürnberg auf. So hat der dortige
Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge eine Eingangsprüfung noch
vor dem eigentlichen Asylverfahren angeregt. So könnten Fachkräfte in seinen Augen
raus gesammelt werden, um sich so ein wahrscheinlich erfolgloses Asylverfahren
ersparen zu können. Rosinenpickerei könnte man dazu sagen. Wir vom SSW wollen
weder gut ausgebildete Asylbewerber auf dem Arbeitsmarkt bevorzugen, noch wollen
wir darüber urteilen, was eine „gute“ und eine „weniger gute“ Ausbildung ist. Das
Verfahren wirkt beinahe so, als ob ein Asylbewerber mit einer „guten“ Qualifizierung
aus wirtschaftlichen Gründen plötzlich mehr Wert ist, als ein Bewerber, der in seinem
Lebenslauf weniger „gute“ Punkte vorzuweisen hat. Die Vorschläge des Präsidenten
Schmidt sind aus unserer Sicht gut gemeint aber eben auch mit Vorsicht zu genießen,
schließlich dürfen wir nie vergessen, worum es hier eigentlich geht: Nämlich um
Menschen. Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um sich bei uns eine stabilere
Zukunft aufzubauen zu können. Dazu gehört unserer Meinung nach auch das Arbeiten.
Ein Arbeitsplatz ist mehr als nur der Verdienst des täglichen Brots. Es kann zu einem
sozialen Netzwerk werden und fördert die Akzeptanz und Integration mit Blick auf die
Verbindung zwischen Neuankömmlingen und Einheimischen. 3
Vor allem trägt ein Arbeitsplatz aber auch dazu bei, soziale Kosten zu verringern.
Diesen Ansatz dürfen wir nicht vernachlässigen, denn die Erfahrung zeigt, dass die
meisten Asylbewerber hier bei uns bleiben. Dann sollten wir auch Ihnen Möglichkeiten
schaffen, dass sie auf eigenen Füßen stehen können. Für uns als SSW geht es darum,
dass jeder der hierher kommt, die Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme bekommt und das
unabhängig von Ersparnissen, Herkunftsland oder Ausbildungsabschluss. Jeder Tag
zwischen Warteschleife und Verschiebebahnhof ist ein verlorener Tag. An dieser Stelle
müssen Arbeitsvermittlung und Sprachkurse greifen. In diesen Fällen müsste es primär
um gehen und nicht um PC-Kursvermittlung. Des Weiteren ist wichtig, dass
Sprachkurse umgehend angeboten werden und diese Sprachkurse sollten nicht nur
unsere Sprache vermitteln, sondern auch die hiesige Kultur veranschaulichen. Wir
müssen dazu beitragen, dass diese Menschen zu einer Perspektive in unserem Land
gelangen können. Und das setzt voraus, dass alle die Chance auf Arbeit so früh wie
möglich bekommen und dass wir ihnen die Möglichkeit geben, die deutsche Sprache zu
lernen und sich die hiesige Kultur so schnell wie möglich anzueignen. Nur wenn wir
ehrlich sind und anerkennen, dass die meisten Asylbewerber bei uns bleiben, werden
wir eine vernünftige Integrationspolitik hin bekommen. Wir als SSW machen da keinen
Unterschied zwischen gut qualifizierten und weniger gut qualifizierten Asylbewerbern.
Uns geht es ausschließlich um Menschen.

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