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Jette Waldinger-Thiering: Zurück zur Naturpädagogik
Presseinformation Kiel, den 11.04.2014Es gilt das gesprochene WortJette Waldinger-Thiering TOP 23 Kreisfachberater für Natur- und Umwelterziehung erhalten Drs. 18/1734 „Zurück zur Naturpädagogik“Wir alle kennen die Geschichten, dass Kinder nicht mehr wissen, woher das Fleisch auf ihremTeller kommt und glauben, dass die Milch aus der Fabrik in die Tüte kommt. Das sind keineAnekdoten, sondern Alarmzeichen für eine zunehmende Entfremdung der Kinder von ihrerUmwelt. Ja, es gibt Kinder, die kaum einen nicht-asphaltierten Weg kennen und auch als kleineSchleswig-Holsteiner noch nie am Meer waren. Also: raus mit ihnen in Wald, Wiese oder aufden Bauernhof. Gerade zu letzteren gibt es ja ein vorbildliches Projekt, das jüngeren Kinderneinen Besuch auf einem Bauernhof ermöglicht.Hier kommen die Kreisfachberater ins Spiel. Sie sind es, die die Ausflüge organisieren undbegleiten. So hat es jahrelang der Lecker Lehrer Wolfgang Ziriakus gemacht, der mitSchülerinnen und Schülern der dritten bis achten Klasse nordfriesische Bauernhöfe besuchte.Viele von den Kindern streichelten bei diesen Besuchen erstmals eine Kuh und lernten etwasüber die Milchwirtschaft. Die Schule muss also hier manches nachholen, was den Eltern anVermittlung von Wissen und Erfahrung nicht gelingt. Zum Bildungsauftrag der Schule gehören 2solche schönen, authentischen Erlebnisse einfach dazu. Schule muss so etwas möglich machenkönnen. Damit werden die Kleinen sensibilisiert und so werden aus Kindern mündigeBürgerinnen und Bürger.So in etwa kann man auch den Hintergrund für die Kreisfachberater verstehen. Sie machennatürlich nicht alle Ausflüge selbst, sondern unterstützen Lehrkräfte in Sachennaturpädagogische Maßnahmen. Ehrlicherweise muss man allerdings eingestehen, dass dieKreisfachberater mittlerweile in Sachbearbeiter-Tätigkeiten ersticken. Vorschriften undorganisatorischer Aufwand haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Einfach mal soauf einem Bauernhof vorbeischauen, geht gar nicht. Vor so einem Besuch sind vieleVorbereitungen zu treffen - bis hin zur Anfahrt. Das kostet Zeit und bindet Energie, so dasskaum noch Zeit für andere Aktivitäten bleibt. Vor allem die Umweltverbände kritisieren das. Siebekommen wegen der komplizierten und langwierigen Verfahren via Kreisfachberater nurschwer in Kontakt zu den Schulen. So ehrlich müssen wir sein, dass die Arbeit derKreisfachberater in diesem Bereich neu strukturiert werden muss. Nur, weil etwas in derVergangenheit gut geklappt hat, heißt das nicht, dass die Verfahren auch noch heutefunktionieren.Vorrangig gilt es, die Kreisfachberater zu entlasten und ihnen die nötigen Freiträume für ihreeigentlichen Aufgaben zu schaffen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die Berater zu einerArt Flaschenhals wurden, die Kooperationen im Wege stehen, anstatt sie zu befördern. VieleSchulen machen es sich vielleicht auch zu einfach, indem sie auf lange Wartezeiten desKreisfachberaters verweisen. Sie können den Kontakt zu den Verbänden durchaus selbstherstellen. Eine vermittelnde Instanz ist doch in Zeiten von Google und Telefonbuch nicht mehrvon Nöten. An dieser Stelle würde ich mir mehr Eigeninitiative der Schulen wünschen.Was aber gebraucht wird, und weiterhin wichtig ist, ist die Vermittlung naturpädagogischerInhalte. Damit aus einem Ausflug auf dem Bauernhof nicht einfach nur eines von vielen 3beliebigen Events wird, sondern die Kinder wirklich begreifen, was sie da sehen und sieanfangen, Fragen zu stellen, bedarf es eines entsprechenden naturpädagogischen Konzepts.Und genau hier sind die Kreisfachberater gefragt. Derzeit werden sie noch als eine Art GelbeSeiten benutzt und ihr eigentliches Knowhow liegt brach. Das müssen wir ändern. Schließlicheignen sich nicht alle naturpädagogischen Angebote für alle Schulen. Hier ist eine intensiveBeratung unbedingt angezeigt. Auch muss sich Naturpädagogik nicht unbedingt auf Fächerwie Sach- und Naturkunde beschränken, sondern kann mit geeignetem Konzept auchfächerübergreifend eingesetzt werden. Aber das kostet nun mal Zeit. Zeit, die dieKreisfachberater zurzeit nicht haben.Die Regionalisierung der Beratungsleistungen ist der Weg zur besseren Beratung. Ob allerdingsdie Standorte optimal gewählt sind, muss sich noch zeigen.