Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Lars Harms: Sanierungsstaus bei den Sportstätten in den Kommunen
Presseinformation Kiel, den 19. Juni 2014Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 10 Sanierungsstaus bei den Sportstätten in den Kommunen Drs. 18/1966 „So sieht der Status quo aus: Es wurde mit viel Enthusiasmus gebaut, bei der Instandhaltung wurde gespart und zum Schluss wurden die Stätten kaputt genutzt.“Sport ist durch Sportartikel, Bau von Sportstätten und Vermarktung ein bedeutsamerWirtschaftsbereich. Derzeit kann allerdings der wirtschaftliche Beitrag des Sports nurgeschätzt werden, so dass immer noch vielerorts der Fehler gemacht wird, Sport nur alseines von vielen Hobbys zu verstehen. Wer aber den Sport vernachlässigt, der nutzt dasPotential des Wirtschaftsfaktors nicht aus. Um ein Beispiel zu nennen: viele Touristenerwarten am Urlaubsort abwechslungsreiche, moderne und ansprechendeSportstätten. Ihre Ausstattung ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl desReiseziels. Das betrifft nicht nur Schwimmbäder und Radwege, sondern auch dieSporthallen. Da gibt es gute Beispiele im Land, aber auch sanierungsbedürftige 2Sportstätten. Sportplätze, Hallen und Schwimmbäder teilen im Großen und Ganzendas Schicksal unserer gesamten Infrastruktur: mit viel Enthusiasmus gebaut, bei derInstanthaltung gespart und zum Schluss kaputt genutzt. Wir leben in SachenSportstätten von der Substanz. Jede dritte Sportstätte in Schleswig-Holstein hat lautBericht einen Sanierungs- bzw. Modernisierungsbedarf. Das hat die Landesregierungerkannt.Die Daten dazu wurden allerdings erst jetzt erstmals landesweit erhoben. Weder Zahlnoch Größe oder baulicher Zustand der Sportstätten waren vorher bekannt. DieKommunen haben teilweise gar keine eigene Sportstättenplanung oder stecken mittenin einer entsprechenden Erhebung. Dementsprechend müssen wir auch die Datenlesen und können sie nur vorsichtig interpretieren. Fast jede sechste Sportstätte fehltin der Statistik, weil wir einen Rücklauf von 83% haben. Es liegt also keine Vollerhebungvor. Darüber hinaus haben nicht alle Sportstätten einen Förderbedarf angemeldet.Allein in Nordfriesland fehlen deshalb in der entsprechenden Tabelle einzelneStandorte, so das Wellenbad in Wyk oder die Freibäder in Stadum, Neukirchen oderRisum-Lindholm.Der Sport befindet sich im Umbruch; die Zukunftsfähigkeit der Vereine steht zurDebatte, wie der Landessportbund ausführt. Die Nachfrage ändert sich. Wo früher nochFaustball gespielt wird, suchen heute Freeclimber eine Übungswand. Die Nachfragenach Sportangeboten speziell für Menschen mit Behinderungen wächst, gleichzeitigsieht sich der Jugendsport durch Ganztagsschule, sinkende Schülerzahlen und neueSportarten vor ganz neuen Herausforderungen gestellt. Der Landessportbund weist indiesem Zusammenhang auf den Bedarf an multifunktionalen, kleinteiligen Hallen hin.Den Bedarf an diesen Sportanlagen muss man zum Sanierungsbedarf also noch 3hinzurechnen. Im Sportbereich ist also eine Menge in Bewegung. Im wahrsten Sinnedes Wortes.In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, wie stark Sportstätten auf Platzwarteund Hausmeister angewiesen sind. Ohne deren Einsatz würden die Sportstätten imHandumdrehen einen erheblichen Sanierungsbedarf entwickeln, was vor allem ingrößeren Städten der Fall sei. Auch an dieser Stelle sehe ich eine klareUnterfinanzierung und dementsprechend einen eindeutigen Nachholbedarf. Diepersonelle Struktur im Sport des Landes Schleswig-Holstein ist aber sicherlich einThema für eine andere Debatte.Der Bericht macht noch einmal deutlich, was man im Land schon lange weiß: denSchulen kommt eine zentrale Bedeutung im Breitensport zu. In den Schulen sindzahlenmäßig die meisten Sportlerinnen und Sportler konzentriert. Es ist daher zuüberlegen, wie die Schulen besser in die Sportstättenentwicklung integriert werdenkönnen. Das könnte in Arbeitsgruppen passieren oder gleich auf kommunaler Ebene,im Rathaus. Von so einer Einbindung würden auch die Sportvereine profitieren, diesowohl eine bessere Auslastung ihrer Sportstätten erreichen könnten als auch dieRekrutierung ihrer Vereine verbessern würden. In kleineren Gemeinden ist die guteZusammenarbeit schon gang und gäbe, so dass Schulsport und Vereinssport Hand inHand arbeiten. Das wäre sicherlich auch für die größeren Städte ein Modell. Es stelltsich dann aber doch die Gretchenfrage, wie hier eine bessere Finanzierung derSportstätten geleistet werden kann. Wir wissen alle, dass es immer gerne ein bisschenmehr sein kann. Aber natürlich werden wir den Bedarf, der sich zum Beispiel bei derSportstättenerhebung 2006 ergeben hat, nicht im Handumdrehen befriedigen können.2006 ging man von einem Bedarf von 70 Millionen Euro für die Sportstätten aus.Weniger sind es sicherlich nicht geworden. Nach unserer Auffassung müssen wir aber 4mindestens den Einstieg in eine verstärkte Förderung schaffen. Und da erscheint eslogisch, doch die Einnahmen zu berücksichtigen, die aus Sportswetten generiertwerden. Somit würden mit Sportwetten auch Sportstätten finanziert werden können.Ob dies ein gangbarer Weg ist, werden die Haushaltsberatungen zeigen. Aber aufjeden Fall wissen wir, dass wir etwas tun müssen, und wir werden etwas tun.