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09.10.14 , 15:49 Uhr
B 90/Grüne

Anker Erdmann zum digitalen Lernen

Presseinformation

Es gilt das gesprochene Wort! Landtagsfraktion Schleswig-Holstein TOP 16 – „Digitales Lernen: Offene Infrastruktur gehört auf die Agenda“ Pressesprecherin Claudia Jacob Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Landeshaus Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
Anke Erdmann: Telefon: 0431 / 988 - 1503 Fax: 0431 / 988 - 1501 Mobil: 0172 / 541 83 53
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Nr. 395.14 / 09.10.2014



Digitales Lernen: Entwicklung nicht verschlafen!
Die Piraten schlagen eine Bundesratsinitiative zum digitalen Lernen vor. Das ist die richtige Richtung, der Forderungskatalog ist aber zu umfassend. Deshalb möchte ich darauf näher eingehen:
Vor zwei Wochen hat der Bildungsausschuss zu einer Veranstaltung zum digitalen Ler- nen eingeladen. Bei der Veranstaltung wurde deutlich: An verschiedenen Schulen ha- ben sich bereits Lehrkräfte auf den Weg gemacht und setzen Tablets innovativ im Un- terricht ein. Diese „Vorreiter-Schulen“ fühlen sich aber als Einzelkämpfer, ihnen fehlt die nötige Unterstützung.
Zum einen wurde die mangelnde Vernetzung und fehlende Fortbildungsmöglichkeiten für die Lehrkräfte bemängelt, zum anderen wurde aber auch besonders auf die fehlen- de Ausstattung hingewiesen: Es fehlt an mobilen Endgeräten, an Netzzugängen und dem Zugang zu digitalen Lehrmedien. Zu oft sind Lehrerkräfte zusätzlich auch die Netzwerkadministratoren. Die Lehrerstunden sind ohnehin nicht auskömmlich, die Lehrkräfte dann noch als Netzwerkadministratoren einzusetzen ist falsch. Da sehe ich die Kommunen in der Pflicht! Einige haben hier einen echten Nachholbedarf!
Der Antrag der Piraten setzt einen Impuls, hier endlich voran zu kommen und den Bund ins Boot zu nehmen. Die Piraten fordern die Bereitstellung digitaler Endgeräte für alle SchülerInnen. Hierbei ist mir unklar, ob das so viel heißt wie „ein Tablet für jeden“ oder ob nur der Zugang grundsätzlich bestehen soll.
Ich sehe die Chancen des Einsatzes digitaler Medien. Ich sehe aber auch die Hinder- nisse und Risiken. Eine der größten Chancen liegt in den Potenzialen für einen binnen- differenzierten, flexiblen Unterricht. Eine weitere Chance ist der Zugang zu einer Viel- Seite 1 von 2 zahl von Informationen: professionell und spannend aufbereitet, immer aktuell. Mit Si- cherheiten kann für Lehrkräfte die Arbeit leichter werden, aber das ist eben kein Auto- matismus.
Mittelfristig kann der Einsatz digitaler Medien die Schwerpunkte im Unterricht verschie- ben – positiv zur individuelleren Begleitung von SchülerInnen. Ich habe einen Vormittag im Gymnasium Kronshagen in einer iPad-Klasse verbracht. Das war ein zielgerichteter und aktivierender Unterricht.
Insofern ist die Herausforderung an Lehrkräfte deutlich höher. Frontalunterricht im digi- talen Klassenraum ist eben auch kein Schritt nach vorne! Zwischen aktivierendem Un- terricht und Daddeln im Netz ist oft nur ein Klick. Der Einsatz digitaler Medien und der Einsatz von digitalen Lernmitteln, muss mit einer Unterrichtsentwicklung einhergehen. Flächendeckend ist das derzeit nicht realistisch.
15-Jährige – also die Jungen und Mädchen, die im PISA-Fokus stehen – haben bereits im Jahr 2009, das war vor der Verbreitung von Smartphones in dieser Altersgruppe, täglich im Durchschnitt mehr als sieben Stunden mit digitalen Medien verbracht. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass in der Schule ein Gegenpol gesetzt werden kann. Darauf weist auch der Hirnforscher Spitzer hin.
Bringt der Einsatz digitaler Medien generell Fortschritte im Unterricht? Nicht automa- tisch. Der Bildungsforscher Ludger Wößmann hat dies – zugegeben schon vor einigen Jahren – anhand der PISA-Daten untersucht. Sein Fazit: „Schüler an Schulen mit Computermangel schneiden bei PISA im Durchschnitt genauso gut ab wie vergleichba- re Schüler an Schulen ohne Computermangel. Eine mäßige Computer- und Internet- nutzung geht mit den besten Ergebnissen einher, eine allzu intensive Nutzung mehr- mals pro Woche mit schlechteren.“ Wößmann rät: „Bevor man immer mehr Schulen mit immer mehr Computern ausstattest, sollte man erst einmal herausfinden, wie diese überhaupt effektiv zum Einsatz gebracht werden können.“
Einer der wesentlichen Punkte dafür ist eine Lehrkraft, die eine – ich nenne das mal – digitale Affinität hat. Wir haben so viele Baustellen im Bildungsbereich, das ich bezweif- le, dass eine Grundausstattung an allen Schulen und für alle SchülerInnen wirklich eine gute angelegte Großinvestition ist.
Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Schulen und Lehrkräfte, die losgelegt haben oder loslegen wollen, gezielte und gute Unterstützung bekommen könnten. Das wäre besser als die Förderung von allen Schulen nach dem Gießkannen-Prinzip. Dazu ha- ben wir zu viele Baustellen im Bildungsbereich und zu wenig Geld.
Ich beantrage für meine Fraktion eine Ausschussberatung.
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