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Lars Harms: Leidenschaftlich, engagiert und einfallsreich für die Demokratie statt unentschlossen, neutral oder eben unparteiisch
Presseinformation Kiel, den 12. Dezember 2014Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 23 Demokratie lebt von Beteiligung Drs. 18/2532 „Leidenschaftlich, engagiert und einfallsreich für die Demokratie statt unentschlossen, neutral oder eben unparteiisch“Nur wenige Zimmerpflanzen gedeihen, weil sie in Ruhe vor sich hin wachsen können.Die meisten Pflänzchen benötigen regelmäßig Dünger, müssen umgetopft undbegossen werden. Demokratie ist so ein Pflänzchen, das Anstrengung erfordert undMühe macht. Sie vertrocknet, wenn sie abseits steht und sich niemand um siekümmert. Sie geht ein und wird von Unfreiheit und Diktatur überwuchert.Wir reden oft von dem, was uns droht, wenn die Wahlbeteiligung weiter sinkt und dieBürgerversammlungen verwaisen. Wir reden viel und oft davon und vergessen dabei,die Schönheit der Demokratie zu preisen. So eine Miesepeter-Rhetorik will zwar viel,verschreckt aber im Zweifel die Menschen noch mehr als sie es sowieso schon sind; sieprovoziert geradezu die lahmen Entschuldigungen und Ausflüchte, die gegen aktive 2Beteiligung vorgebracht werden: Keine Zeit, zu kompliziert und als einzelner könneman ja doch nichts ausrichten.Als Politiker argumentiert man dagegen. Klar, das ist eine Selbstverständlichkeit. Aberich bemerke beim Gegenüber oft auch Skepsis. Ich bin schließlich nicht unparteiisch,was die Demokratie angeht. Eigentlich sollte das niemand in Deutschland sein:Unentschlossen, neutral oder eben unparteiisch, sondern sich leidenschaftlich,engagiert und einfallsreich für die Demokratie einsetzen.Darum zielt der Antrag vor allem auf die Verfahren, und nicht auf die Inhalte ab. Aberich möchte es an dieser Stelle trotzdem sagen: Beteiligung für Demokratie bedeutet fürden SSW eindeutig ein Bekenntnis zur Pluralität und gegen Rassismus undDiskriminierung!Demokratie ist unbequem. Nicht nur bezüglich des Zeitaufwands, sondern auch, wasdie Themen angeht. Wer Flagge zeigt und sich für einen bestimmten Standpunkt starkmacht, der zieht auch Kritik auf sich. Derjenige, der dagegen keine Position sein eigennennt, den lässt man auch in Ruhe. Ruhe ist aber das letzte, was wir brauchen. Was wirbrauchen ist aber, dass die Demokratie und die demokratischen Verfahren nochpräsenter sind als bisher – dass sie sozusagen für den einzelnen Menschen leichtergreifbar und leichter erlebbar sind. Der Landtag kann die Verfahren verbessern. Wirhaben das bereits in der Vergangenheit getan, indem wir beispielsweise das Wahlaltergesenkt haben.Andere Verfahren, die im vorliegenden Antrag zur Änderung bzw. Modernisierungvorgeschlagen werden, beziehen sich vor allem auf den Wahlakt selbst. DieWahlbenachrichtigung ist zu kompliziert und die Anforderung der Briefunterlagen istnicht für jedermann unmittelbar einsichtig. Ich denke, dass wir darüber nachdenkensollten, beides – also Wahlbenachrichtigung und Briefwahlunterlagen, gemeinsam zu 3versenden und zwar in einer Form, die übersichtlich und leicht verständlich ist. Einedoppelte Stimmabgabe muss natürlich vermieden werden, aber ich bin zuversichtlich,dass es auch dafür eine technische Lösung geben kann.Wir haben es mit einem wachsenden Anteil von Briefwählern zu tun. Bei der letztenBundestagswahl hat jeder vierte Deutsche per Briefwahl seine bzw. ihre Stimmeabgegeben. Vor allem in den Großstädten ist das der neue Trend. Das ist ein Indiz, dassdiese Form der Wahl ausgesprochen gut ankommt und den Wünschen der Bürgerinnenund Bürgern entspricht. Wir sollten mehr Menschen diese Zugangsform ermöglichen.Briefwähler sind weder an ein festes Datum noch eine Tageszeit gebunden. Sie könnenum Mitternacht ihren Wahlzettel ausfüllen und dann in den Briefkasten werfen.Vielleicht ist das auch der Grund für die Briefwahl. Darum sollten wir nicht länger anden Öffnungszeiten der Wahllokale festhalten. Der Landtag sollte Prüfaufträgevergeben, ob die Anzahl der Wahltage beispielsweise auf das gesamte Wochenendeausgedehnt werden kann.Zu den Verfahren gehört sicherlich auch, zu fragen, ob es nicht möglich ist, das starreNetz der Wahllokale zu verdichten. Bislang bieten die Parteien Fahrservice für dieWählerinnen und Wähler an. Warum kann nicht gleich das Wahllokal vorbeikommen?Die Einrichtung mobiler Wahllokale ist vor allem in ländlichen Gebieten oder auch beibestimmten Wählergruppen gut vorstellbar. So könnte es mobile Wahllokale inSchulen geben, die im Rahmen von Demokratieprojekten aufgebaut werden könnenund so die Jugendlichen direkt zur Stimmabgabe motivieren könnten. In Dänemark hatman hiermit gute Erfahrungen gemacht.Zum Abschluss möchte ich klar stellen, dass auch die Nicht-Wahl Ausdruckdemokratischer Gesinnung sein kann. Wir hatten in Schleswig-HolsteinLandratswahlen mit nur einem Bewerber. Dass da viele Wählerinnen und Wähler nicht 4gewählt haben, ist nachvollziehbar. So lange es gar keine oder kaum Alternativen gibt,ist die Nicht-Wahl durchaus auch eine demokratische Option. Nachdem dasEuropaparlament beispielsweise mehr Befugnisse bekam, sank die Zahl derNichtwähler bei der Europawahl und mehr Bürgerinnen und Bürger nahmen ihrWahlrecht wahr. Attraktive Politik mit klaren Alternativen ist eben die beste Einladungzur Beteiligung.