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Wohnraum schaffen für junge Erwachsene ist keine Einbahnstraße
Presseinformation Kiel, den 19. Februar 2015Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 16 Bericht zur Wohnraumförderung in Schleswig-Holstein Drs. 18/2702 „Wohnraum schaffen für junge Erwachsene ist keine Einbahnstraße“Wohnraumförderung ist eine zentrale Aufgabe des Sozialstaates: Dabei geht es zum einen umdie Stärkung der Mietzahlungsfähigkeit, also um das Wohngeld. Zum anderen geht es um diesoziale Wohnraumförderung, also die Unterstützung von Wohnungsbau durch den Staat, ohnedabei den bestehenden Wohnungsmarkt zu stören. Daneben muss eine nachhaltigeWohnungsbauförderung das Wohnquartier und deren Akteure und, last but not least, dieNachfrageseite berücksichtigen; schließlich sind unter anderem behindertengerechte bzw.seniorengerechte Wohnungen in Schleswig-Holstein unterrepräsentiert. Wohnraumförderungist also gleichzeitig ein zentrales, aber eben auch ein extrem vielschichtiges Instrument. Darumsollte das Parlament immer auf Augenhöhe sein, was die aktuelle Entwicklung betrifft. Wir 2sollten uns vormerken, dass wir auch die Evaluierung, die die Wohnraumförderung inSchleswig-Holstein zwingend vorsieht, hier im Landtag diskutieren.Zum aktuellen Programm der Wohnraumförderung liegt der Förderbericht vor. Die Zahlenlassen nur einen Schluss zu: Die Regierung hat die Zeichen der Zeit erkannt und miterheblichen Anstrengungen den Bau von Wohnungen und Eigenheimen gefördert. Da dieMieten vor allem im Hamburger Umland immer weiter in die Höhe klettern, war es gut, hiereinen regionalen Schwerpunkt zu setzen. Aber auch im Norden sind Mittel eingesetzt worden.Ich schaue natürlich immer auf die Zahlen für die Inseln. Ich bin davon überzeugt, dass die 144neuen Einheiten auf der Insel Sylt den Weg frei machen, dass unter anderem Lehrer,Krankenschwestern und Polizisten auf der Insel wohnen können bzw. wohnen bleiben können.Dauerwohnen auf der Insel geriet in den letzten Jahren unter den konservativenLandesregierungen ein wenig unter die Räder. Gut, dass hier eine Kehrtwende eingeleitetworden ist; vor allem dem sozialen Leben auf der Insel tut das gut.In diesem Zusammenhang möchte ich auf den bildungspolitischen Effekt derWohnungsbauförderung eingehen. Die Abiturrate in der Dänischen Minderheit geht unteranderem zurück auf das Internatsangebot des dänischen Gymnasiums in Flensburg sowieangemietete Wohnungen in Schleswig. Gerade Schülerinnen und Schüler von den Inseln, aberauch vom nordfriesischen Festland nutzen diese Angebote. Für die Eltern ist dieses Angeboteine spürbare Entlastung und gewährt ihnen die Sicherheit, dass ihre Kinder vernünftiguntergebracht werden. Ohne Internat wäre für Viele aus der dänischen und friesischenMinderheit kein Abitur möglich. Diese Anstrengungen des Dänischen Schulvereins möchte ichan dieser Stelle ausdrücklich erwähnen. Wohnungsangebote sind eben Bestandteil derBildungspolitik in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein, wo Heimat- und Ausbildungsorttraditionell weit auseinander liegen. Das gilt im besonderen Maß für den Landesteil Schleswig.Die hohe Pendlerrate ist ein eindeutiger Beleg für diese Tatsache. Wenn sich Fahrtzeiten aufmehrere Stunden am Tag aufsummieren, ist ein Umzug einfach die bessere Alternative.Flensburgs große Wohnungsbaugenossenschaft, der Selbsthilfebauverein SBV, hat daserkannt. Seit wenigen Monaten gibt es in der Nähe des Bahnhofs einen Neubau mit 3Einzimmerapartments für Studenten und Berufsschüler. Ausdrücklich geht es in dem Neubaunicht nur um die Bereitstellung kleiner Wohnungen, sondern um eine neue Form jungenWohnens, die mit Gemeinschaftsräumen so etwas wie ein WG-Feeling entstehen lässt. Alsokeine Studentenschließfächer, sondern ausdrücklich solidarisches Wohnen mit gemeinsamemFrühstück und Festen. Bereits beim Umzugswochenende ging das neue Konzept auf: Die neueHausgemeinschaft organisierte reibungslos alle 72 Umzüge. Seit November wohnen dort auchBerufsschüler. Flensburg wurde damit als Bildungsstadt weiter gestärkt. Berufsschüler habennämlich auf dem Markt auch an der Westküste gegen die zunehmende Zahl derFerienwohnungs-Vermieter die schlechtesten Chancen. Schülerinnen und Schüler aus demländlichen Raum suchen kleine, bezahlbare Wohnungen in der Nähe zu einer derBerufsschulen. Hier muss die Politik tätig werden – und genau das tut sie auch.Ich begrüße es, dass die Landesregierung die bildungspolitische Komponente in derWohnraumförderung stärker berücksichtigt als das in der Vergangenheit der Fall war. ImFörderbericht des Innenministers ist ausdrücklich die steigende Zuwanderung in die großenStädte zu den Ausbildungs- und Studienorten eine hohe Priorität eingeräumt worden.Bedauerlicherweise stehen im realen Fördergeschehen Berufsschüler und Auszubildende imSchatten der Studierenden. Die Entwicklung sollten wir im Auge behalten. Schließlich ist eingutes Wohnraumangebot für diese jungen Erwachsenen dringend notwendig. Dieentsprechenden Wohnungen in Flensburg waren jedenfalls im Handumdrehen vermietet.Langfristig ist die Förderung in diesem Bereich keine Einbahnstraße. Angesichts derdemografischen Entwicklung liegt die Nachnutzung dieser Wohnungsmodelle auf der Hand:Schließlich wächst die Zahl alleinstehender Senioren. Sie könnten eines Tages Mieter in denWohnungen der Berufsschüler und Studenten sein.