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Lars Harms zum Extremismus: Die gute Präventions- und Netzwerksarbeit der letzten Jahre zahlt sich aus
Presseinformation Kiel, den 18. Juni 2015Es gilt das gesprochene WortLars HarmsTOP 11 Extremismus in Schleswig-Holstein Drs. 18/3054„Die gute Präventions- und Netzwerksarbeit der letzten Jahre zahlt sich aus“Vorab: es gibt keinen hundertprozentigen Schutz vor Extremismus. Gerade darum ist es sowichtig, dass die demokratische Gesellschaft aufmerksam gegenüber allen Phänomenenbleibt, die sich gegen sie richten. Der Schutz der Verfassung geht uns alle an. Wir haben diebesseren Argumente. Der entschiedenen Haltung vieler Schleswig-Holsteiner und Schleswig-Holsteinerinnen ist es zu verdanken, dass der Innenminister bei den Rechtsextremen im Landkaum noch nennenswerte Organisationsstrukturen feststellt. Bürgermut und Engagementhaben hier in den letzten Jahren Beeindruckendes geleistet. Der Verfassungsschutz hatebenfalls dazu beigetragen, dass sich in Schleswig-Holstein die Gefahr des Extremismus alsnicht herausragend darstellt. Rufen wir uns die Auseinandersetzungen in den 90er Jahren vorAugen, als rechtsextreme Aufmärsche gegen die offene Gesellschaft hetzten. So etwas gibt esnicht mehr. Wir haben also in den letzten Jahren einen enormen Fortschritt erzielen können.Das liegt unter anderem daran, dass Rekrutierungsbemühungen der rechtsextremistischenSzene erfolgreich verhindert werden konnten. Der Innenminister weist darauf hin, dass es gar 2keine planmäßige Anwerbung neuer Mitglieder gibt. Diese liefen bei den Ewiggestrigenbeispielsweise über Musikveranstaltungen und konnten fast vollständig ausgetrocknetwerden. Der Verfassungsschutz bemüht sich, bereits die Bildung kleiner Zellen zu verhindern.Das ist Teil einer bewährten Präventionsstrategie und zeigt Früchte. Extremistische Zellensammeln, ähnlich wie Gewitterzellen, Energie und wachsen explosionsartig, wenn sie einegewisse kritische Masse erreicht haben. Darum ist ein funktionierendes Frühwarnsystem vongrundlegender Bedeutung. Genau über das verfügen wir in Schleswig-Holstein: derVerfassungsschutz verfügt über tiefer gehende Kenntnisse der Extremisten, deren Handelnund Strukturen.Wünschenswert wäre die bessere Markierung extremistischer Gewalttaten. Bislang steht dasentsprechende Gesetz der Bundesregierung noch aus, damit Hassverbrechen von Einzeltäterngekennzeichnet werden. Wer Ausländer niederknüppelt, muss nicht notwendigerweise zueiner rechtsextremen Organisation oder Kameradschaft gehören, fällt also denVerfassungsschutzbehörden zunächst nicht auf. Die personenorientierte Statistik der Polizeimuss daher im Sinne einer wirkungsvollen Prävention ertüchtigt werden, damit diese Tätergar nicht erst zu Vorbildern werden können. Das gilt auch für die wachsende islamistisch-extremistische Szene, die bislang in der Polizeistatistik keine Rolle spielt. Der Innenministergibt hier allerdings Entwarnung. Noch gibt es keine islamistisch–extremistischenOrganisationen in Schleswig-Holstein. Noch haben wir es mit Einzelpersonen zu tun, wennauch mit einer erheblichen Zahl von etwa 360 Personen, darunter 230 mit salafistischemBezug. Noch gibt es aber keine stabilen Strukturen. Damit es dazu gar nicht erst kommt, gibt eseine neue Beratungsstelle in Trägerschaft der Türkischen Gemeinde. Sie soll sich vor allem umjunge Menschen kümmern, die in Gefahr sind, sich religiös zu radikalisieren. Bevor sichMenschen in der Abgeschiedenheit radikalisieren, gibt es Anzeichen. Und diese gilt es zuidentifizieren. Völlig richtig also, dass Präventionsarbeit von Innen und nicht von außenkommt. Hier gilt das Motto: Wehret den Anfängen.Liegen allerdings bereits extremistische Straftaten vor, geht es darum, zu verhindern, dass ausden Tätern Helden gemacht werden können. Die Justizministerin wird daher die Prävention in 3diesem Bereich in den Haftanstalten weiter verstärken. Dazu gehörenWeiterbildungsprogramme und Sprachkurse für die Vollzugsbeamten. Der Innenminister setzteinen Islamwissenschaftler ein, der Schriften auswertet, damit die Beamten wissen, womit siees zu tun haben.Zu warnen ist vor der Übertragung der Erfahrungen, die der Verfassungsschutz mit links- bzw.rechtsextremistischen Strukturen gemacht hat, auf die islamistisch-extremistische Szene. Diesachkundigen Antworten in der Großen Anfrage zeigen, dass sich sowohl die Vernetzungenganz anders gestalten, als auch die Hierarchien bewusst flach gehalten werden. EinflussreicheIslamisten kann man gerade nicht an ihrer Position erkennen, weil sie die Annahme vonÄmtern, zum Beispiel in den Moscheevereinen dezidiert ablehnen. Wer die Fäden in der Handhält, ist also gar nicht so leicht zu erkennen. Hier muss man in den Gemeinden dieEntwicklungen genau beobachten.Zusammenfassend zeigt die Große Anfrage einen gut funktionierenden Verfassungsschutz, dernicht erst tätig wird, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Die gute Präventions- undNetzwerksarbeit der letzten Jahre zahlt sich aus.Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden:http://www.landtag.ltsh.de/aktuell/mediathek/index.html