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Bernd Voß zur Pflanzenschutzmittelrückständen in Lebensmitteln
Presseinformation Landtagsfraktion Schleswig-Holstein Es gilt das gesprochene Wort! Pressesprecherin Claudia Jacob TOP 51 - Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel Dazu sagt der agrarpolitische Sprecher von Zentrale: 0431 / 988 – 1500 Bündnis 90/Die Grünen, Durchwahl: 0431 / 988 - 1503 Mobil: 0172 / 541 83 53Bernd Voss: presse@gruene.ltsh.de www.sh.gruene-fraktion.de Nr. 088.16 / 18.02.2016Mehrfachbelastungen stärker in den Fokus nehmen!Ich danke der Landesregierung für den Bericht. Er ist eine sinnvolle und notwendige Ergän- zung zum Bericht über Pflanzenschutzmittelrückständen in Gewässern, den wir ja vor vier Monaten im Landtag diskutiert haben.In der Debatte hat uns der Kollege Heiner Rickers die Anregung für die Beantragung dieses Berichtes gegeben. Ich zitiere aus dem Plenarprotokoll vom 14. Oktober: „Die Lebensmittel sind sauber.“ Es geht gar nicht um Verunsicherung - aber Absolutheit - ist bei diesem The- ma auch nicht hilfreich.Anfang November wurde dann der Jahresbericht des Landeslabors 2014 vorgestellt. Darin waren Untersuchungen von Pflanzenschutzmittelrückständen zwar erwähnt. Es lag lediglich die Anzahl der Proben der amtlichen Lebensmittelüberwachung vor - ohne Ergebnisse.Ich denke, es ist im Sinne der Transparenz für die VerbraucherInnen, dass wir diesen Be- richt angefordert und nun vorliegen haben.Zudem haben wir ausdrücklich nach den zusätzlich zur amtlichen Lebensmittelüberwa- chung Schleswig-Holstein, also beispielswiese aus dem nationalen und EU-weiten Mess- programmen, vorliegenden Erkenntnissen gefragt.Es ist zunächst auch ein Erfolg der risikobasierten Kontrollen, dass eine Überschreitung von Rückstandshöchstgehalten nur in geringem Umfang von ein bis zwei Prozent festge- stellt wurde.Wir können daher sagen, dass eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit durch Pflan- zenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln derzeit kaum gegeben ist, sie beschränkt sich auf Einzelfälle. Seite 1 von 3 Insofern Entwarnung? Das würde ich nicht sagen. Das wäre zu einfach. Die VerbraucherIn- nen werden sich nicht damit zufrieden geben - denn jede Überschreitung ist eine zu viel! Und der eine oder andere wird sich auch fragen, warum chemische Wirkstoffe überhaupt etwas in Lebensmitteln zu suchen haben, auch unterhalb der Höchstmengen. Ein einfaches Freimessen bzw. Freitesten kann es auch hier nicht geben.Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein weist noch zudem auf ein anderes Problem in dem Zusammenhang hin: Das Problem der Mehrfachbelastungen. Das ist eine seit Jahr- zehnten bekannte unbeantwortete Problematik.Das heißt, Pflanzenschutzmittelreste werden zwar überwiegend nur in kleinen Mengen un- terhalb der Höchstgrenzen nachgewiesen, dafür aber, ziemlich oft gleich in einer Probe mehrere bis zu einer Vielzahl verschiedener Stoffe.Laut der Verbraucherzentrale ist es größtenteils noch unklar, ob und wie die einzelnen Wirkstoffe miteinander reagieren. Sie sagt, es könne sein, dass sie sich in ihrer Wirkung nicht nur addieren, sondern verstärken. Dies würde bedeuten, dass die jetzige Risikobewer- tung zu kurz greift und nachgebessert werden muss.Und so schreibt es ja auch die Landesregierung in ihrem Bericht (auf Seite 8): „Eine fachli- che Beurteilung von Mehrfachrückständen ist derzeit noch nicht möglich.“ Also ganz klar: Bei den Auswirkungen der Mehrfachbelastungen gibt es erhebliche Erkenntnisdefizite!Und je mehr man untersucht, desto mehr wird man fündig. Bereits jetzt umfasst das Unter- suchungsprogramm auf nationaler Ebene mehr als 800 verschiedene Wirkstoffe. Davon hat man bei Obst und Gemüse auch 321 tatsächlich nachgewiesen. Ich weiß nicht, wie viel verschiedene Vitamine es in Obst und Gemüse gibt, aber ich könnte mir vorstellen, dass es weniger als 300 sind.Schaut man sich jetzt einzelne Produktgruppen an, die besonders häufig Rückstände ent- halten, sind es laut dem Bericht: Äpfel, Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Trauben, Zitrusfrüchte, Blattsalate, frische Kräuter, Pfirsiche und Aprikosen. Bei dieser Produktgrup- pe weisen 90 Prozent der Proben Rückstände auf, zwei Drittel mit Mehrfachrückständen.Leider ist der Bericht an dieser Stelle etwas ungenau, denn es wurde nicht nach Herkünften differenziert. Ich würde mir wünschen, dass in zukünftigen Berichten, auch im Jahresbericht des Landeslabors, genauer dargestellt wird: Aus welchen Herkünften die belasteten Proben kommen, also ob Importware, wenn ja, aus welchem Land der EU, welchem Land außer- halb der EU, oder eben ob aus regionaler Erzeugung.Die Verbraucherzentrale gibt hier einige wichtigen Basishinweise zur Orientierung. Wichtige Hinweise, auf zum Teil unerwartete Belastungen, kommen immer wieder von Initiativen und Umweltverbänden. Zum Glück steckt sehr viel hochkarätiges Fachwissen zum Thema Pflanzenschutz in den Organisationen der Zivilgesellschaft.Konzerne des Lebensmitteleinzelhandels beginnen, um sich weitgehend frei von öffentli- chen Skandalen zu halten, bei ihren Lieferanten höhere - wie die gesetzlichen Grenzwerte - anzusetzen. Diese Sensibilität ist zu begrüßen. Es ist wichtiger denn je, dass öffentliche In- stitutionen und Forschungseinrichtungen finanziell gut ausgestattet werden. Sie brauchen unabhängiges Fachwissen und Fachkompetenz und müssen eigene Studien beauftragen können. 2 Das ist und bleibt bei der Risikobewertung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ent- scheidend. Das von der Landesregierung mit in Auftrag gegebene Gutachten zur Pflanzen- schutzsteuer ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Baustein. Sie kann helfen, um zu einer wirksamen Risikoorientierung im Pflanzenschutzeinsatz und vor allem zu einer effi- zienten Reduktion des Mitteleinsatzes und anderen Anbaustrategien zu kommen. *** 3