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Anette Röttger: TOP 52: Jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft
Jüdisches Leben | 28.01.2026 | Nr. 18/26Anette Röttger: TOP 52: Jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft Es gilt das gesprochene Wort!Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,liebe Kolleginnen und Kollegen,der 27. Januar erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz 1945. Erst 1996 und damit in diesem Jahr vor genau 30 Jahren wurde dieser Tag zum nationalen Gedenktag. Über 50 Jahre hat es gebraucht, um das Schweigen, die spürbare Schuld, die Sprach- und Fassungslosigkeit gegenüber den Gräueltaten aus dem wohl dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte mit einem Gedenktag zu versehen, an dem nicht nur die Flaggen auch hier am Landeshaus gestern auf Halbmast standen. Kranzniederlegungen an Mahnmalen und eindrucksvolle Gedenkveranstaltungen an den unterschiedlichsten Orten des Landes und die zentrale Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus gestern im Sophie-Scholl- Gymnasium in Itzehoe leisten wichtige und eindringliche Beiträge gegen das Vergessen. All das gibt dem Erinnern ein Gesicht und eine Stimme. Jüdisches Leben gehört sicher, sichtbar und selbstverständlich zu unserem Land. Und doch braucht es mehr als diese wichtigen Gedenktage.Ich danke unserer Bildungs- und Kulturminsterin Dr. Dorit Stenke für den vorgelegten Bericht. Der Bericht ist die Antwort auf den interfraktionellen Antrag aus dem November 2023. Nach den brutalen Überfällen, den Folterungen, den Ermordungen und Verschleppungen unschuldiger Zivilistinnen und Zivilisten durch die Terroristen der Hamas steht der 7. Oktober 2023 nicht nur für eine Zäsur Israels. Dieser Tag wirkt weltweit auf das Leben der Jüdinnen und Juden und hat ihr Sicherheitsempfinden tief erschüttert. Erst vor wenigen Tagen wurde die letzte Leiche der verschleppten Geiseln übergeben.Wir verurteilen Hetze und Aufrufe zu Gewalt gegen Jüdinnen und Juden auf das Schärfste. Es bleibt folgerichtig, dass wir hier aus dem Parlament klare Zeichen zum Wohle des jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein setzen.Die Sicherung der jüdischen Kultur in der Mitte unserer Gesellschaft sind nicht verhandelbare Grundprinzipien unseres politischen Handelns. Damit einher gehen der Schutz jüdischen Lebens, der Einsatz für ein lebendiges und vielfältiges Judentum sowie ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus. Seite 1/3 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de Was ist zu tun, damit wir diese Ziele erreichen? „Was hat das ganze Thema mit mir hier heute und in Zukunft zu tun?“ fragen sich viele junge Menschen.Erinnern heißt handeln und erinnern heißt in Bezug auf das jüdische Leben in unserem Land handeln im Sinne einer gemeinsamen gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.Der Bericht benennt in einem 10-Punkte-Plan die Umsetzung geeigneter Maßnahmen aus den Bereichen Bildung und Erinnerungskultur. Beides sind zentrale Elemente für unsere freiheitlich demokratischen Grundwerte, für ein gutes Miteinander und unverzichtbar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nur wenn wir voneinander wissen, können wir einander verstehen. Nur mit einer festen Haltung werden wir den Anfechtungen dieser Zeit standhaft begegnen können.Die jetzigen Schülerinnen und Schüler sind die letzten, die sich noch mit echten Zeitzeugen unterhalten können. Zukünftig braucht es neue und andere Bildungsformate, um sich der Thematik zu nähern. Ich freue mich über jede Schulklasse, in Itzehoe war es gestern der Wahlpflichtkurs Erinnerungskultur, die sich mit Fragen rund um die Geschichte von Jüdinnen und Juden befasst. Das ist in einer Zeit, in der offener Antisemitismus auch hier bei uns in erschreckender Weise zu Tage tritt, umso wichtiger. Es bleibt ein klarer Erziehungs- und Bildungsauftrag, den Schülerinnen und Schülern eine nachhaltig verankerte Werthaltung zu vermitteln, die sie befähigt, radikalen Positionen, Verhaltensweisen und Verschwörungstheorien entschlossen entgegenzutreten. Erinnerungskultur und Erinnerungsarbeit ist einer der wichtigsten Grundpfeiler unserer Gesellschaft.Dem Bericht können wir zahlreiche geeignete Maßnahmen entnehmen, die hier in Schleswig-Holstein für das jüdische Leben umgesetzt werden: Sei es an unseren allgemeinbildenden Schulen, an den berufsbildenden Schulen, an den Hochschulen, in der Lehreraus- und -fortbildung zusammen mit dem IQSH, in der Verzahnung von Schulen mit den Gedenkstätten und Erinnerungsorten. Sei es über den Runden Tisch Shalom und Moin, in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus oder in Zusammenarbeit mit dem Beauftragten für politische Bildung.Ob beim Besuch einer jüdischen Synagoge, beim Besuch im jüdischen Museum in Rendsburg, bei der Auseinandersetzung mit Familiengeschichten über die Stolperstein-App oder im Rahmen der Schulveranstaltung der Yad-Vashem- Berufsschule in Bad Oldesloe. Schleswig-Holstein hat dazu viel zu bieten.Antisemitismus ist nicht besiegt. Umso unverzichtbarer ist ein klares unmissverständliches Bekenntnis zur Demokratie und damit zu Einigkeit und Recht und Freiheit. Es geht um unsere Haltung, um unsere Werte, um einen respektvollen Umgang im Miteinander, um Toleranz und um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn ich an den Chanukka-Leuchter zurückdenke, der hier vor wenigen Wochen neben dem Friedenslicht von Bethlehem und neben dem geschmückten Tannenbaum erstrahlte, dann tut es immer noch gut. In dieser Zeit voller Veränderungen geben Feste und Rituale Orientierung. Wir sind Menschen. Schauen wir genau hin und seien Seite 2/3 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de wir nicht gleichgültig. Gemeinsam stehen wir vor Gott und den Menschen in einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung für ein friedliches Miteinander. Darauf kommt es jetzt an! Seite 3/3 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de