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Christopher Vogt zu TOP 7 "Schleswig-Holsteins Rolle in der Fusionsforschung"
28.01.2026 | EnergieChristopher Vogt zu TOP 7 "Schleswig-Holsteins Rolle in der Fusionsforschung" In seiner Rede zu TOP 7 (Mündlicher Bericht zu Schleswig-Holsteins Rolle in der Fusionsforschung) erklärt der Vorsitzende und energiepolitische Sprecher der FDP- Landtagsfraktion, Christopher Vogt: „Vielen Dank, Frau Ministerin! Wir hatten diesen Bericht beantragt, weil die Landesregierung am 31. Oktober 2025 – zusammen mit fünf weiteren Bundesländern – über die Gründung der Allianz für Fusionsforschung informiert hatte.‚Schleswig-Holstein ist ein Innovationsstandort, der die Energie der Zukunft mitgestaltet.‘ Mit diesem Satz wird Ministerin Dr. Stenke in der Pressemitteilung zitiert. Es ist ein Satz, der den Eindruck erweckt, die Landesregierung wolle bei der Fusionsforschung richtig was bewegen und eine gewisse Dynamik entfesseln. Das hat mir sehr gefallen, denn die Kernfusion könnte langfristig ein ‚Gamechanger‘ werden. Sie hat das Potenzial, den stark steigenden Strom- bzw. Energiebedarf zukünftig in sehr relevanter Form abzudecken – und dies sogar klimaneutral, grundlastfähig und bezahlbar. Was bei den Sternen bzw. der Sonne seit Ewigkeiten funktioniert, soll quasi technisch nachgeahmt werden. Durch die Verschmelzung von Atomkernen zu einem neuen, schwereren Kern könnte eine ganz neue Form der Energiegewinnung erreicht werden, die viele der heutigen Probleme in diesem Bereich löst. Anders als bei der Kernspaltung würden kaum Abfälle entstehen und es bestünde auch nicht die Gefahr einer unkontrollierbaren Kettenreaktion.Wenn Sie mich jetzt für einen Traumtänzer halten sollten, verweise ich Sie an den Herrn Bundeskanzler, der beim Nordsee-Gipfel Anfang dieser Woche die Windenergie zur Übergangstechnologie erklärt hat. Die Windenergie werde uns – so Kanzler Merz – ‚zehn Jahre, 20 Jahre, vielleicht 30 Jahre begleiten‘. Denn seine Hoffnung liege woanders: Deutschland soll dann ‚den ersten Fusionsreaktor der Welt ans Netz nehmen‘. Dann werde Strom so günstig, ‚dass es keine anderen Erzeugungsmethoden mehr brauche‘. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und ich sehe Ihre schwarz-grünen Pläne zum Windenergieausbau sehr kritisch, aber soweit wie der Kanzler würde ich dann doch nicht gehen wollen.Es ist aber nicht verwunderlich, dass die Grundlagenforschung im Bereich der Kernfusion in den vergangenen Jahren weltweit immer interessanter geworden ist. Die ehemalige Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger hatte Mitte 2024 mit dem Förderprogramm ‚Fusion 2040‘ dafür gesorgt, dass die moderne Fusionsforschung auch in Deutschland stattfindet. Ich finde es absolut richtig, dass die aktuelle Bundesregierung dies engagiert weiterführen will. Man sollte versuchen, die Chancen zu nutzen und vorne mit dabei sein. Bei der Kernfusion ist aber eben auch noch ein weiter Weg zu gehen. Sie ist noch weit davon entfernt, marktreif zu sein. Wer bei Fortschritt und Innovation aber mit Verweis auf einen noch längeren, anstrengenden Weg abwinkt und es wie Energieminister Goldschmidt als ‚teure Science-Fiction‘ abtut, der ist in einer gefährlichen Trägheit gefangen, die unseren Staat ehrlicherweise schon an viel zu vielen Stellen blockiert. Ideologische Verblendung und billige Polemik helfen uns nicht weiter. Wer einerseits von ‚teurer Science-Fiction‘ redet und andererseits glaubt, Deutschland könne seinen wachsenden Strombedarf kurzfristig allein mit erneuerbaren Energien decken und gleichzeitig führende Industrienation bleiben, ist auf dem Holzweg. Es wäre als Industrie- und Technologienation verrückt, bei der Kernfusion nicht ganz vorne mitspielen zu wollen – gerade auch, weil es hier mit dem XFEL eine – auch im weltweiten Vergleich – sehr wichtige Forschungseinrichtung gibt. Und es hat in den letzten Jahren eben auch vielversprechende Fortschritte in der Forschung gegeben. Im Haushalt beschränkt sich das Bildungsministerium beim XFEL auf die anteilige Finanzierung der Betriebskosten, die das Land laut Staatsvertrag beisteuern muss. Darüber hinausgehende Signale fehlen. Wir sollten stärker auf Fortschritt und Innovation setzen und auch dafür offen sein, dass ein Fusionskraftwerk bei uns in Schleswig-Holstein entstehen könnte. Der Umweltminister lehnt dies ab, während er es nicht schafft, die alten Kraftwerke abreißen zu lassen.Ich freue mich, dass die Ministerin heute klar gesagt hat, dass die Landesregierung die Fusionsforschung aktiv vorantreiben möchte. Neben der Bereitstellung der exzellenten Forschungsinfrastruktur des XFEL muss es aber auch konkrete Initiativen der Landesregierung geben. Der Beitritt Schleswig-Holsteins zur Fusionsallianz darf nicht ‚mehr Schein als Sein‘ sein.Lassen Sie mich zum Abschluss noch eines sagen: Ich finde es gut, wenn sich die Wissenschaftsminister mehrerer Länder zusammenschließen, um in solch wichtigen Feldern zusammenarbeiten. Anders geht es auch nicht. Interessant ist aber, dass in Bayern nicht nur der Wissenschaftsminister bei der Gründung der Allianz dabei war, sondern auch der Wirtschaftsminister. Diese Verknüpfung sollte auch bei uns viel selbstverständlicher werden: Wissenschaft und Wirtschaft sind keine zwei voneinander völlig getrennt zu behandelnde Welten. Sie gehören viel enger miteinander verflochten, als der ein oder andere dies vielleicht wahrhaben möchte. Und deshalb müssen auch in Schleswig-Holstein Wissenschaft und Wirtschaft endlich enger miteinander verknüpft werden, um den Technologietransfer tatsächlich steigern zu können. Gute Wissenschaftspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik.Ich drücke der Fusionsallianz die Daumen, dass hier wirklich etwas bewegt werden kann. Und ich hoffe, dass die Landesregierung dies nicht nur halbherzig, sondern mit voller Überzeugung unterstützt.“Sperrfrist Redebeginn!Es gilt das gesprochene Wort. Christopher Vogt Sprecher für Wissenschaft/Hochschule, EnergieKontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. PressesprecherinTel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.deFDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de