Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.
Landtagspräsidentin Kristina Herbst zum Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße vor 30 Jahren
Nr. 11 / 29. Januar 2026Landtagspräsidentin Kristina Herbst zum Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße vor 30 JahrenDer Schleswig-Holsteinische Landtag hat heute (Donnerstag) an den Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße vom 18. Januar 1996 erinnert. Landtagspräsidentin Kristina Herbst gedachte des Jahrestages mit einer Ansprache im Plenum. Hier die Rede im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort):„Ich bitte Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben.Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,der 18. Januar 1996 war ein Tag, der tiefe Spuren im Gedächtnis unseres Landes hinterlassen hat. An diesem Tag vor 30 Jahren verloren zehn Menschen in der Lübecker Hafenstraße ihr Leben bei einem heimtückischen Brandanschlag.Zehn Menschenleben wurden ausgelöscht – viele weitere Bewohnerinnen und Bewohner des in Brand gesteckten Hauses wurden verletzt.Die Opfer waren Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder. Menschen, die bei uns in Schleswig- Holstein Schutz gesucht hatten, die darauf gehofft hatten, hier in Frieden leben zu können.Stattdessen wurden sie Opfer eines Aktes brutaler Gewalt.Der 18. Januar 1996 steht bis heute für unermessliches Leid, für Trauer, für Schmerz – und für Fragen, die viele Angehörige und Überlebende bis heute begleiten. Es ist noch immer eine offene Wunde, dass Täter nicht ermittelt und nicht verurteilt worden sind.Unser Gedenken gilt heute den Toten. Es gilt ihren Familien, den Freundinnen und Freunden, den Überlebenden, die mit den Folgen dieses Verbrechens leben müssen. Ihnen gebührt unser Mitgefühl, Respekt und das ehrliche Bemühen um Erinnerung. Aber dieser Brandanschlag von Lübeck mahnt uns auch eindringlich für die Gegenwart und Zukunft. Er mahnt uns, wachsam zu sein gegenüber Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Hass.Er mahnt uns, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern jeden Tag verteidigt werden müssen – in Worten und in Taten, durch jede und jeden einzelnen von uns.Denn, meine Damen und Herren,was damals vor 30 Jahren in Lübeck geschah, kann wieder geschehen. Der Hass gegenüber Menschen anderer Herkunft, gegenüber Geflüchteten, ist nicht aus unserer Gesellschaft verschwunden.Ja, er ist sogar noch lauter, noch unverschämter geworden in einer Welt, in der soziale Netzwerke Hass und Gewalt noch befördern und sich menschenverachtende Ideen noch leichter und noch schneller verbreiten können.Meine Damen und Herren,Erinnerung ist immer auch Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft.Wenn wir heute hier im Schleswig-Holsteinischen Landtag gemeinsam innehalten, dann tun wir das auch, um ein klares Zeichen zu setzen:Hass, Gewalt und Ausgrenzung haben in unserem Land keinen Platz. Die Würde des Menschen – jedes Menschen! – ist unantastbar, ohne Einschränkung, ohne Relativierung.Als Parlament tragen wir eine besondere Verantwortung dafür, dass Hass und Gewalt unsere Gesellschaft nicht weiter spalten. Unsere Sprache, unsere Entscheidungen und unser Umgang miteinander prägen das gesellschaftliche Klima – die Menschen schauen auf uns. Und sie messen den Stand der Demokratie auch an uns, den gewählten Abgeordneten des Landtages.Lassen Sie uns dieser Verantwortung gerecht werden – im Andenken an die Opfer von Lübeck und im Bewusstsein dessen, was auf dem Spiel steht, unsere Demokratie mit allen ihren zentralen Werten, die uns ein Leben in Freiheit und Würde ermöglichen.Meine Damen und Herren,ich bitte Sie, für einen Moment des stillen Gedenkens an die Opfer des Brandanschlags vom 18. Januar 1996 innezuhalten.Ich danke Ihnen.“