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Hauke Hansen: TOP 6: Die Versorgung im Maßregelvollzug stetig weiterentwickeln
Psychotherapeutische Versorgung | 29.01.2026 | Nr. 30/26Hauke Hansen: TOP 6: Die Versorgung im Maßregelvollzug stetig weiterentwickeln Es gilt das gesprochene Wort!Sehr geehrte Frau Präsidentin,sehr geehrte Damen und Herren,mir ist es heute bei diesem wichtigen Thema ein Anliegen, mit einer grundlegenden Feststellung zu beginnen: Der weit überwiegende Teil der Menschen mit einer psychischen Erkrankung werden niemals zum Straftäter. Das ist kein Zufall oder pures Glück, psychische Erkrankungen unterscheiden sich deutlich voneinander, auch in den Folgen für die Patientinnen und Patienten und deren Verhaltensweisen.In unserer Gesellschaft werden Menschen mit psychischen Erkrankungen häufig stigmatisiert, meiner Meinung nach primär aus Unkenntnis - diese Menschen sind nicht gefährlich. Diese Menschen sind krank und sie brauchen unsere Unterstützung, einen Arzt und wir sollten mit diesen Menschen nicht anders umgehen als mit jeder anderen Mitbürgerin oder jedem anderen Mitbürger. Wenn wir das als Gesellschaft hinbekommen würden, hätten wir schon viel erreicht.Ich komme jetzt konkret zu den vorliegenden Anträgen:Ich freue mich sehr, dass wir in diesem hohen Haus eine große Einigkeit haben, dass Patientinnen und Patienten im Maßregelvollzug gut versorgt werden müssen. Allerdings unterscheidet sich offenbar die Auffassung, wie eine optimale Versorgung aussieht.Der psychotherapeutische Bedarf im Maßregelvollzug unterscheidet sich aus Sicht der CDU grundlegend von den Kriterien der Regelpsychotherapie. Wir brauchen hier eine andere Sensibilität. So können zum Beispiel viele Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer Erkrankung besonders in der Aufnahmephase im Maßregelvollzug keine längeren Gespräche führen. Es ist ihnen schlicht nicht möglich.Eine wirksame therapeutische Versorgung im Maßregelvollzug erfordert daher eine flexible Anpassung an die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten und nicht eine Behandlung nach Schema F. Die Patientinnen und Patienten bringen je nach Krankheitsbild, Belastbarkeit und Unterbringungssituation sehr unterschiedliche Voraussetzungen für Gespräche und Beziehungsarbeit mit. Während einige Seite 1/2 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de Patientinnen und Patienten längere psychotherapeutische Einzelgespräche wahrnehmen können, profitieren andere aufgrund eingeschränkter Konzentrationsfähigkeit stärker von kurzen, aber regelmäßigen Kontakten. Bereits alltägliche Kurzgespräche können hier zu therapeutischen Fortschritten beitragen. Eine wirksame Behandlung ist nicht allein an der Anzahl oder Länge der Einzelgespräche festzumachen.Einen wesentlichen Bestandteil bilden ergotherapeutische Maßnahmen. Besonders hervorzuheben ist die außerstationäre Ergotherapie, welche u.a. Tätigkeiten im Außen- und Gartenbereich sowie tiergestützte Therapien umfasst. Die tiergestützte Therapie nutzt die besondere, vorurteilsfreie Wirkung von Tieren auf Menschen. Der Umgang mit ihnen kann ein Gefühl von Bedeutung und Verantwortung vermitteln, das Selbstwertgefühl stärken und den emotionalen Zugang erleichtern. Vor diesem Hintergrund ist es wünschenswert, dieses Angebot stärker in den Fokus zu nehmen, da die ergotherapeutischen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung leisten und zugleich als Schutzfaktor dienen.Meine Damen und Herren, eine zentrale Herausforderung bleibt der Fachkräftemangel. Es ist wünschenswert therapeutische Einzelgespräche sicherzustellen, die sich am individuellen Bedarf der jeweiligen Patientinnen und Patienten orientieren. Allerdings kann kein Landtagsantrag die aktuell nicht besetzten Arztstellen in den Einrichtungen in Schleswig oder Neustadt herzaubern. Auch würden zusätzliche Arztstellen an der Besetzung nichts ändern: Wir spüren hier schlicht den Fachkräftemangel. Wir können auch keine Grippewellen oder Schwangerschaften per Landtagsbeschluss verbieten.Das Land und die Kliniken haben in den vergangenen Jahren bereits eine ganze Reihe an Maßnahmen umgesetzt, um die Versorgungssituation zu verbessern und es geht weiter: ich nenne hier zum Beispiel den aktuell anstehenden Abriss und Neubau von Haus 19 in Neustadt.Lassen sie uns gemeinsam weiterarbeiten. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Antrag. Seite 2/2 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de