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29.01.26 , 17:16 Uhr
SPD

Birte Pauls zu Top 12: Die Widerspruchslösung als Chance: Zukunft der Organspende gestalten

Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion
Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

LANDTAGSREDE – 29.Januar 2026
Birte Pauls Die Widerspruchslösung als Chance: Zukunft der Organspende gestalten TOP 12: Organspenden in Schleswig-Holstein – Bericht über die Einführung einer Widerspruchslösung (Drs. 20/3881)
Ich erinnere mich gut an eine Situation auf der Intensivstation, auf der ich tätig war. Es war ein warmer Sommertag und es wurde eine junge Frau eigeliefert, die in Schleswig mit ihrem Mann und zwei Kindern Urlaub machte.Sie hatte einen plötzlichen Herzstillstand aufgrund eines hohen Kaliumwertes.Wir konnten sie zwar reanimieren, sie erlitt aber einen Hirntod durch den anfänglichen Sauerstoffmangel.
Da sie bis dahin vollkommen gesund war, kam sie als Organspenderin infrage. Auch das routinierteste Intensivpersonal kommt da an seine Grenzen und es war für uns alle eine sehr belastende Situation. Ganz besonders aber natürlich für die Familie.Der völlig aufgelöste Ehemann willigte in die Organspende ein und zwar mit den Worten: „Es wird mein einziger Trost sein, dass ihr Tod etwas Gutes bewirken kann“.Die Organspende ist ein hochsensibles Thema. Deshalb ist es auch von höchster Bedeutung, dass das Recht jeder Person, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden, unverändert bleibt.Mit unserer augenblicklichen Lösung sind wir in Europa in der Minderheit. Die meisten Länder haben bereits eine Widerspruchslösung.Bislang braucht es in Deutschland eine aktive Handlung z.B. eines Organspenderausweises oder einer Patientenverfügung Wir wissen aber auch alle, dass sich sehr viele Menschen nicht mit dem Thema beschäftigen mögen. Wer will sich schon mit dem eigenen Tod auseinandersetzen? Je jünger, desto weniger ist der eigene Tod ein Thema. Gleichzeitig wären wir alle aber sehr froh, wenn ein Organ da wäre, wenn wir es dringend bräuchten. Die aktuellen Organspendezahlen zeigen den Handlungsbedarf: Im Jahr 2025 haben in Deutschland insgesamt 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet



1 Das sind 32 mehr als im Jahr 2024 und entspricht 11,8 Organspenderinnen und Organspendern pro Million Einwohner. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2012. Das ist gut, aber es reicht noch nicht aus. Denn gleichzeitig warteten Ende des vergangenen Jahres 8.199 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan. In den 43 deutschen Transplantationszentren wurden 2025 insgesamt 3.256 Organe nach postmortaler Spende aus Deutschland sowie aus dem Eurotransplant-Verbund transplantiert. Bundesweit konnten damit 3.150 schwerkranken Patientinnen und Patienten durch die Transplantation von ein oder mehrerer Organe eine bessere Lebensqualität oder überhaupt ein Weiterleben ermöglicht werden. Die mit dem Gesetzentwurf diskutierte Widerspruchslösung birgt weiterhin das Recht, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. Bloß, dass man automatisch Spender:in ist, wenn man nicht widerspricht. Ich finde das richtig. Die Erfahrungen aus den anderen Ländern zeigen die guten Möglichkeiten, die eine Widerspruchslösung mit sich bringen. Während in Deutschland 11,8 Organspender auf eine Million Einwohner kommen, sind es in Spanien 52,6 Organspender pro eine Million Einwohner. Ob es die Zahlen der Organtransplantationen sofort steigern wird, wird man so einfach nicht beantworten können. Dazu gehören neben ganz vielen Information und Transparenz auch gut ausgebildete Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern und eine soziale Begleitung trauernder Familien. Eine weitere Lücke zeigt u.a. Dr. Friedrich von Samson Himmelstjerna, Nephrologe im UKSH Kiel, mit seinen Kollegen in einem Gastbeitrag im Ärzteblatt vom November 24 auf, nämlich die große Lücke der Spendererkennung in den Klinken. Man kann in einem 5 Minutenbeitrag nicht all das formulieren, was sonst ganze Kongresse füllt. Aber eines möchte ich dennoch sagen: Holen Sie sich einen Organspendeausweis solange das neue Gesetz noch nicht verabschiedet ist und verzichten Sie später auf Ihre Widerspruchsmöglichkeit. Das stärkt unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und viele Menschen die auf entsprechenden Wartlisten stehen, werden es Ihnen danken!



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