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Nelly Waldeck zur Bedeutung negativer Emissionen
Presseinformation Nr. 26.031 30.01.2026Rede zu Protokoll gegeben!TOP 32 – Bedeutung negativer Emissionen und biogener Kohlenstoffketten Dazu sagt die klimapolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Nelly Waldeck:Negative Emissionen sind ein notwendiger Teil des Weges zur Klimaneutralität Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,Schleswig-Holstein will bis 2040 klimaneutral werden. Das ist richtig, das ist notwendig und das ist vor allem ein deutliches Bekenntnis, dass wir es ernst meinen mit dem Schutz unserer Lebensgrundlagen.Dafür müssen wir unsere Energie klimaneutral produzieren, Prozesse umstellen und Emissionen durch Effizienz vermeiden. Doch wir müssen auch ehrlich sein, selbst wenn wir alles tun, was technisch möglich ist, werden nach heutigem Stand Restemissionen bleiben. In der Landwirtschaft oder in bestimmten Industrieprozessen beispielsweise. Wir müssen uns zusätzlich mit der Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre befassen – mit sogenannten negativen Emissionen.Genau über diese Restemissionen wollen wir heute sprechen. Und was erst einmal total innovativ und technisch klingt, ist in aller erster Linie ziemlich simpel: Dabei geht es um Mooraufwuchs, Aufforstung, eben um natürliche Klimaschutzmaßnahmen.Die Wiedervernässung von Mooren ist dafür das beste Beispiel. Intakte Moore speichern über Jahrtausende hinweg Kohlenstoff, schützen die Biodiversität und stabilisieren unseren Wasserhaushalt.Aber zur Anerkennung der Realität gehört auch, dass selbst wenn wir nun alle Möglichkeiten ergreifen, aufzuforsten und Moore zu vernässen, der Zeitpunkt, bis wir tatsächlich nicht nur keine Emissionen ausstoßen, sondern negative erzeugen, noch wirklich weit hin ist. Deshalb müssen wir uns ansehen, wie wir noch negative Emissionen kreieren können.Ich schildere ein Beispiel: Pflanzen ziehen in der Wachstumsphase CO2 aus der Luft. Die Reststoffe der Pflanzen werden in einer Biogasanlage genutzt, um Strom und Wärme zu produzieren. Dort wird das CO2 größtenteils aufgefangen und abgeschieden. Und dieses abgeschiedene CO2 kann dann in anderen industriellen Prozessen genutzt werden, beispielsweise kann aus dem CO2 zusammen mit Wasserstoff aus grünem Strom von Industriefirmen wie Covestro in Brunsbüttel Plastik hergestellt werden. Wenn dieses Plastik danach nicht gerade zu Einmalplastik verarbeitet und schnell wieder verbrannt wird, sondern langlebig verwendet und danach recycelt wird, wird CO2 gebunden.Verfahren wie diese werden als biogene Kohlenstoffwirtschaft bezeichnet und auch in Schleswig-Holstein gibt es erste solcher Beispiele.Und diese haben Potential, wie wir in Dänemark bereits richtig gut sehen können. Hierzulande gibt es allerdings noch recht unklare Marktbedingungen, negative Emissionen werden nicht zertifiziert und der Prozess ist noch nicht marktfähig. Wir wollen mit unserem Antrag erste Schritte in diese Richtung gehen und mit den bestehenden Akteuren diskutieren, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, um mehr Akteure für das Feld zu gewinnen und einen Markt in Schleswig-Holstein zu etablieren.Wichtig ist, dass diese Verfahren wirklich sinnvoll und effizient sind. Dafür gibt es einige Bedingungen. Beispielsweise, dass nicht extra Pflanzenanbau betrieben wird, sondern Reststoffe genutzt werden. Und auch bei der Weiterverwendung des CO2 ist relevant, ob das CO2 am Ende langfristig gebunden wird oder kurz danach wieder ausgestoßen.Damit das gelingt, braucht es Wissenstransfer. Die Einbindung des Kompetenzzentrums klimaeffiziente Landwirtschaft ist deshalb besonders wichtig. Wenn aus negativen Emissionen wirtschaftliche Geschäftsmodelle entstehen sollen, dann braucht es klare Regeln. CO₂-Bindung muss verlässlich und einheitlich bilanziert werden.Wir wollen deshalb im Ausschuss diskutieren, wie eine gelungene Bilanzierung aussehen kann, wie Pilotprojekte gut unterstützt werden können und welche Rahmenbedingungen es bundes- und unionspolitisch braucht. Negative Emissionen sind kein Ersatz für konsequente Emissionsminderung, aber sie sind ein notwendiger Teil des Weges zur Klimaneutralität. Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu diesem Antrag.Vielen Dank.***Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 KielT 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de