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80. Jahrestag des ersten Zusammentretens des Schleswig-Holsteinischen Landtages
Nr. 18 / 26. Februar 202680. Jahrestag des ersten Zusammentretens des Schleswig- Holsteinischen LandtagesLandtagsvizepräsidentin Eka von Kalben hat heute (Donnerstag) in einer Ansprache zu Beginn der Plenartagung an den 80. Jahrestag des ersten Zusammentretens des Schleswig- Holsteinischen Landtages erinnert.Hier die Rede im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort):„Liebe Kolleginnen und Kollegen,bevor wir in die Tagesordnung eintreten, wollen wir uns gemeinsam an einen wichtigen Tag in der Geschichte dieses Hauses und der Demokratie in Schleswig-Holstein erinnern.Heute vor genau 80 Jahren, am 26. Februar 1946, traten die Mitglieder des ersten Schleswig- Holsteinischen Landtages zu ihrer ersten Sitzung zusammen.Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Umstände, unter denen dieser Landtag im heutigen Kieler Schauspielhaus in der Holtenauer Straße tagte, könnten von unserer Gegenwart kaum unterschiedlicher sein:Seine Abgeordneten waren nicht gewählt, sondern ein Dreivierteljahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der britischen Besatzungsmacht ernannt worden. So war die erste Landtagssitzung geprägt vom „Union Jack“ über dem Landeswappen, von getrennten Zugängen für Briten und Deutsche und von einem Podium, auf dem neben sechs hohen britischen Offizieren als einzigem deutschen Vertreter der Oberpräsident und spätere erste Ministerpräsident Theodor Steltzer saß.Gesetze konnte der Landtag noch nicht erlassen, und in allen wichtigen Fragen lag die endgültige Entscheidung bei der britischen Militärregierung. Und schließlich war Schleswig-Holstein formal gesehen noch nicht einmal ein eigenes Land, sondern eine preußische Provinz.Und doch können uns die Frauen und Männer, die in dieser ersten parlamentarischen Stunde für unser Land aktiv wurden, bis heute als Vorbilder dienen. Sie – die in ihrer Mehrzahl dem NS- Regime ablehnend bis offen widerständig begegnet waren – ließen sich nun in die Pflicht nehmen, am Aufbau einer neuen Demokratie mitzuarbeiten.Und das unter unfassbar schwierigen Umständen: In der unmittelbaren Nachkriegszeit mussten fast eine Million Flüchtlinge aus den Ostgebieten in Schleswig-Holstein untergebracht und versorgt werden – in einem Land, dessen Industrie zerstört war, das kaum Rohstoffe besaß und sich nicht selbst ernähren konnte.So prägten die verzweifelte Verwaltung des Mangels, der Kampf gegen den Hunger, die Wohnungslosigkeit und die Kälte strenger Winter die parlamentarische Arbeit der ersten Nachkriegsjahre. Sie war auch geprägt von gesellschaftlichen Spaltungen – zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen, zwischen denen, die dem Alten nachweinten, und denen, die sich auf den Weg der Demokratie machten.Liebe Kolleginnen und Kollegen, von Anfang an prägte dieses Haus ein starkes parlamentarisches Selbstbewusstsein. Angesichts der Erfahrungen des Scheiterns der Weimarer Republik und der NS-Diktatur stritten die Abgeordneten parteiübergreifend für eine starke Rolle des Landtages gegenüber der Landesregierung – und sie scheuten auch den Konflikt mit der Besatzungsmacht nicht.Der erste Landtagspräsident Paul Husfeldt brachte diese demokratische Entschlossenheit in seiner Antrittsrede auf den Punkt. Unter „Bravo“-Rufen aus dem Plenum erklärte er:„Wenn so viele Menschen für eine falsche Idee in den Tod gehen mussten, warum sollten wir uns davor fürchten, für die Sache der Gerechtigkeit unseren Kopf hinzuhalten?“Dieses Zitat zeigt, wie stark angefeindet die Parlamentarier in dieser Zeit noch waren.Meine Damen und Herren, am 17. Juni werden wir in einer Festveranstaltung an das 80-jährige Jubiläum des Landtages, der ersten Landesverfassung und der Gründung des Landes Schleswig-Holstein erinnern.Lassen Sie uns heute das Andenken der Abgeordneten des ersten Schleswig-Holsteinischen Landtages würdigen, indem wir mit unserer Arbeit fortfahren: selbstbewusst und ohne Angst vor Streit, wo er der Sache dient, und genauso ohne falsche Scheu vor Übereinstimmung, wo immer sie sich ergibt – für die Menschen in Schleswig-Holstein, die wir vertreten. Für unsere Demokratie.Vielen Dank!“