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Beate Raudies zu Top 22: Familienförderung muss zu den Lebenswirklichkeiten im 21. Jahrhundert passen
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 26. Februar 2026Beate Raudies Familienförderung muss zu den Lebenswirklichkeiten im 21. Jahrhundert passen TOP 22 Die Einkommensteuer moderner und familienfreundlicher gestalten: Einführung eines gerechten Familiensplittings: (Drs. 20/4102)Am Montag war ich zu Gast beim Schülerzeitungswettbewerb. Dort habe ich Levke aus der Kaland-Schule in Lübeck kennengelernt. Für ihre Schülerzeitung hatte Levke einen Artikel über Frauenrechte geschrieben. Und der geht so: „Falls ihr denkt, dass Mädchen und Jungs, also Frauen und Männer, in Deutschland schon immer die gleichen Rechte hatten und dasselbe tun und lassen durften, liegt ihr falsch. Zum Glück ist das heute anders, aber leider nicht überall auf der Welt.“ Und leider auch nicht überall in Deutschland. Zum Beispiel beim Thema Entgeltgleichheit. Morgen ist Equal Pay Day. Der Tag, der auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam macht. Wir sind in Deutschland vorangekommen bei der Entgeltgleichheit - vor 10 Jahren lag der Equal Pay Day noch am 16. März. Aber 2025 verdienten Frauen in Deutschland immer noch 15,6 Prozent weniger als Männer – wie schon 2024. Damit liegt Deutschland weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt von zwölf Prozentpunkten. Vor allem darf der schrumpfende Lohnabstand nicht darüber hinwegtäuschen, dass drei Viertel der Männer, aber nur knapp die Hälfte aller abhängig beschäftigten Frauen die eigene Existenz langfristig aus eigenem Erwerbseinkommen sichern kann. Und ein langfristig existenzsicherndes Erwerbseinkommen für sich selbst und zusätzlich noch ein Kind zu erzielen, gelingt sogar nur rund einem Drittel. Einer der Gründe dafür ist das Ehegattensplitting. Das Ehegattensplitting stammt aus dem Jahr 1958 - und damit aus einer komplett anderen Zeit. In den 1950er Jahren war das traditionelle Alleinverdienermodell das Ideal. Der Ehemann war gegenüber der Ehefrau deutlich bessergestellt. Frauen durften ohne Zustimmung des Ehemannes weder arbeiten noch ein Konto eröffnen. 1 Auch, wenn sich im Familienrecht seitdem viel geändert hat: Das Ehegattensplitting gilt unverändert. Und das ist ein Problem! Denn das Ehegattensplitting setzt Fehlanreize, indem es die Ehepartner:innen mit dem geringeren Einkommen – in der Mehrzahl Frauen – steuerlich benachteiligt und somit eigenständige Existenzsicherung, Altersversorgung und Vermögensaufbau erschwert. So stellte eine Studie des ifo-Instituts fest, dass das Erwerbseinkommen von Frauen nach der Eheschließung im Schnitt um 20 Prozent sinkt, während bei Männern das Einkommen stabil bleibt. Zudem diskriminiert es Frauen, da sie deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten und im Durchschnitt ein geringeres Einkommen haben als Männer. Benachteiligt werden zudem Alleinerziehende, was ebenfalls deutlich häufiger Frauen betrifft. Die strukturellen Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern werden damit zementiert. Die Lebenswirklichkeit von Familien hat sich in den letzten 70 Jahren grundlegend verändert: Heute sind vielfältige Familienformen unabhängig vom Familienstand weit verbreitet. In den meisten Familien wollen beide Partner:innen gleichberechtigt berufstätig sein oder müssen es sogar. Obwohl das Ehegattensplitting seinerzeit als Familienförderung erfunden wurde, werden Kinder nur unzureichend berücksichtigt. Unverheiratete Paare mit Kindern sind gegenüber verheirateten steuerlich im Nachteil – obwohl sie genauso füreinander Verantwortung übernehmen. Ein modernes Familiensplitting stellt daher Kinder in den Mittelpunkt der steuerlichen Förderung. Es trägt zur Chancengerechtigkeit bei, stärkt Familien unabhängig vom Trauschein und unterstützt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Gleichstellung. Es ist Zeit für einen Systemwechsel. Wir schlagen ein modernes und gerechtes Familiensplitting vor, bei dem durch jedes Kind unabhängig vom Familienstand der Eltern die Steuerlast sinkt. Damit stärken wir Familien unabhängig vom Trauschein, insbesondere Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen. Ganz nebenbei bauen wir damit insbesondere für Frauen nachteilige Erwerbsanreize ab. Es ist an der Zeit, diesen letzten Zopf des Patriarchats abzuschneiden. Damit Levke aus der Kaland-Schule nicht später feststellen muss, dass es auch in Deutschland mit der Gleichberechtigung immer noch hapert… 2