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Birte Pauls zu Top 36: Junge Menschen vor dem digitalen Schönheitswahn schützen
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 26.Februar 2026Birte Pauls Junge Menschen vor dem digitalen Schönheitswahn schützen TOP 36: Bericht zu Essstörungen in Schleswig-Holstein (Drs. 20/3651, 20/4037)Du bist gut, wie du bist! Wie schön wäre es, wenn jedes Kind diesen Satz jeden Morgen zu hören bekommen würde. Vielleicht wären die Kinder und Jugendlichen resilienter wenn Mobbing in der Schule den Alltag bestimmt. Oder wenn die Schönheitsideale, die auf den Social-Media-Kanälen kursieren, und das vermeintlich „Schöne“ immer nur mit schlanken perfekten Körpern einhergehen. Die Zahlen, die uns der Bericht liefert, sind erschreckend. In Schleswig-Holstein erkranken im Durchschnitt mehr Menschen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner an Essstörungen als deutschlandweit. Die Covid-19-Pandemie ist eben doch nicht spurlos an unseren Kindern vorbeigegangen, wie der Anstieg der Essstörungen in den Jahren 2020 und 2021 deutlich zeigt. Die Anzahl der Behandlungen von 10- bis 17-jährigen Frauen haben sich in den letzten 20 Jahren auf 6.000 im Jahr 2023 verdoppelt Und das sind nur die Behandlungszahlen. Wahrscheinlich liegt die Dunkelziffer darüber. Wenn laut einer Studie 60% der deutschen Kinder und Jugendlichen im Alter von 8 bis 18 Jahren angeben, dass sie zumindest teilweise unzufrieden mit ihrem Körperbild sind, dann läuft hier ganz gewaltig etwas schief. Meist sind es die Mädchen, die eine höhere Unzufriedenheit zeigen. Sie haben häufiger den Wunsch, schlanker zu sein. Laut Bericht sind es häufiger die Mädchen und jungen Frauen, die von einer anerkannten Essstörung betroffen sind mit all den zusätzlichen Belastungen, die damit verbunden sind. Das ergab bereits die Antwort auf unsere große Anfrage zum Thema Frauengesundheit. (Drucksache 20/1638). Wie schlimm muss es für die betroffenen Mädchen sein, wenn sich alles immer nur ums Essen, bzw. ums nicht-Essen dreht. Wenn jede Kalorie gezählt wird, wenn jegliche Unbekümmertheit, die eine Jugend eigentlich ausmachen sollte, sich in maximale Kontrolle umdreht. Was für eine ungeheure Belastung muss das auch für die Familie sein, wenn man nur danebenstehen kann und hilflos zusehen muss, wie sich das eigene Kind zu Tode hungert. 1 Denn von den Essstörungen ist die Magersucht die psychische Erkrankung mit der höchsten Todesrate und deutlich erhöhtem Sterberisiko. Die Betroffenen brauchen Hilfe und ihre Familien auch. Die vielseitigen Angebote finden sich zwar im Bericht wieder, ich frage mich aber, ob sie für die Betroffenen auch immer zu finden und vor allem zur Verfügung stehen. Die Beratungszahlen steigen, aber die Stunden in den Beratungsstellen, steigen nicht im gleichen Maße mit. Die Überrollung der Fördermittel durch die Koalition hat eine faktische Kürzung der Beratungsstunden zufolge. Steigende Kosten und höhere Tarifabschlüsse wurden dieses Jahr nicht berücksichtigt. Lange Wartezeiten für die eigentliche Behandlung nach einer Ersteinschätzung bei Psychologen oder Psychotherapeuten sind ebenfalls bekannt. Hier muss gegengesteuert werden. Nächsten Montag findet eine Anhörung zum Thema Social-Media-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen statt. Wir wissen, dass die Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche enorm ist. Wie wollen wir also in Zukunft damit umgehen? Die Vorschläge der SPD liegen auf dem Tisch. Wir wollen eine altersgerechte Einschränkung der Nutzung und vor allem müssen die Konzerne ihre Hausaufgaben machen. Aber auch Menschen über 16 Jahre sind für die Inhalte empfänglich. Deshalb braucht es einen guten Ausbau von Medienkompetenz. Damit fängt man bestenfalls in der Schule an, aber auch später muss man sich damit auseinandersetzen. Wenn sich 57,2% der Eltern von Kindergartenkinder und 72,6% der Eltern der über 12- jährigen nicht an die empfohlene Bildschirmzeit halten, dann ist klar in welche Richtung das läuft. Auch die eigene Gesundheitskompetenz hat laut Bericht einen wichtigen Einfluss für die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten. Deshalb haben wir die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften vorgeschlagen, die an Schulen diese Gesundheitskompetenz von Kindern stärken soll, aber eben auch Auffälligkeiten und Krankheitssymptome frühzeitig erkennen kann. Und genau diesen präventiven Ansatz haben CDU und Grüne vor zwei Wochen abgelehnt. Wie gesagt, ich bedanke mich für den Bericht. So ein Bericht dürfte allerdings nicht nur eine Drucksachennummer bleiben. Er sollte Auftrag für die Landesregierung sein, die selbst beschriebenen Missstände und Lücken anzupacken. Leider erkenne ich bei der Günther-Regierung keinerlei Motivation dafür, unsere Kinder stark für ihre eigene Zukunft zu machen. 2