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Martin Balasus: TOP 24: Überforderung vermeiden, Selbstvertrauen stärken
Schulartempfehlung | 26.02.2026 | Nr. 67/26Martin Balasus: TOP 24: Überforderung vermeiden, Selbstvertrauen stärken Es gilt das gesprochene Wort!Sehr geehrte Damen und Herren,Stellen Sie sich ein Kind in der vierten Klasse vor – neugierig, wissbegierig, voller Vorfreude auf die neue Schule. Die Eltern wünschen sich natürlich das Beste und entscheiden sich für das Gymnasium. Doch schon nach wenigen Wochen wird deutlich: Das Tempo ist hoch, die Anforderungen sind anspruchsvoll, die ersten Klassenarbeiten fallen enttäuschend aus. Aus anfänglicher Begeisterung wird Unsicherheit, aus Unsicherheit wird Frust. Und irgendwann verliert dieses Kind den Spaß am Lernen. Als Lehrer habe ich das mehrfach miterlebt.Meine Damen und Herren,genau das müssen wir verhindern!Im Sinne des Wohles der Kinder muss gelten: Jedes Kind sollte möglichst an der Schule lernen, an der es gemäß seiner Fähigkeiten, Begabungen und Leistungsfähigkeit am besten aufgehoben ist.Nicht Wunschdenken darf leitend sein, sondern eine realistische und pädagogisch fundierte Einschätzung.Zum Schuljahresbeginn 2025/26 wechselten in Schleswig-Holstein 46,6 Pozent der Viertklässler auf ein Gymnasium, rund 35 Prozent auf eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe und 18,5 Prozent auf eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Fast die Hälfte der Kinder strebt also mittlerweile direkt ans Gymnasium – vor 30 Jahren war es noch etwa ein Drittel.Der Antrag der FDP greift also eine sehr berechtigte Frage auf: Wie gestalten wir einen verantwortungsvollen Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule?In der Jamaika-Koalition haben wir die schriftliche Schulartempfehlung wieder eingeführt. Eltern haben mit Hilfe des professionellen Blicks der Lehrkräfte eine bessere Grundlage, die Leistungen und Möglichkeiten ihrer Kinder realistisch zu beurteilen. Seite 1/2 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de Dennoch bleibt derzeit am Ende der Elternwille entscheidend. Nach wie vor gibt es immer wieder Fälle von Überforderung und in der Folge Schulartwechsel. Das ist für die betroffenen Kinder häufig mit Enttäuschung und manchmal auch dem Gefühl des Scheiterns verbunden.Ich halte es deshalb für legitim, über stärkere Steuerungsinstrumente nachzudenken. Ein Blick nach Baden-Württemberg zeigt, dass auch andere Länder jüngst den Weg einer Stärkung der fachlich-pädagogischen Perspektive eingeschlagen haben. Dort existiert ein Verfahren, das neben der Grundschulempfehlung die Möglichkeit eines Potenzialtests vorsieht, wenn Eltern und Schule zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.Kinder, die keine gymnasiale Empfehlung erhalten, können über diesen Test nachweisen, dass sie dem Anforderungsniveau des Gymnasiums gewachsen sind.Dieses Verfahren ist sicher kein Allheilmittel – aber es ist ein strukturierter Ansatz, Eignung transparenter zu prüfen. Ein solches Modell sollte man nicht vorschnell bewerten, sondern sorgfältig analysieren.Welche Effekte hat es auf die Leistungsentwicklung? Wie wirkt es sich auf Motivation und Selbstvertrauen aus? Und trägt es dazu bei, unnötige Überforderung zu vermeiden? Diese Fragen verdienen eine sachliche Prüfung. Ich sage es ganz deutlich: Es geht mir nicht um Abschottung oder Selektion. Es geht um Passgenauigkeit! Wer dauerhaft überfordert ist, verliert Motivation. Wer hingegen an einer Schule lernt, die zu den eigenen Stärken passt, kann Selbstvertrauen entwickeln und Erfolg erleben. Das ist gelebte Bildungsgerechtigkeit.Meine Damen und Herren,innerhalb der Koalition gibt es zu diesem Thema unterschiedliche Akzentsetzungen und im Koalitionsvertrag findet sich hierzu keine gemeinsame Vereinbarung. Deshalb werden die Koalitionsfraktionen von CDU und Grünen diesen Antrag am Ende ablehnen.Das bedeutet jedoch nicht, dass wir die zugrunde liegende Fragestellung für erledigt erklären. Im Gegenteil: Wir sollten weiter offen darüber diskutieren, wie wir den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule so gestalten, dass er dem Kindeswohl bestmöglich dient. Dazu gehört auch, Erfahrungen – etwa aus Baden-Württemberg – nüchtern auszuwerten.Bildungspolitik ist dann verantwortungsvoll, wenn sie Überforderung vermeidet und Potenziale stärkt. Daran sollten wir gemeinsam weiterarbeiten.Vielen Dank. Seite 2/2 Pressesprecher Steven Nowak | Düsternbrooker Weg 70, Landeshaus, 24105 Kiel 0431/988-1440 | info@cdu.ltsh.de | http://www.cdu.ltsh.de