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26.02.26 , 17:50 Uhr
B 90/Grüne

Malte Krüger zu einer Eignungsprüfung bei fehlender Gymnasialempfehlung

Presseinformation Nr. 26.060 26.02.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 24 – Für eine Eignungsprüfung bei fehlender Gymnasialempfehlung
Dazu sagt der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,
Malte Krüger:
Die Perspektive von Grundschüler*innen sollte uns bei diesem Thema leiten Sehr geehrte Frau Präsidentin,
der sprechende Hut von Hogwarts ist ein magischer Hut. Er kann in das Innerste der Seele schauen. Wer ihn aufsetzt, der sieht zwar nichts, dafür sieht der Hut einen umso besser. In Harry Potter weist der Hut die Schüler*innen in der fünften Klasse von Hogwarts einem der vier gleichberechtigten Häuser zu. Der Hut kann sich nicht vertun. Der Hut ist mehr oder weniger eine Kristallkugel. Der kann das Entwicklungspotenzial von 11-Jährigen sehen.
In Deutschland haben wir leider keinen sprechenden Hut. Wir haben auch keine Kristallkugel. Aber auch bei uns gibt es bei 10 bis 11-Jährigen eine entscheidende Wahl. Zu meiner Schulzeit wurde von der Klassenlehrerin die Entscheidung getroffen, ob man in die Haupt- oder Realschule oder ans Gymnasium kommt! Damit wurde über viele Jahrzehnte ein Karriereweg für junge Menschen vorherbestimmt. Ich kann mich noch sehr genau an meine Enttäuschung erinnern, als meine besten Freunde auf das Gymnasium gehen durften und ich als einziger Schüler von der Grundschule Wewelsfleth auf die Fortuna Realschule Glückstadt gekommen bin. Gruppen und Freundschaften werden oft auseinandergerissen.
Das dreigliedrige Schulsystem ist inzwischen lange Geschichte, aber erst an diesem Montag hat mir an einer Schule in Itzehoe eine Lehrerin erzählt, dass dreigliedrige Schulsystem wäre ja viel besser und gerechter gewesen. Das halten wir Grüne für falsch und ich kann Ihnen ein wasserdichtes Versprechen geben: Wir werden niemals auch nur einen Schritt in diese Richtung zurück gehen!
Inzwischen haben wir das zweigliedrige Schulsystem. Bei uns wird eine Empfehlung für die Gemeinschaftsschule oder das Gymnasium vergeben. Diese Empfehlung ist nicht verbindlich und viele Eltern schicken ihr Kind auf das Gymnasium. An den Gymnasien kann dies zu Enttäuschungen führen, weil die Schulform nicht zu den Schüler*innen passt. Das kann aber genauso gut bei Schüler*innen passieren, die eine Gymnasialempfehlung haben. Selbst die Empfehlung der Grundschullehrkräfte kann keine 100-pozentig korrekte Vorhersage über den Bildungserfolg von Schüler*innen treffen. Lehrkräfte können viel, sind aber keine magischen Hüte, die alle Aspekte der Entwicklung von Schüler*innen vorhersagen können. Meine Klassenlehrerin auf der Grundschule hat mir eine Realschulempfehlung gegeben und hat sicherlich nicht damit gerechnet, dass ich mal studieren werde.
Die FDP will nun verbindliche Tests für Schüler*innen einführen, die aufs Gymnasium gehen ohne Empfehlung aus der Grundschule. Ein Test soll es richten. Wie lang dieser Test sein soll, ist unklar. Wie Sozialkompetenz getestet werden soll, unklar, wie sich Schüler*innen gleichberechtigt auf diesen Test vorbereiten können, ist unklar. Klar ist: Ein solcher Test wäre die nächste Manifestation von Bildungsungerechtigkeit in Deutschland. Ein Test kann nur sehr bedingt eine Aussage zu den Entwicklungschancen von Kindern treffen. Er ist situationsabhängig. Hat das Kind einen guten Tag, kann es dem immensen sozialen Druck standhalten oder eben nicht?
Ich habe mir als 11-Jähriger oft gewünscht, dass es einen Sprechenden Hut gäbe. Bei Harry Potter berücksichtigt der Sprechende Hut übrigens den Wunsch von Harry ins Haus Gryffindor sortiert zu werden. Der Vorschlag der FDP berücksichtigt an keiner einzigen Stelle den Wunsch der Kinder. Wir Grüne wollen, dass der Wunsch der Kinder bei der Schulwahl berücksichtigt wird. Jedes Kind, soll die Schule finden, die zu ihm oder ihr passt. Leistung und gute Noten alleine sind schlechte Kriterien für den Schulerfolg von Schüler*innen. Auch der Antrag der SPD berücksichtigt nicht wirklich die Sichtweise von Schüler*innen! Sie sprechen von „Gruppen“, aber ob damit Schüler*innen mitgemeint sind oder nicht, da brauche ich wieder eine Kristallkugel, um das herauszufinden.
Sehr geehrte Damen und Herren, wir brauchen keinen sprechenden Hut und wir brauchen auch keine verpflichtenden Tests. Was wir eigentlich bräuchten, wäre eine Debatte über längeres gemeinsames Lernen über die fünfte Klasse hinaus. Ich weiß, dass der SSW da ähnlich denkt und dafür bin ich sehr dankbar! Diese Debatte würde sich vielmehr an dem Interesse von Schüler*innen orientieren, als eine zusätzliche Belastung durch Tests. Die Perspektive von Grundschüler*innen sollte uns bei diesem Thema leiten!
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
***
Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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