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27.02.26 , 11:54 Uhr
SPD

Sophia Schiebe zu Top 25: Schule muss ein sicherer Ort für alle sein!

Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion
Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!

Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek

LANDTAGSREDE – 27.Februar 2026
Sophia Schiebe Schule muss ein sicherer Ort für alle sein! TOP 25:Sensibilität für queere Vielfalt an Schule fördern (Drs. 20/4106)
Es gibt junge Menschen in unserem Land, die jeden Morgen mit einem Kloß im Hals zur Schule gehen. Nicht, weil sie eine Mathearbeit fürchten. Sondern weil sie nicht wissen, ob ihr Name respektiert wird. Ob sie auf der Toilette angefeindet werden. Ob wieder jemand „nur einen Spaß“ macht und das auf ihre Kosten. Schule muss ein sicherer Ort sein. Für alle. Ohne Ausnahme. Manche von ihnen haben lange gebraucht, um sich selbst zu verstehen. Manche haben großen Mut aufgebracht, um zu sagen, wer sie sind. Und dann stehen sie im Klassenraum und erleben, dass genau diese Offenheit zur Angriffsfläche wird. Schule ist ein Schutzraum. So sollte es jedenfalls sein. Ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche lernen, wachsen, sich ausprobieren dürfen. Ein Ort, an dem sie erfahren: Ich bin richtig, so wie ich bin. Wenn dieser Ort für queere Jugendliche zum Ort der Verunsicherung, der Ausgrenzung oder gar der Angst wird, dann dürfen wir das nicht achselzuckend hinnehmen. Das dürfen wir einfach nicht akzeptieren. Die Zahlen sind eindeutig. Die gemeldeten Straftaten gegen queere Menschen nehmen bundesweit zu, die Dunkelziffer ist hoch. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch. Eine Schülerin, die ihre Freundin nicht mehr selbstverständlich mit einem Kuss verabschiedet. Ein Jugendlicher, der jeden Tag abwägt, ob eine Korrektur des Namens die Situation verschärft. Die Diskriminierungen beginnen im Klassenraum, auf dem Pausenhof, in der Sprache, die wir wählen oder nicht wählen dürfen. Und genau dort tragen wir Verantwortung. In Schleswig-Holstein wird geschlechtergerechte Sprache im Schulkontext faktisch als Fehler gewertet. Wer „Schüler:innen“ schreibt. Wer ein Sternchen nutzt. Wer inklusive Sprache verwendet, um auch nichtbinäre oder trans* Jugendliche sichtbar zu machen, riskiert Punktabzüge. Das bedeutet: Das Bemühen, niemanden auszuschließen, wird selbst zum Regelverstoß erklärt. Und das ist ein falsches Signal, liebe Kolleg*innen. Sprache entwickelt sich ständig weiter. Neue Begriffe aus Digitalisierung, Wissenschaft und Gesellschaft finden selbstverständlich ihren Weg in den Unterricht und in unsere Schulbücher. Niemand stellt das infrage. Sprache verändert sich mit der Wirklichkeit und das ist gut so.

1 Aber wenn es darum geht, geschlechtliche Vielfalt sichtbar zu machen, wird plötzlich auf Stillstand gepocht. Als müsse Sprache konserviert werden wie ein Museumsstück. Wenn junge Menschen Respekt sprachlich sichtbar machen, wird genau das sanktioniert. Dabei fordern wir von ihnen täglich, Vielfalt zu achten, Diskriminierung zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen. Wer also einen Doppelpunkt setzt, um alle mitzudenken, darf dafür keinen Punktabzug bekommen. Wer versucht, niemanden auszuschließen, darf dafür nicht sanktioniert werden. Respekt darf in unseren Schulen kein Fehler sein. Ein weiterer Kernpunkt unseres Antrags betrifft den sogenannten dgti- Ergänzungsausweis. Dieser wird von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität herausgegeben und ermöglicht es trans* und nichtbinären Menschen, ihren selbstgewählten Namen und ihre Geschlechtsidentität auszuweisen, auch bevor amtliche Änderungen abgeschlossen sind. Wir fordern, erneut sorgfältig zu prüfen, wo und in welchem Umfang dieser Ausweis im schulischen Kontext angewendet werden kann – etwa bei Klassenlisten, in Schulverwaltungsprogrammen oder in der täglichen Ansprache. Denn für betroffene Jugendliche ist der richtige Name keine Formalie. Er ist Identität. Wenn Schule diesen Namen ignoriert, entsteht jeden einzelnen Tag eine kleine Verletzung. Wenn sie ihn respektiert, entsteht Vertrauen. Und dieses Vertrauen schulden wir jungen Menschen. Gleiches gilt für die Aufnahme geschlechterneutraler Toiletten in das Musterraumprogramm. Für manche ist das eine abstrakte Debatte. Für andere ist es eine ganz konkrete Frage von Sicherheit im Alltag. Der Gang zur Toilette darf kein Moment der Angst sein. Praktischen Lösungen sind daher kein Kulturkampf. Sie sind eine Frage des Schutzes. Schule darf keine zusätzlichen Hürden errichten für junge Menschen, die ohnehin schon mit Vorurteilen konfrontiert sind. Schutz ist keine Zumutung. Schutz ist unsere Pflicht. Wir wollen außerdem eine Handreichung zur queeren Vielfalt an Schulen. Als Unterstützung. Als Orientierung. Als klares Zeichen, dass wir Lehrkräfte nicht alleinlassen, wenn es darum geht, Haltung zu zeigen. Wer Respekt vermitteln soll, braucht Rückhalt. Liebe Kolleg*innen, dieser Antrag nimmt niemandem etwas weg. Aber er gibt vielen jungen Menschen etwas zurück: Sicherheit. Sichtbarkeit. Selbstverständlichkeit. Kein Kind sollte sich in der Schule verstecken müssen. Kein Jugendlicher sollte lernen, dass seine Identität ein Risiko ist. Unsere Aufgabe ist es, Räume zu schaffen, in denen Mut wachsen kann, nicht Angst. Lassen Sie uns diese Räume gemeinsam öffnen.



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