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Heiner Garg: Schleswig-Holstein sollte Primärarztversorgung jetzt mit Modellvorhaben praxisnah erproben
13.03.2026 | GesundheitHeiner Garg: Schleswig-Holstein sollte Primärarztversorgung jetzt mit Modellvorhaben praxisnah erproben Die FDP-Landtagsfraktion hat am 11. März ihr zweites gesundheitspolitisches Fachgespräch durchgeführt. Im Mittelpunkt stand das Thema „Primärarztsystem als Zukunftssicherung der ambulanten Versorgung in Schleswig-Holstein“. Robert Schneider, Leiter des Stabsbereichs Strategie, Politik und Kommunikation der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Bettina Schultz, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, und Sören Schmidt- Bodenstein, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Schleswig-Holstein, setzten drei für das Gelingen einer Reform besonders relevante Impulse – von der bundespolitischen und selbstverwalteten Perspektive über die Versorgung im Land bis hin zur Sicht eines großen Kostenträgers. Ergänzt wurde das Fachgespräch durch weitere Gäste aus dem Gesundheitswesen, die das Spektrum von Kostenträgern und Berufsverbänden bis zur praktischen haus- und fachärztlichen Versorgung abbildeten.Dazu sagt Dr. Bettina Schultz, Vorstandsvorsitzende der KVSH:„Wir brauchen eine zielgerichtete, verbindliche Patientensteuerung nach medizinischer Indikation - nicht nach individuellen Wünschen oder Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten. Damit lässt sich die Ressourcenauslastung in den Praxen optimieren und die Patientenzufriedenheit erhöhen. Klar ist aber auch: Erste Anlaufstelle in einer Primärarztversorgung müssen Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie Frauenärzten sein. Sollten Patienten beispielsweise keinen Hausarzt haben, bietet die digitale Plattform 116117 von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Kassenärztlichen Vereinigungen einen zusätzlichen Weg. Nur mit dieser klaren Priorisierung lassen sich wirksame Veränderungen auf den Weg bringen und nachhaltige Strukturen aufbauen.“Robert Schneider, Leiter des Stabsbereichs Strategie, Politik und Kommunikation der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, fügt hinzu:„Eine gute Patientensteuerung ist und bleibt in Fragen der Zusammenarbeit über die Sektoren, aber auch über die einzelnen Fachgruppen hinweg das effektivste Mittel, Patientinnen und Patienten passgenau und medizinisch bedarfsgerecht zu versorgen. Wir unterstützen daher die Bundesregierung in ihren Überlegungen, warnen aber zugleich davor Patientensteuerung als Sparmodell in der Gesundheitsversorgung zu betrachten. Die ambulante Versorgung macht mit 16% der Kosten und der Behandlung von 97% aller medizinischen Behandlungsfälle nur einen geringen Anteil an den Gesundheitsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Dies gilt es zu würdigen sowie zu fördern und eben nicht mit Honorarabschlägen zu bestrafen.“Der Parlamentarische Geschäftsführer und gesundheitspolitische Sprecher der FDP- Landtagsfraktion, Dr. Heiner Garg, erklärt:„Die ambulante Versorgung steht auch in Schleswig-Holstein unter erheblichem Druck. Umso wichtiger ist es, Reformen nicht nur abstrakt zu diskutieren, sondern konkret zu prüfen, wie sie im Alltag von Patientinnen und Patienten, Praxisteams und Leistungserbringern funktionieren. Das Fachgespräch hat deutlich gemacht, dass es auf Landesebene eine breite Bereitschaft gibt, an einer besseren Versorgungssteuerung mitzuwirken – vorausgesetzt, sie ist praxistauglich, patientenorientiert und führt tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung im System.Aus meiner Sicht kommt es vor allem darauf an, Versorgung nicht bürokratisch zu verengen, sondern noch zielgenauer zu organisieren. Im Mittelpunkt stehen eine verlässliche Steuerung der Patientinnen und Patienten, klare und nachvollziehbare Zugangswege, eine intelligente Ersteinschätzung, eine optimierte Terminsteuerung sowie ein engeres Zusammenspiel zwischen haus- und fachärztlicher Versorgung. Deutlich wurde auch, dass ein Primärarztsystem nur dann funktionieren kann, wenn die Versorgungsrealität im Land mitgedacht wird – gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein.Ein Primärarztsystem kann nur dann ein Fortschritt sein, wenn es nicht erforderliche Arzt- Patienten-Kontakte reduziert, die Versorgung gezielter steuert und die medizinische Qualität stärkt. Ein bloßes Verweisungs- oder Hürdensystem wäre der falsche Weg. Wer mehr Steuerung will, muss auch dafür sorgen, dass Zugänge funktionieren, Kapazitäten vorhanden sind und Abläufe praktikabel bleiben. Schleswig-Holstein braucht deshalb keine ideologische Debatte, sondern einen pragmatischen Ansatz mit erkennbarem Nutzen für die Menschen.Für die FDP-Landtagsfraktion ist klar, dass die Freiberuflichkeit auch in Zukunft der tragende Pfeiler einer qualitativ hochwertigen Versorgung ist. Zu einer gelingenden Reform gehört es dabei auch, qualitätsgesicherte Delegation sowie klar definierte Formen der Substitution dort stärker mitzudenken, wo sie medizinisch sinnvoll und versorgungspolitisch hilfreich sind. Gerade nichtärztliche Praxisassistentinnen und -assistenten sowie Physician Assistants können dazu beitragen, Ärztinnen und Ärzte spürbar zu entlasten und vorhandene Versorgungskapazitäten besser zu nutzen. Wer diese Potenziale heben will, muss allerdings endlich auch die passenden Rahmenbedingungen für eine verlässliche Vergütung schaffen. Das ist für eine erfolgreiche Umsetzung der geplanten Reform längst überfällig.Wir sollten jetzt nicht darauf warten, bis bundesweit jedes Detail geregelt ist. Schleswig-Holstein kann und sollte bei der Primärarztversorgung in die praktische Erprobung einsteigen. Modellvorhaben auf Landesebene bieten die Chance, neue Steuerungswege unter realen Bedingungen zu testen, Erfahrungen auszuwerten und wirksame Lösungen schnell in die Fläche zu bringen. Zugleich können sie Best-Practice für die Ausgestaltung auf Bundesebene liefern.Ein besonders naheliegendes Instrument dafür ist der gerade verlängerte Versorgungssicherungsfonds des Landes. Er ist prädestiniert, um innovative und sektorenübergreifende Modellvorhaben anzuschieben, neue Versorgungswege zu erproben und erfolgreiche Ansätze in die Regelversorgung zu überführen. Gerade weil es beim Primärarztsystem um bessere Patientensteuerung, digitale Unterstützung, neue Kooperationsformen und passgenaue Lösungen für unterschiedliche Regionen geht, liegt es auf der Hand, hierfür auf einen bestehenden und bewährten Förderrahmen des Landes zurückzugreifen.Das Fachgespräch hat gezeigt, dass die fachliche Grundlage dafür vorhanden ist. Jetzt braucht es den politischen Willen, aus Erkenntnissen konkrete Versorgungspraxis zu machen. Der Versorgungssicherungsfonds ist dafür der richtige Hebel – wenn die Landesregierung ihn endlich wieder so ausstattet, dass neue Ideen nicht ausgebremst, sondern ermöglicht werden.“ Heiner Garg Sprecher für Soziales, Gesundheit, Familie, Kita, Jugend, Senioren, Sucht, Europa Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de