Diese Webseite verwendet ausschließlich für die Funktionen der Website zwingend erforderliche Cookies.

Datenschutzerklärung

06.05.26 , 12:28 Uhr
SSW

Sybilla Nitsch: Anerkennung muss sich auch im Alltag zeigen

Presseinformation Kiel, den 06.05.2026

Es gilt das gesprochene Wort


Sybilla Nitsch TOP 29 Stärkung des nationalen Veteranentags in Schleswig- Holstein: Kostenfreier Eintritt in staatliche Museen, Gärten und Kultureinrichtungen für Veteraninnen und Veteranen Drs. 20/4357 (neu)
„Anerkennung darf nicht bei Veranstaltungen, Reden oder freien Besuchen stehen bleiben. Für viele Veteraninnen und Veteranen ist die Aufarbeitung des Erlebten von immenser Bedeutung. Dabei geht es eben auch um konkrete Unterstützung, um Versorgung, um überhaupt wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.“
Mit dem fraktionsübergreifenden Antrag vom September 2024 hat der Schleswig-Holsteinische Landtag seinerzeit einstimmig den Beschluss gefasst, den Veteranentag auch in Schleswig- Holstein einzuführen. Als Anerkennung für diejenigen, die in der Bundeswehr gedient haben, als auch für aktive Soldatinnen und Soldaten. Aus Sicht des SSW war es wichtig, sich dieser Debatte zu stellen und differenziert die Symbolik eines solchen Tages zu betrachten, somit ist es gut, dass dies auch auf einem gemeinsamen parlamentarischen Antrag fußt. Denn die Einführung eines solchen Veteranentages markiert durchaus ein neues Kapitel der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Bundeswehr, welches nicht unumstritten ist. Denn auch, wenn die Bundeswehr eine Parlaments- und Verteidigungsarmee ist, gab es in Deutschland historisch eine lange Zeit der Zurückhaltung bis hin zu einer kritischen Distanz gegenüber der Bundeswehr. Daher gab es auch im Vorfeld eine lange grundsätzliche gesellschaftspolitische Diskussion, um die Einführung einen solchen Tages. Ich denke, diese Debatte ist keineswegs abgeschlossen. Im Kontext der globalen Konflikte hat sich die die öffentliche Wahrnehmung auf die Bundeswehr größtenteils geändert. Diese Begründung wird für eine stärkere Sichtbarkeit der Streitkräfte herangezogen. Wir wollen anerkennen, dass Streitkräfte im Einsatz Leid erfahren, Leid sehen und im Nachgang mit vielen Herausforderungen zu kämpfen haben, auch geht es um die Angehörigen, die auch Anerkennung und Dankbarkeit erhalten. Gleichzeitig stellt sich mir immer die Frage: Werden Menschen, die in Kriegsgebieten Zivilisten versorgen, auch gewürdigt? Gibt es eine ähnliche symbolische Anerkennung für Menschen, die in

Düsternbrooker Weg 70 Norderstr. 74 24105 Kiel 24939 Flensburg/Flensborg +49 (0)431 - 988 13 80 +49 (0)461 - 144 08 300 ( ( 2
Katastrophensituationen Hilfe leisten? Oder kommen humanitäre Hilfsorganisationen auch ins Rampenlicht? Diese Fragen sollten wir in der gesellschaftlichen Stimmung nicht übersehen. Die FDP, CDU und Grüne wünschen nun, dass der Veteranentag weiter ausgestaltet werden soll. In Form von freiem Zutritt zu staatlichen Museen, Schlössern, Gärten oder Kultureinrichtungen soll dieser Tag weiter in die Mitte der Gesellschaft gebracht werden. So weit so gut. Den Ansatz kann ich durchaus nachvollziehen, weil es ein weiteres Zeichen der Wertschätzung ist, für alle Veteraninnen und Veteranen, die diesen Tag auch außerhalb der Festveranstaltung begehen möchten. Aber warum kommt die FDP erst jetzt mit dem Antrag? Inwieweit ist der Antrag mit Vertretern der Bundeswehr abgestimmt? In einem solchen Diskurs hätten wir dann auch andere Themen ansprechen können, die meines Erachtens ebenso wichtig sind, wenn nicht sogar wichtiger. Denn wie sieht es bei den Soldatinnen und Soldaten aus, die in den Einsätzen der vergangenen Jahre Schreckliches und Unvorstellbares erlebt haben – wie wirkt es körperlich oder psychisch auf sie? Welche Spuren haben die Einsätze hinterlassen? Und dann wird klar; der Veteranentag allein reicht nicht hier aus. Anerkennung darf nicht bei Veranstaltungen, Reden oder freien Besuchen stehen bleiben. Für viele Veteraninnen und Veteranen ist die Aufarbeitung des Erlebten von immenser Bedeutung. Dabei geht es eben auch um konkrete Unterstützung, um Versorgung, um überhaupt wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Wir müssen uns fragen: Wie geht es den Menschen nach ihrem Dienst? Wie gut funktioniert die Betreuung? Wie niedrigschwellig sind die Hilfsangebote? Und fühlen sich Veteraninnen und Veteranen tatsächlich gesehen – oder nur dann, wenn es politisch opportun ist? Wer Anerkennung ernst meint, der muss sie im Alltag zeigen – und nicht nur einmal im Jahr. Es geht um Respekt, ja. Aber es geht auch um gesellschaftliche Teilhabe. Eine verlässliche gesundheitliche Versorgung, insbesondere im Bereich psychischer Belastungen. Unbürokratische Hilfe bei der Reintegration in das zivile Leben. Anerkennung von im Dienst erworbenen Qualifikationen. Der Veteranentag darf nicht politisch instrumentalisiert werden. Gerade in Zeiten, in denen sicherheitspolitische Fragen wieder stärker in den Vordergrund rücken, müssen wir besonders sorgfältig darauf achten, wie wir über Militär, Dienst und Gesellschaft sprechen. Alle Menschen, die in Kriegs- und Katastrophengebieten helfen, verdienen Respekt. Und Respekt und Verantwortung heißt eben auch, Themen anzusprechen, die die betroffenen Menschen berühren und ihnen weiterhelfen. Wenn ein Veteranentag dazu beiträgt, diese Themen auch sichtbarer zu machen, dann ist viel gewonnen. Daher sind wir offen für eine Weiterentwicklung.
Hinweis: Diese Rede kann hier ab dem folgenden Tag als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathek/

Download PDF

Pressefilter

Zurücksetzen