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Sophia Schiebe zu Top 25: Schutz vor Deepfakes und digitaler sexualisierter Gewalt stärken
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 06.Mai 2026Sophia Schiebe Schutz vor Deepfakes und digitaler sexualisierter Gewalt stärken TOP 25: Schutz vor Deepfakes und digitaler sexualisierter Gewalt stärken – Bundesinitiative unterstützen und Prävention in Schleswig-Holstein ausbauen (Drs. 20/20/4288)Kennen Sie Schrödingers Mann?Vielen von Ihnen ist wahrscheinlich Schrödingers Katze bekannt. Ein Gedankenexperiment aus der Physik: Eine Katze befindet sich in einer Kiste. Solange niemand nachschaut, ist sie gleichzeitig lebendig und tot. Zwei Zustände gleichzeitig, weil man es nicht wissen kann. Die Autorin Tara-Louise Wittwer hat dieses Bild übertragen. Schrödingers Mann. Sie beschreibt damit eine Realität vieler Frauen: Männer sind gleichzeitig harmlos und potenziell gefährlich.Ein Mann geht abends hinter einer Frau. Ein paar Schritte Abstand. Der Kopf sagt: Alles in Ordnung. Der Körper reagiert trotzdem anders. Ein Glas auf einer Party. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und plötzlich steht viel mehr auf dem Spiel als nur ein Getränk. Für viele Männer ist das ein Gedankenexperiment. Für uns Frauen ist es Alltag. Ich habe viele Freundinnen. Und jede einzelne hat sexuelle Belästigung oder Gewalt erlebt. Jede. Wenn etwas so häufig vorkommt, besteht die Gefahr, dass wir anfangen, es als gegeben hinzunehmen. Aber genau das dürfen wir nicht tun. Denn hinter dieser Realität stehen konkrete Täterstrukturen. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, sagte in einem Interview mit dem ZDF, er müsse Frauen eigentlich einen drastischen Rat geben: 1 Aus rein statistischer Sicht sollten sie zu ihrer eigenen Sicherheit keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Diese zugespitzte Aussage ist keine Empfehlung. Sie ist ein Alarmsignal. Denn sie macht sichtbar, wie groß die Gefahr für Frauen oft dort ist, wo eigentlich Sicherheit sein sollte: im eigenen Zuhause. Diese Gewalt passiert nicht im luftleeren Raum. Sie wird von Männern ausgeübt, die wir kennen. Und viel zu selten von anderen Männern hinterfragt. Und ja: Es geht nicht darum zu behaupten, alle Männer seien Täter. Aber darum festzuhalten, dass es eben immer Männer sind. Und genau deshalb genügt es nicht, wenn Männer sich persönlich für unbeteiligt halten. Es genügt nicht, kein Täter zu sein. Es braucht Männer, die widersprechen. Die Grenzen klar benennen. Die andere Männer zur Verantwortung ziehen. Geschlechtsspezifische Gewalt endet heute immer häufiger nicht bei der Tat selbst. Sie wird dokumentiert, geteilt und weitergetragen. Und genau darin liegt die nächste Eskalation. Collien Fernandes hat öffentlich gemacht, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Identität für sexualisierte Inhalte missbraucht wird. Die Reaktionen darauf sind aufschlussreich: Viele Frauen suchten nach Informationen. Nach Schutz. Nach Möglichkeiten, sich zu wehren. Und gleichzeitig stiegen bei Männern die Suchanfragen nach ihrem Namen zusammen mit dem Begriff „nackt“. Das heißt: Während eine Frau Gewalt sichtbar macht, wird genau diese Gewalt gleichzeitig weiter konsumiert. Das ist kein Randphänomen. Das ist Teil des Problems. Denn diese Nachfrage kommt nicht aus dem Nichts. Und solange diese Nachfrage da ist, werden solche Inhalte produziert und verbreitet. Deshalb dürfen wir nicht so tun, als hätten wir es hier mit einzelnen Ausnahmen zu tun. Wir reden über eine Form von Gewalt, die sich technologisch weiterentwickelt und gesellschaftlich immer noch zu oft verharmlost wird. Denn was bedeutet es eigentlich für eine Gesellschaft, wenn Frauen jederzeit damit rechnen müssen, dass ihr Gesicht, ihre Stimme, ihr Körper missbraucht werden kann? Deshalb brauchen wir klare gesetzliche Grenzen. Pornografische Deepfakes dürfen kein digitaler Kavaliersdelikt bleiben. Und wir müssen endlich aufhören, Betroffene mit dem Gefühl zurückzulassen, sich selbst verteidigen zu müssen gegen Bilder, die nie echt waren und trotzdem echte Folgen haben. Aber Gesetze werden dieses Problem nicht vollständig lösen. Denn wenn junge Menschen im Netz lernen, 2 dass Entwürdigung Unterhaltung ist, dann haben wir ein echtes gesellschaftliches Problem. Deshalb gehört Medienkompetenz mitten in unsere Bildung. Junge Menschen müssen lernen, wie Manipulation funktioniert, wie digitale Gewalt entsteht und welche Verantwortung jede und jeder Einzelne im Netz trägt. Genauso wichtig ist aber auch, dass Kinder und Jugendliche früh lernen, was Grenzen bedeuten, was Konsens heißt und dass ein Nein immer gilt. Am Ende liegen heute zwei unterschiedliche Anträge vor. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten und unterschiedlichen Ansätzen. Aber beide eint die Erkenntnis, dass digitale Gewalt gegen Frauen kein Zukunftsszenario mehr ist, sondern längst Realität. Deshalb sollte es heute nicht darum gehen, wer die bessere Formulierung gefunden hat. Sondern darum, dass wir Frauen und Mädchen endlich den Schutz geben, den sie in einer digitalen Gesellschaft erwarten dürfen. Deshalb bitte ich um Zustimmung beider Anträge. 3