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06.05.26 , 17:16 Uhr
FDP

Anne Riecke zu TOP 15 "Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe"

06.05.2026 | Bildung
Anne Riecke zu TOP 15 "Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe" In ihrer Rede zu TOP 15 (Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe – Leistungsvermögen und Herausforderungen) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anne Riecke:
„Wir alle formulieren hohe Ansprüche an unser Schulsystem: Schulen sollen individuell fördern, fachlich stark unterrichten, integrieren, inklusiv arbeiten, Sprachförderung leisten, auf Ausbildung und Beruf vorbereiten, Medienkompetenz vermitteln, Demokratiebildung stärken, mit Eltern kooperieren, Ganztag organisieren und soziale Problemlagen auffangen. Die Aufgaben, die unseren Schulen in den letzten Jahren übertragen worden sind, haben sich ohne Zweifel immer stärker ausgeweitet. Hier müsste man mal grundsätzlich die Frage stellen, welche teils familiären und gesellschaftlichen Aufgaben wir an unsere Schulen übertragen oder ausgelagert haben und ob das alles immer gerechtfertigt war und ist.
Bei all den neuen Aufgaben ist die Ausstattung der Schulen nämlich nicht immer entsprechend mitgewachsen: Vor allem bei der Personalausstattung konnte der Aufwuchs vielerorts nicht mit der Aufgabenausweitung Schritt halten. Und wenn das häufiger und dauerhaft der Fall ist, dann entsteht strukturelle Überforderung. Denn eine Schule, die immer neue Aufgaben erfüllen muss, aber keine zusätzlichen Kapazitäten zugewiesen bekommt, wird nicht moderner oder besser, sie wird überlastet. Eine Lehrkraft, die ständig vertreten, organisieren, dokumentieren, auffangen und improvisieren muss, hat weniger Zeit für guten Unterricht. Und eine Schulleitung, die jeden Tag Mangel verwaltet, hat weniger Zeit für Schulentwicklung.
Diese Überforderung zeigt sich dann im Alltag: Wenn Unterricht vertreten, zusammengelegt oder verschoben werden muss. Wenn Doppelbesetzungen wegfallen, obwohl sie pädagogisch gebraucht würden. Wenn Schulleitungen immer mehr Organisationsarbeit leisten müssen. Wenn Lehrkräfte zusätzliche Aufgaben übernehmen, ohne dass dafür echte Entlastung entsteht. Wenn Schulsozialarbeit gebraucht wird, aber nicht überall in dem Umfang vorhanden ist, wie es vor Ort notwendig wäre. Und wir haben durch die Große Anfrage gesehen, dass die Gemeinschaftsschulen von diesem Phänomen mit am stärksten betroffen sind. Von daher gilt hier mein Dank allen engagierten Fachkräften, die trotz teilweise widriger Umstände hervorragende Arbeit leisten und alles Menschenmögliche tun, um den Kindern in ihren Klassen gerecht zu werden. Und das, obwohl sie in der Regel mit einer teils sehr heterogenen Schülerschaft konfrontiert sind, die in besonderem Maße auf eine gute personelle und materielle Ausstattung angewiesen ist.
Daher ist es aus meiner Sicht besonders dramatisch, wenn laut Landesregierung an den Gemeinschaftsschulen in den letzten Jahren im Durchschnitt rund zwölf Prozent des Unterrichts ausgefallen ist. Und das bei offiziellen Besetzungsquoten – also der formalen Stellenbesetzung –  von über 106 Prozent. Da sich die Landesregierung schon bei Quoten von 103 Prozent und weniger rühmt, müssen wir vielleicht generell einmal die Frage aufwerfen, welche Quoten und Berechnungen wir heranziehen, wenn wir messen wollen, ob unsere Schulen ausreichend mit qualifizierten Lehrkräften versorgt sind.
Und auch in anderen Bereichen brauchen wir vielleicht einen differenzierteren Ansatz, um die Situation an den Schulen und vor allem den Gemeinschaftsschulen zu verbessern: Die Umsetzung der Inklusion ist weiterhin ein strittiges Thema, bei dem viele der Meinung sind, dass sie in ihrer jetzigen Aufstellung weder den inklusiv beschulten Kindern, noch den Fachkräften und den restlichen Schülern in ausreichendem Maße gerecht wird. Es ist eben nicht genug, die Inklusionsquote stolz vor sich herzutragen, ohne eine Aussage darüber zu treffen, wie die Qualität der Inklusion denn in den Gemeinschaftsschulen tagtäglich ist.
Und auch bei der Schulbegleitung gibt es meiner Meinung nach durchaus Reformbedarf: Wir müssen uns die Frage stellen, ob jedem Kind eine eigene Schulbegleitung zustehen muss und ob dies nicht über eine Pool-Lösung besser organisiert werden kann. Die teilweise zu beobachtende Anwesenheit mehrerer Schulbegleiter im Unterricht ist weder erstrebenswert, noch dauerhaft bezahlbar. Auch bei der Aufgabenverteilung und der Aufgabendefinition der Schulbegleitung können wir angesichts knapper Ressourcen sicher noch Verbesserungen erreichen.
Es gibt also noch viel zu tun und genug Ansätze, um eine Verbesserung für unsere Schulen zu erreichen. Ich freue mich über die weiteren Diskussionen zu den Themen.“
 
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Anne Riecke Sprecherin für Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Fischerei, Jagd, Verbraucherschutz, Religion, Minderheiten, Umwelt, Klimaschutz Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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