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Sophia Schiebe zu Top 10+62: Kita darf kein Ausnahme-Dauerzustand sein
Heimo Zwischenberger Pressesprecher der SPD-Landtagsfraktion Adresse Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel Telefon 0431 988 1305 Telefax 0431 988 1308 E-Mail h.zwischenberger@spd.ltsh.de Webseite www.spd-fraktion-sh.de Es gilt das gesprochene Wort!Hinweis: Diese Rede kann hier als Video abgerufen werden: http://www.landtag.ltsh.de/aktuelles/mediathekLANDTAGSREDE – 07.Mai 2026Sophia Schiebe Kita darf kein Ausnahme-Dauerzustand sein TOP 10+62: Gemeinsame Beratung a) Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Kindertagesförderungsge-setzes b) Bericht über die aktuelle KiTa-Situation in Schleswig-Holstein (Drs. 20/4378, 20/3878 20/4138)Wer diesen Bericht liest und wer die Rückmeldungen aus der Praxis ernst nimmt, der kann nur zu einem Schluss kommen: Die Landesregierung beschreibt das Kita-System, aber sie stabilisiert es nicht. Dabei will ich ausdrücklich sagen: Es ist richtig, dass die Landesregierung einzelne Probleme inzwischen anerkennt und etwa bei den PerspektivKitas oder bei den zusätzlichen Krankentagen nachsteuert. Aber genau deshalb müsste der nächste Schritt jetzt endlich sein, das System strukturell zu stärken.Ja, die Kinderzahlen gehen zurück. Ja, es gibt regional sinkende Auslastungen. Aber was macht Schwarz-Grün daraus? Sie macht daraus vor allem ein Steuerungs- und Einsparinstrument. Die Fristen in der Bedarfsplanung sollen verkürzt werden, bei einer Auslastung unter 93 Prozent sogar auf ein Jahr. Das mag aus Sicht kommunaler Haushalte attraktiv klingen. Für Träger, Beschäftigte, Eltern und Kinder bedeutet es aber vor allem eines: weniger Planungssicherheit. Damit greift dieser Ansatz zu kurz. Denn freiwerdende Kapazitäten sind nicht zuerst ein Problem. Sie sind eine Chance. Eine Chance für kleinere Gruppen. Eine Chance für bessere Förderung. Eine Chance für echte Inklusion. Eine Chance, Fachkräfte zu entlasten und Familien endlich wieder verlässliche Betreuung zu geben. Die Landesregierung sagt: Der Rückgang der Kinderzahlen eröffne neue Handlungsspielräume. Ich sage: Dann nutzen Sie diese Spielräume doch endlich für Qualität und Verlässlichkeit. Denn eigentlich gibt es doch ein gemeinsames Ziel: gute frühkindliche Bildung, verlässliche Betreuung und faire Chancen für jedes Kind. Gerade deshalb darf man das System jetzt nicht auf Auslastungszahlen und kurzfristige Steuerung reduzieren. Aus der Praxis hören wir etwas ganz anderes als aus den Hochglanzformulierungen der Koalition. Leitungen berichten, dass Gruppen kurzfristig schließen. Eltern müssen ihre 1 Kinder mit zur Arbeit nehmen. Kinder erleben ständig wechselnde Bezugspersonen. Erzieherinnen und Erzieher arbeiten am Limit. Und während Betreuung ausfällt, zahlen Familien weiter Beiträge. Und genau an dieser Stelle stellt sich doch die entscheidende Frage: Ist die Betreuung für Kinder und Familien in Schleswig-Holstein tatsächlich verlässlicher geworden? Genau darauf gibt der Bericht keine Antwort. Die außerplanmäßigen Schließtage wurden gar nicht erst erhoben, obwohl gerade sie zeigen würden, wie die Realität in den Einrichtungen aussieht. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“Damit bleibt unbeantwortet, ob die letzte Kita-Reform ihre eigenen Ziele überhaupt erreicht hat. Und wirklich schockiert hat uns die Ankündigung der Vereinigung der Kitaleitungen, sich Ende des Jahres aufzulösen. Sie schreiben, dass „die strukturellen Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung eine kontinuierliche und ehrenamtliche Vereinsarbeit zunehmend unmöglich machen“. Die tägliche Praxis sei geprägt von Überlastung, Personalmangel und steigenden Anforderungen.Das ist kein funktionierendes System. Das ist organisierter Ausnahmezustand. Besonders problematisch ist auch: Die Landesregierung zieht aus Daten Schlüsse, die so nicht belastbar sind. Platzzahlreduzierungen und I-Gruppen können Hinweise auf inklusive Betreuung geben. Aber sie messen keine gelingende Inklusion. Der Bericht selbst zeigt, dass Einzelintegration und I-Gruppen regional sehr unterschiedlich genutzt werden. Das Ziel ist richtig: Kinder mit Unterstützungsbedarf sollen selbstverständlich Teil des regulären Kita-Alltags sein. Aber wer Inklusion ernst meint, braucht mehr als Statistik. Wir brauchen eine inklusive Grundausstattung in den Kitas, heilpädagogische Kompetenz, kürzere Verfahren und weniger Bürokratie.Und genau deshalb reicht es nicht, Krankentage nachzubessern oder PerspektivKitas auszuweiten. Ja, das kann richtig sein. Es ersetzt keine kleineren Gruppen. Es ersetzt keine verbindlichen Notfallkonzepte. Und es ersetzt keine verlässliche Finanzierung. wer ständig sagt, Kitas seien die Basis unseres Bildungssystems, der muss diese Basis auch tragen. Dann darf man nicht bei den Trägern Planungssicherheit abbauen. Dann darf man Eltern nicht mit Betreuungsausfällen alleinlassen. Dann darf man Fachkräfte nicht mit immer neuen Anforderungen überlasten. Wir fordern deshalb: Erstens: freiwerdende Plätze für Qualität nutzen. Also kleinere Gruppen, bessere Förderung und mehr Teilhabe. Zweitens: eine landesweit einheitliche und verlässliche Kita-Bedarfsplanung. Drittens: echte Inklusion durch Strukturqualität und nicht nur durch Platzzahlreduzierungen. 2 Und viertens: Fachkräfte stärken mit mehr Verfügungszeit und besseren Entwicklungsperspektiven. Die Landesregierung legt heute Änderungen vor. Aber sie beantwortet nicht die zentrale Frage: Wie wird Kita in Schleswig-Holstein wieder verlässlich, kindgerecht und zukunftsfest? Der Rückgang der Kinderzahlen darf nicht der Einstieg in den Rückbau sein. Er muss der Einstieg in bessere Qualität sein. Hören Sie endlich auf die Menschen, die das System jeden Tag am Laufen halten: die Fachkräfte, die Leitungen, die und die Eltern. Denn wer die Basis unseres Bildungssystems stärken will, muss zuerst auf die Basis hören. 3