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07.05.26 , 17:52 Uhr
FDP

Anne Riecke zu TOP 4 "Änderung des Lehrkräftebildungsgesetzes Schleswig-Holstein"

07.05.2026 | Bildung
Anne Riecke zu TOP 4 "Änderung des Lehrkräftebildungsgesetzes Schleswig-Holstein" In ihrer Rede zu TOP 4 (Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Lehrkräftebildungsgesetzes Schleswig-Holstein und Anpassung besoldungsrechtlicher Vorschriften) erklärt die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anne Riecke:
„Wir sprechen heute über einen Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung des Lehrkräftebildungsgesetzes und damit für die Ausweitung des Direkteinstieges. Der Gesetzentwurf sieht vor, die neuen Einstiegsmöglichkeiten ‚Direkteinstieg an Grundschulen‘ und ‚Direkteinstieg an Gemeinschaftsschulen‘ zu schaffen. Grundlage soll ein geeigneter Bachelorabschluss oder ein Fachhochschuldiplom sein; die Betroffenen sollen laut Entwurf dann berufsbegleitend qualifiziert werden.
Der Ausgangspunkt dieses Gesetzentwurfes ist klar: Schleswig-Holstein hat ein erhebliches Problem bei der Lehrkräftegewinnung. Wir sehen nicht nur einen generellen Fachkräftemangel, sondern auch eine sehr unterschiedliche regionale Verteilung und eine Unwucht bei der Fächerkombination. Die Folgen davon erleben wir täglich an unseren Schulen: Der Unterrichtsausfall ist und bleibt auf hohem Niveau und nimmt teilweise besorgniserregende Züge an. Das betrifft mittlerweile nicht nur einzelne Mangelfächer, sondern zunehmend auch andere Fächer an unseren Grund- und Gemeinschaftsschulen und das gefährdet den Bildungserfolg vieler Schülerinnen und Schüler. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass über zusätzliche Wege in den Schuldienst gesprochen wird. Aber gerade weil die Lage ernst ist, dürfen wir nicht den Fehler machen, durch den Wunsch nach einer kurzfristigen Personalgewinnung möglicherweise dauerhaft schlechte Strukturen zu schaffen. Bei allen Maßnahmen müssen wir immer im Hinterkopf haben, dass wir verpflichtend sind, gut ausgebildete Fachkräfte in unseren Klassen unterrichten zu lassen. Wer künftig vor einer Grundschulklasse steht, wer Kinder beim Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernen begleitet, wer in der Gemeinschaftsschule sehr heterogene Lerngruppen unterrichtet, der braucht nicht nur Fachwissen, sondern pädagogische, didaktische und diagnostische Kompetenzen. Diese Kompetenzen entstehen nicht nebenbei. Sie müssen systematisch aufgebaut, begleitet und überprüft werden.
In der Anhörung wurde deutlich, dass es in diesem Punkt offene Fragen zum Gesetzentwurf gibt. Die GEW hat darauf hingewiesen, dass mit einem neuen Lehramt ‚Direkteinstieg‘ Personen mit unterschiedlicher Qualifikation und unterschiedlicher Bezahlung im Kollegium dieselbe Arbeit verrichten würden. Sie sieht die Gefahr einer Deprofessionalisierung und kritisiert, dass keine ausreichenden Wege zur späteren Gleichbehandlung eröffnet werden. Auch der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung hat in seiner Stellungnahme klare Qualitätsstandards und begleitende Strukturen angemahnt. Gerade wenn kurzfristig zusätzliche Kräfte gewonnen werden sollen, muss verhindert werden, dass daraus dauerhaft abgesenkte Qualifikationswege entstehen, die sich – einmal etabliert – verfestigen. Lehrkräftefortbildung und berufsbegleitende Maßnahmen müssen deshalb klug organisiert werden.
Wir sagen nicht, dass es keine zusätzlichen Wege geben darf. Wir sagen aber auch: Neue Möglichkeiten des Direkteinstiegs dürfen nur befristet, unter Einbeziehung der lehramtsausbildenden Hochschulen und gekoppelt an eine verbindliche Berufseingangsphase geschaffen werden. Hamburg beispielsweise unterstützt Lehrkräfte in den ersten Berufsjahren mit Praxisgruppen, Workshops und Coaching und bietet somit eine Unterstützung und Beratung in den ersten Jahren der Berufstätigkeit. Das wäre auch für Schleswig-Holstein sinnvoll. Wer neu an eine Schule kommt, braucht Zeit, Anleitung und Austausch. Das gilt sowieso generell für den Lehrerberuf und nicht nur für den Seiten- oder Direkteinstieg.
Das übergeordnete Ziel sollte immer die volle Lehramtsbefähigung bleiben, damit der Fachkräftemangel an den Schulen spürbar beseitigt werden kann und es keine Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer gibt. An dieser Stelle sollte der Gesetzentwurf unserer Meinung nach nachgebessert werden. Denn eine dauerhafte Einteilung des Kollegiums in Lehrkräfte und ‚Basislehrkräfte‘ wäre weder im Sinne der Unterrichtsqualität noch im Sinne der Betroffenen.“
Sperrfrist Redebeginn!
Es gilt das gesprochene Wort.



Anne Riecke Sprecherin für Bildung, Kultur, Landwirtschaft, Fischerei, Jagd, Verbraucherschutz, Religion, Minderheiten, Umwelt, Klimaschutz Kontakt: Eva Grimminger, v.i.S.d.P. Pressesprecherin
Tel.: 0431 988 1488 fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de



FDP-Fraktion Schleswig-Holstein, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel E-Mail: fdp-pressesprecher@fdp.ltsh.de, Internet: www.fdp-fraktion-sh.de

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