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08.05.26 , 09:39 Uhr
Landtag

Landtagspräsidentin Kristina Herbst zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus

Nr. 39 / 8. Mai 2026


Landtagspräsidentin Kristina Herbst zum Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus

Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat heute (Freitag) an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 erinnert. Landtagspräsidentin Kristina Herbst gedachte des Jahrestages mit einer Ansprache im Plenum. Hier die Rede im Wortlaut (es gilt das gesprochene Wort):


„Meine sehr geehrten Damen und Herren,
heute vor 81 Jahren endete mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa.
Mit dem 8. Mai 1945 gingen nicht allein fast sechs Kriegsjahre zu Ende, sondern vor allem auch 12 Jahre nationalsozialistischer Terrorherrschaft und der Massenmord an Millionen von Menschen: Die Schoa, der Mord an Sinti und Roma, die sogenannte „Euthanasie“, die Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen und politisch Oppositionellen, der vieltausendfache Mord an Menschen in den durch die Wehrmacht besetzen Gebieten, insbesondere in Osteuropa.
Der 8. Mai 1945 war – und ist – ein „Tag der Befreiung“, da gibt es nicht den leisesten Zweifel.
Er befreite Zehntausende von geschundenen und gequälten Menschen aus den Folter- und Mordlagern der Nazis, er befreite Völker und Nationen von der brutalen Besetzung durch deutsche Truppen.
Und er befreite nicht zuletzt die Deutschen selbst von einer Diktatur, die viele von ihnen begrüßt und bis zum Ende aktiv unterstützt hatten.
Auch in Schleswig-Holstein hat sich die selbst im Untergang ungebrochene Mordlust des NS- Regimes noch in den letzten Kriegstagen auf entsetzliche Weise manifestiert: Am 3. Mai 1945 ereignete sich in der Neustädter Bucht die Katastrophe der „Cap Arcona“ und der „Thielbek“. Ihr fielen tausende von KZ-Häftlingen zum Opfer, die zuvor in Todesmärschen durch unser Land getrieben worden waren.
Und noch nach dem 8. Mai 1945 wurden in Schleswig-Holstein Todesurteile durch deutsche Militärbehörden verhängt und ausgeführt.
Ohne den 8. Mai 1945 wäre die Rückkehr zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in unserem Land nicht möglich gewesen.
Im kommenden Monat feiern wir als Parlament das 80jährige Bestehen des Landes Schleswig- Holstein und des Schleswig-Holsteinischen Landtages.
Weniger als ein Jahr nach Kriegsende, im Februar 1946, beriefen die britischen Besatzungsbehörden den ersten ernannten Schleswig-Holsteinischen Landtag ein. Dies war ein Teil des Demokratisierungsprozesses, der über die Zulassung von Parteien im Herbst 1945 und die ersten Kommunalwahlen im Herbst 1946 in den ersten Landtagswahlen im April 1947 mündete.
Der Tag der Befreiung und der demokratische Neuanfang unseres Landes gehören also untrennbar zusammen. Nichts symbolisiert dies deutlicher als der Umstand, dass der erste gewählte Schleswig-Holsteinische Landtag zum ersten Mal am 8. Mai 1947 zusammengetreten ist – auf den Tag genau zwei Jahre nach Kriegsende.
Und deshalb verpflichtet der 8. Mai uns heute zur besonderen Wachsamkeit und zum entschlossenen Widerstand gegenüber allen, die unsere Demokratie und unsere Freiheitsordnung infrage stellen und bedrohen. Im Inneren wie im Äußeren.
Spätestens der russische Angriff auf die Ukraine 2022 hat es ganz klar gemacht: Frieden und Freiheit bekommt man nicht geschenkt, sondern muss sie stets neu erstreiten.
Allen Bekenntnissen zu den Grundwerten unserer Verfassung, zu Menschenwürde und Demokratie, zum „Nie Wieder!“ fehlt die Substanz, wenn wir nicht in der Lage sind, gemeinsam mit unseren Partnern unsere freiheitliche Grundordnung zu verteidigen.
Das erfordert Anstrengungen. Aber es ist eine Lehre des 8. Mai 1945, die wir uns immer wieder vor Augen führen müssen.
Der 8. Mai verpflichtet uns gegenüber den Opfern der NS-Verbrechen und deren Nachfahren dazu, das Geschehene niemals zu vergessen und alles dafür zu tun, dass sich die von Deutschen begangenen Menschheitsverbrechen niemals wiederholen.
Und der 8. Mai macht uns deutlich: Demokratie und Frieden sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern sie fordern den täglichen Einsatz aller politisch Verantwortlichen und aller Bürgerinnen und Bürger.
Lassen Sie uns als Abgeordnete des Schleswig-Holsteinischen Landtages unseren Beitrag dazu leisten.
Vielen Dank!“

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