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08.05.26 , 12:40 Uhr
B 90/Grüne

Uta Röpcke zur Sicherung der öffentlichen Theater

Presseinformation Nr. 26.151 08.05.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 24 – Theaterland Schleswig-Holstein - Fortschreibung des Konzeptes zur Sicherung der öffentlichen Theater Dazu sagt die kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Uta Röpcke:
Theater verändert unseren Blick auf die Welt Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren,
unsere Theater sind eine unverzichtbare Säule der kulturellen Landschaft in Schleswig- Holstein. Sie sind Orte der Begegnung, Orte kultureller Bildung und Orte, an denen aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen direkter und vielschichtiger verhandelt werden als anderswo. Auch die eigene Geschichte, über die wir heute Morgen diskutiert haben.
In dem Film „Gelbe Briefe“, der letzte Woche beim parlamentarischen Abend der MOIN Filmförderung gezeigt wurde, fragt die Tochter ihren Vater: „Glaubst du etwa wirklich, dass du mit Theater die Welt rettest?“ Und er antwortet überzeugt: „Ja, das glaube ich!“ Der Film zeigt: Theater allein rettet nicht die Welt. Aber es kann unseren Blick auf sie verändern. Und genau deshalb ist es richtig, dass wir heute über die Zukunft des Theaters sprechen. Und ich danke dem SSW ausdrücklich für diesen Aufschlag!
Die Herausforderungen, vor denen alle Theater im Land stehen, sind real: Die Folgen der Pandemie sind noch nicht überwunden, gestiegene Personal- und Sachkosten, öffentliche Haushalte sind unter Druck, es gibt wirtschaftliche Unsicherheit. Das betrifft die öffentlichen Häuser ebenso wie die kleineren, privaten Spielorte und die freie Szene.
Deshalb stimme ich Ihnen zu: Ja, wir brauchen einen ehrlichen Blick auf die Lage unserer Theaterlandschaft! Ja, wir müssen darüber sprechen, wie öffentliche Theater, freie Szene, private Theater und andere Akteur*innen gut zusammen wirken können. Und ja, wir müssen kulturelle Angebote in der Fläche sichern und weiterentwickeln. Denn gerade in der Vielfalt liegt die Stärke unserer Theaterlandschaft:
Mit den Standorten Kiel, Lübeck und dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Mit ihren Gastspielen, Festivals und Kooperationen. Und mit einer freien Szene, die mit Formaten experimentiert und so neue Perspektiven eröffnet. Mit Produktionen wie „Prinzip Rauschen“ in Dithmarschen im Bus über Land und auf Höfen, mit dem tief bewegenden und persönlichen Tanztheaterstück „Herbert“ von Mark Christoph Klee, mit dem Nordischen Theaterfrühling in Lübeck mit einem Kindertheaterfestival, das begeistert, oder dem Schleswiger Theaterspaziergang in Höfen, auf Straßen und Plätzen letzten Sommer in Schleswig. Theater ist dort stark, wo es nah an Lebenswirklichkeiten bleibt, ästhetisch etwas wagt und aktuell relevante Fragen bewegt. Und genau deshalb brauchen wir verlässliche, institutionelle Förderung der großen und etablierten Häuser, des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und eine lebendige Freie Szene. Beides kann sich ergänzen und gegenseitig bereichern. Die Beispiele zeigen: Das ist bereits gelebte Praxis
Meine Damen und Herren, liebe Kollegin Jette Waldinger-Thiering,
so richtig Ihr Antrag die Herausforderungen der Theater benennt, die Frage, welche Maßnahmen Sie daraus ableiten, bleibt offen. Die Rahmenbedingungen haben sich seit 2013 grundlegend verändert: finanziell, strukturell wie kulturpolitisch. Und die Lage ist hochdynamisch, das wissen Sie auch. Das Schleswig-Holsteinische Landestheater steht unter erheblichem finanziellem Druck. Die kommunalen Gesellschafter tragen einen großen Teil der Verantwortung für die Beschäftigten, für die kulturelle Infrastruktur und für die Menschen, die dieses Angebot nutzen. Jetzt kommt es auf Stabilität, Verlässlichkeit und gemeinsames Handeln der Beteiligten an!
Aber es muss uns um die gesamte Theaterlandschaft in Schleswig-Holstein gehen. Um kulturelle Teilhabe, um Angebote für Kinder und Jugendliche, um Kooperationen und darum, auch unter schwierigen finanziellen Bedingungen Qualität, Vielfalt und regionale Erreichbarkeit zu erhalten. Theater ist eine bedeutende Teilbranche der Kultur- und Kreativwirtschaft. Hier entstehen Arbeitsplätze, Aufträge für regionale Betriebe und Impulse für Innenstädte, Gastronomie, Tourismus und regionale Entwicklung. Theaterförderung ist also Investition. Gerade im ländlichen Raum ist kulturelle Infrastruktur ein harter Standortfaktor.
Sie sehen: Wir teilen die kulturpolitische Grundrichtung Ihres Antrags in vielen Punkten. Aber aus unserer Sicht kann es jetzt nicht darum gehen, das Konzept von 2013 einfach fortzuschreiben, ohne die aktuell laufenden Gespräche und Entwicklungen abzuwarten. Wir schlagen deshalb als ersten Schritt eine Bestandsaufnahme der öffentlichen sowie privat geführten Theater und Laienbühnen vor, die sowohl die Finanzierungsstrukturen als auch Besucherzahlen und die regionale Verteilung der Theater erfasst und darstellt. Eine Organisationsuntersuchung ist bereits beauftragt, die Ergebnisse sollten wir abwarten, bevor wir konzeptionelle Festlegungen treffen. Auf dieser Grundlage können wir dann die strategische Weiterentwicklung der Theaterlandschaft in Schleswig- Holstein offen und gemeinsam mit allen daran Beteiligten gestalten und so zu einer guten Lösung für das Theaterland Schleswig-Holstein kommen.
Vielen Dank.
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Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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