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MIT SPERRFRIST: Ausstellung "Reinhard Heydrich. Karriere und Gewalt" im Kieler Landeshaus eröffnet
Nr. 042 / 27. Mai 2026 Sperrfrist: heute 18:30 UhrAusstellung „Reinhard Heydrich. Karriere und Gewalt“ im Kieler Landeshaus eröffnetLandtagspräsidentin Kristina Herbst hat am Mittwochabend (27. Mai) zusammen mit der Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, Dr. Andrea Riedle, die Ausstellung „Reinhard Heydrich. Karriere und Gewalt“ im Plenarsaal des Schleswig-Holsteinischen Landtages eröffnet. An der Veranstaltung im Kieler Landeshaus nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft, Religionsgemeinschaften, Kultur und Erinnerungskultur teil.Landtagspräsidentin Kristina Herbst erinnerte in ihrer Begrüßung an die besondere historische Bedeutung des Landeshauses. Das heutige Zentrum der Demokratie in Schleswig-Holstein sei einst Marinestation der Ostsee gewesen – und damit auch Wirkungsstätte Reinhard Heydrichs während der letzten Jahre seiner Zeit in der Reichsmarine bis zum Jahr 1931. „Mit der Präsentation dieser Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors im Landeshaus leistet der Landtag einen weiteren, notwendigen Beitrag zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und der spezifischen Geschichte unseres Landes“, sagte Herbst. „Wir können und wir wollen unsere Vergangenheit nicht verschweigen!“ Die Landtagspräsidentin betonte zudem die Verantwortung, aus der Geschichte Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen: „Im Gedenken an die Opfer Heydrichs und des menschenverachtenden, verbrecherischen NS-Regimes dürfen wir nicht nachlassen, die Täter anzuklagen.“Die Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, Dr. Andrea Riedle, würdigte die Präsentation der Ausstellung im Kieler Landeshaus als besonderen Ort der historischen Auseinandersetzung: „Dass wir die Ausstellung hier im Schleswig-Holsteinischen Landtag zeigen können, ist für uns als Berliner Stiftung Topographie des Terrors etwas Besonderes. Denn Kiel ist eine wichtige Station in Heydrichs Biografie.“ Riedle hob hervor, dass die Ausstellung nicht allein die Biografie Heydrichs in den Mittelpunkt stelle, sondern die Strukturen und Entwicklung des nationalsozialistischen Terrorapparates, aber auch und die Perspektive der Opfer sichtbar mache. „Besonderen Wert legt die Ausstellung auf wiederkehrende Perspektivwechsel hin zu den Opfern der Verfolgungs- und Mordpolitik“, sagte sie. Die Ausstellung zeichnet den Aufstieg Heydrichs zu einem der zentralen Organisatoren des nationalsozialistischen Terror- und Vernichtungsapparates nach. Präsentiert werden knapp 300 Exponate aus mehr als 70 Archiven sowie historisches Audio- und Filmmaterial.Die Eröffnung fand am Jahrestag des Attentats auf Heydrich im Jahr 1942 statt. Die anschließenden Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Besatzer gegen die tschechische Bevölkerung prägen bis heute das kollektive Gedächtnis Tschechiens.An der Veranstaltung nahm auch die Gesandte-Botschaftsrätin der Tschechischen Republik in Deutschland, Hana Klučarová, teil. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung von Michael Müller- Kasztelan und Stefan Bone vom Theater Kiel mit Werken unter anderem von Gustav Mahler, Erwin Schulhoff, Paul Ben-Haim und Tzvi Avni.Die Ausstellung „Reinhard Heydrich. Karriere und Gewalt“ ist vom 28. Mai bis zum 16. August 2026 täglich von 10 bis 18 Uhr im Landeshaus zu sehen. Der Eintritt ist frei. Für den Zutritt zum Landeshaus ist ein amtlicher Lichtbildausweis erforderlich.Hintergrund:Reinhard Heydrich (1904–1942) machte im NS-Staat eine steile Karriere. In wenigen Jahren wurde er unter Heinrich Himmler zum mächtigsten Mann im Überwachungs- und Verfolgungsapparat von SS und Polizei. Heydrich trug die Verantwortung für zahllose Verbrechen, die Mitarbeiter der von ihm geleiteten Dienststellen verübten. Während des Zweiten Weltkriegs war er maßgeblicher Organisator des Holocaust. Als „Stellvertretender Reichsprotektor“ ging er im deutsch besetzten Teil der 1939 zerschlagenen Tschechoslowakei brutal gegen den dortigen Widerstand vor. Im Juni 1942 starb er an den Folgen eines Attentats in Prag. Das NS-Regime verklärte ihn fortan als „Märtyrer“.Wie verlief Heydrichs Aufstieg im NS-Staat? Was hatte ihn in seinen frühen Jahren geprägt und welche Rolle spielte seine Familie? Wie kam Heydrich in Kontakt mit NSDAP und SS, welche Personen förderten dort seine Karriere und in welchem Netzwerk agierte er? Welche Rolle hatte Heydrich beim Ausbau des Sicherheitsdiensts der SS und des nationalsozialistischen Polizeiapparats, die schließlich in großen Teilen Europas Terror und Gewalt ausübten? Und was waren die Folgen seiner verbrecherischen Befehle für die Betroffenen der Verfolgungs- und Vernichtungspolitik? Diesen Fragen geht die Ausstellung nach. Abschließend lenkt sie den Blick auf Bilder und Vorstellungen von Heydrich, die ihren Ursprung in der nationalsozialistischen Propaganda haben, nach 1945 fortgeschrieben oder umgedeutet wurden und teils bis heute wirkmächtig sind. Die Ausstellung weist zahlreiche Bezüge zu Schleswig-Holstein auf. 1922 trat Reinhard Heydrich in Kiel als Seekadett in die Reichsmarine ein. In der Marinestation der Ostsee, dem heutigen Landeshaus, verbrachte er auch die letzten Jahre seiner Karriere in den Seestreitkräften, bis er 1931 die Marine verlassen musste. Heydrichs Ehefrau Lina, ebenfalls eine überzeugte Nationalsozialistin, stammte von Fehmarn, wo die Heydrichs seit Mitte der 1930er- Jahre auch ein Ferienhaus besaßen. Sie betrieb in dem Haus bis in die 1960er-Jahre eine Pension und lebte bis zu ihrem Tod 1985 auf Fehmarn. Einige Exponate zu diesen Themen werden auch in der Ausstellung gezeigt.Mit der Präsentation im Landeshaus möchte der Landtag einen Beitrag zur öffentlichen Aufarbeitung der deutschen Geschichte wie auch der Geschichte des Landes Schleswig-Holstein leisten. Anlässe sind zudem der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion sowie die Beauftragung Reinhard Heydrichs mit der sogenannten „Endlösung“ vor 85 Jahren (Juni und Juli 1941).