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28.05.26 , 11:31 Uhr
SSW

Sybilla Nitsch: Antisemitismus verschwindet nicht - er wird unsichtbarer

Pressemitteilung
Nr. 144/2026 Kiel, 28.05.2026
Pressesprecher Per Dittrich Tel. 01520-161 2276



Antisemitismus verschwindet nicht - er wird unsichtbarer Zur heutigen Landespressekonferenz mit LIDA-SH/zebra e.V. zu antisemitischen Vorfällen in Schleswig-Holstein erklärt die innen- und rechtspolitische Sprecherin der SSW-Landtagsfraktion, Sybilla Nitsch:
„Die leicht rückläufigen Zahlen dürfen niemanden in falscher Sicherheit wiegen. Die eigentliche Alarmmeldung dieser Pressekonferenz war eine andere: Immer mehr jüdische Menschen verlieren das Vertrauen, dass Staat und Gesellschaft sie ausreichend schützen. Viele ziehen sich zurück. Viele verzichten inzwischen darauf, sich offen als jüdisch zu erkennen zu geben. Selbst Synagogen werden nicht mehr uneingeschränkt als sichere Orte wahrgenommen. Das ist erschütternd.
Besonders bedrückend ist dabei die wachsende Resignation. Wenn antisemitische Vorfälle irgendwann gar nicht mehr gemeldet werden, weil Menschen sich an Pöbeleien, Einschüchterung und Bedrohungen gewöhnen oder keine Konsequenzen mehr erwarten, dann verschwindet der Antisemitismus nicht. Er wird nur unsichtbarer.
Die Vorstellung der Zahlen hat außerdem deutlich gemacht, dass Antisemitismus längst wieder offen im öffentlichen Raum stattfindet. Antisemitische Aufkleber, Schmierereien und Gewaltfantasien gehören inzwischen sichtbar zum Alltag in Schleswig-Holstein.
Besonders gefährlich ist die zunehmende Enthemmung israelbezogenen Antisemitismus. Natürlich gehört Kritik an Regierungen zur Demokratie - auch Kritik an der israelischen
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Regierung. Aber wer Israel mit dem Nationalsozialismus gleichsetzt, dem jüdischen Staat das Existenzrecht abspricht oder Jüdinnen und Juden kollektiv für israelische Politik verantwortlich macht, überschreitet diese Grenze bewusst.
Wir hören seit Jahren den Satz: ‚Nie wieder ist jetzt.‘ Viele Jüdinnen und Juden erleben inzwischen etwas anderes: Dass antisemitischer Hass wieder offener ausgesprochen wird, dass Menschen sich zurückziehen und dass das Sicherheitsgefühl schwindet. Genau daran muss sich unsere Gesellschaft messen lassen - nicht an Sonntagsreden oder Gedenkveranstaltungen.
Mein ausdrücklicher Dank gilt LIDA-SH/zebra e.V. für ihre wichtige Arbeit. Denn die heutige Pressekonferenz hat erneut deutlich gemacht, wie wichtig es ist, antisemitische Vorfälle sichtbar zu machen, die in vielen anderen Statistiken gar nicht auftauchen würden."

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