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17.06.26 , 17:40 Uhr
B 90/Grüne

Silke Backsen zur Zukunft der Fischerei in Schleswig-Holstein

Presseinformation Nr. 26.195 17.06.2026
Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 20 – Zukunft und Existenzsicherung der Fischerei in Schleswig-Holstein unter Berücksichtigung alle Sektoren
Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Silke Backsen:
Ohne Fische gibt es keine Zukunft der Fischerei Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,
ich danke der Landesregierung, die hier aufgrund einer Großen Anfrage des SSW aus verschiedenen Ressorts Fakten rund um die Fischerei zusammengetragen hat.
Es gibt nicht die eine Fischerei oder Fischereiform in Schleswig-Holstein, sondern die Fischerei ist vielfältig und betrifft sowohl Nord- als auch Ostsee und das Binnenland. Über alle Sparten hinweg wird aber deutlich, dass die Fischereiflotte, also die Fahrzeuge, überaltert ist, und dass sich auch hier der demografische Wandel zeigt. Es gibt zu wenig Nachwuchskräfte in der Fischerei, trotz Bundesmitteln zur Förderung der Berufsausbildung.
Bezogen auf die Kutter- und Küstenfischerei der Nordsee war die wirtschaftliche Situation in der Krabbenfischerei im letzten Jahr positiv. Und auch die Miesmuschelwirtschaft in der Nordsee steht seit Jahren wirtschaftlich insgesamt gut da. Demgegenüber ist die wirtschaftliche Situation in der Ostseefischerei mittlerweile seit vielen Jahren angespannt und äußerst kritisch. Hier wird aus meiner Sicht einmal mehr deutlich, wie stark der Zustand der Meere und der Küstengewässer mit dem Wohlergehen der Küstenfischerei zusammenhängt.
Eine Grundlage, geschweige denn eine Zukunft für die Fischerei kann es nicht geben ohne Fische, das liegt auf der Hand. Wenn wir den Fortbestand der Küstenfischerei sichern möchten, kommen wir deshalb um das Thema Meeresschutz nicht herum. Der Zustand der Ostsee ist, wie Sie alle wissen, kein guter. Wir setzen daher einen politischen Schwerpunkt auf einen verbesserten Ostseeschutz mit dem Aktionsplan Ostseeschutz 2030. Durch die Zielvereinbarung mit der Fischerei, die am 23. April unterzeichnet wurde, sorgen wir dafür, dass den Fischer*innen in diesen schwierigen Zeiten ein Fortbestand der Betriebe ermöglicht wird.
Ich finde es gut und richtig, wenn die Fischer*innen sich mit ihren Fahrzeugen, mit ihrer Sachkenntnis und Erfahrung am Meeresschutz beteiligen, indem sie zum Beispiel Geisternetze aus dem Wasser fischen oder indem sie Daten erheben, die für das Monitoring gebraucht werden und dafür dann auch finanziell honoriert werden. Ich halte das aktuell für einen zukunftsweisenden Weg. Und ich kann sehr gut nachempfinden, dass unsere Fischer*innen primär fischen wollen, das ist ihre Berufung, ihr Beruf! Deshalb freue ich mich sehr, dass diese Vereinbarung zustande gekommen ist. Denn für die Ostseefischerei ist die Situation besonders herausfordernd. In der Ostsee zeigen sich schon sehr deutlich die Folgen des Klimawandels und die damit einhergehenden Veränderungen des Ökosystems.
Die Überfrachtung der Ostsee mit Nährstoffen und die Folgen der Klimakrise wirken gemeinsam auf das Ökosystem Ostsee. Der Ostsee geht buchstäblich die Luft aus. Durch zu hohe Nährstoffeinträge kommt es regelmäßig zu Algenblüten, die Algen sterben ab und werden auf dem Meeresboden zersetzt, weiterer Sauerstoff wird verbraucht. Neben einer natürlichen Wasserschichtung und neben der Tatsache, dass eben warmes Wasser weniger Sauerstoff speichern kann, kommt es zu sogenannten Todeszonen. Hier kann sich dann eben auch kein Fischnachwuchs mehr entwickeln. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Fischbestände müssen wir sicherstellen, jede Form der Fischerei muss auf Dauer an der Ressourcenverfügbarkeit unter Berücksichtigung des Zustands der Gewässer und unter Minimierung der Umweltauswirkungen ausgerichtet sein.
Ich habe meinen Blick hier vor allem auf die Ostsee gerichtet, in dieser sehr umfassenden Antwort steckt aber natürlich viel mehr drin. Darin sind auch die Belange der Binnenfischerei und der Teichwirtschaft angesprochen. Auch hier ist die wirtschaftliche Situation für die Betriebe angespannt. Die Teichwirtschaft wird ohne öffentliche Förderprogramme nicht überleben können, so die Antwort der Landesregierung. Und auch hier sind wir einer Lösung recht nah. Die Landesregierung arbeitet seit längerem an einer Förderrichtlinie für eine ganzheitliche Teichwirtschaft, die demnächst in Kraft treten wird. Diese Förderung hilft den Teichfischer*innen und dient zugleich auch dem Naturschutz. Denn wenn ein Fischteich bei Aufgabe der Bewirtschaftung verlandet, bedeutet dies eben auch einen Verlust des Ökosystems, des Lebensraums für die an das Gewässer gebundenen Arten.
Lassen sie mich abschließen mit einem Wunsch: aktuell werden über 90 Prozent der Nordseekrabben nach Marokko transportiert, um dort manuell gepult zu werden. Wenn Nachhaltigkeit einen Sinn ergeben soll, dann müssen wir uns stärker dafür einsetzen, dass es endlich marktfähige Krabbenpulmaschinen hier in Schleswig-Holstein gibt.
Vielen Dank!
***
Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein Pressesprecherin Claudia Jacob Landeshaus Düsternbrooker Weg 70 24105 Kiel
T 0431 988 1503 M 0172 541 83 53 presse@gruene.ltsh.de sh-gruene-fraktion.de

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